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Ardagh will Europa-Zentrale nicht in der Bergstadt aufbauen / Wieder gehen 45 Arbeitsplätze verloren

Schock: Heye verliert Verwaltung an Nienburg

Obernkirchen. Die letzte Hiobsbotschaftüber Personalabbau bei Heye ist erst sechs Monate alt, hier kommt die nächste: Die komplette Verwaltung der alten Heye Glas GmbH ("Ardagh Glass") wird nach Nienburg verlagert, das Obernkirchener Werk verliert weitere 45 Arbeitsplätze. Mindestens ein Teil der Mitarbeiter muss mit der Kündigung rechnen: In der neuen Kontinentaleuropa-Zentrale der Ardagh-Gruppe soll kräftig Personal eingespart werden.

veröffentlicht am 23.06.2007 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Werner

Die irische Ardagh Glass Group hatte im März die Übernahme der Glassparte des britischen Verpackungskonzerns Rexam bekannt gegeben. Für den deutschen Behälterglas-Markt bedeutet das: Zu den eigenen Werken in Obernkirchen und Germersheim gesellen sich sieben weitere Glas-Standorte, darunter Bad Münder und Nienburg. In Nienburg hatte Rexam bereits eine Verwaltungszentrale für seine 13 europäischen Standorte etabliert. Künftig sollen von hier aus 17 Ardagh-Standorte (neun in Deutschland und insgesamt acht in Holland, Skandinavien, Polen und Italien) verwaltet werden. Durch die Rexam-Übernahme steigt Ardagh zum drittgrößten Wettbewerber auf dem europäischen Behälterglasmarkt auf. Die existierende Logistik und das Raumangebot in Nienburg haben in der Standort-Konkurrenz zu Obernkirchen offenbar den Ausschlag gegeben. In der alten Rexam-Zentrale sind bereits 130 Verwaltungsmitarbeiter beschäftigt, in Obernkirchen 45. In der neuen Ardagh-Zentrale werden nach Informationen des Obernkirchener Betriebsrates nur noch rund 120 Mitarbeiter beschäftigt bleiben - 55 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden. Wie viele davon aus Obernkirchen, ist noch unklar: Innerhalb von vier Wochen wolle Ardagh ein Konzept vorlegen, teilt Betriebsratschef Stephan Seiffert mit. Der von der Stadt unterstützte Vorschlag, das ungenutzte Bornemann-Verwaltungsgebäude in die Planung einzubeziehen, um die Verwaltungszentrale nach Obernkirchen zu holen, hat sich nicht durchgesetzt. In dieser Variante sollte die Verwaltung von Heye-International (die in Obernkirchen bleibt) ins Bornemann-Gebäude umziehen, um auf dem Werksgelände Platz für die neue Zentrale zu schaffen. "Das ist eine bittere Pille, Obernkirchen gehört zu den permanenten Verlierern", kommentiert Seiffert den erneuten Verlust von Arbeitsplätzen. Erst zum Jahresende hatte das Unternehmen mit der Ausmusterung einer Produktionslinie eine neue Runde des Personalabbaus eingeläutet (wir berichteten). Mit der jetzt bevorstehenden Streichung zähltSeiffert den siebten Stellenabbau bei ,Heye' in kaum mehr als sieben Jahren. Von den noch verbliebenen 453 Mitarbeitern im Glaswerk werden nach der Auslagerung der Verwaltung knapp über 400 übrig bleiben. Bereits in der vorigen Woche hatte das polnische Kartellamt grünes Licht für die Übernahme auch der polnischen Rexam-Standorte gegeben und damit das Übernahmegeschäft insgesamt perfekt gemacht. Von dieser Entscheidung hatte Ardagh die Bekanntgabe des Verwaltungssitzes abhängig gemacht. Der Betriebsrat hatte gestern Morgen vom Zuschlag für Nienburg erfahren. "Wir sind alle kalt überrascht worden", sagt Seiffert. Zwar habe man sich auch vorher schon Gedanken gemacht, aber es habe eine reale Chance gegeben, dass sich der Vorschlag für Obernkirchen durchsetzt. Am Vormittag wurden die betroffenen Mitarbeiter informiert: "Sie waren geschockt, es gab Tränen", berichtet Seiffert. Gegen 13 Uhr erfuhr die übrige Belegschaft vom Schicksal der Kollegen. Anschließend hatte das Ardagh-Management Bürgermeister Oliver Schäfer zum Termin gebeten. "Ein Schlag ins Kontor" zeigt sich auch Schäfer enttäuscht über das Scheitern des Angebots für das Bornemann-Gebäude. Für die Bergstadt wäre dies eine ideale Variante gewesen, die nicht nur Arbeitsplätze geschaffen, sondern auch mehr Leben in die Innenstadt gebracht hätte. Jetzt sieht Schäfer die Position der Stadt als Grundzentrum weiter geschwächt. Offiziell bestätigt hat Ardagh den Personalabbau gestern bis Redaktionsschluss nicht. Ein Dreizeiler informiert lediglich über den erfolgreichen Abschluss der Rexam-Übernahme. Eine weitergehende Presseerklärung wurde von Ardagh angekündigt, blieb aber aus.



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