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Aber er ist nicht der höchste Berg im Weserbergland / Los geht’s in Hummersen

Schneefreuden auf 500 Metern Höhe: Sonntagsausflug zum Köterberg

Er ist nicht der höchste Berg des Weserberglandes; diesen Superlativ nimmt die 528 Meter hohe Große Blöße im Solling für sich ein. Doch diese Erhebung ragt kaum merklich über das Solling-Gewölbe empor, sodass sie keineswegs beeindruckend wirkt. Ganz anders dagegen der knapp 500 Meter hohe Köterberg im Süden unserer Wanderregion, der imposanteste Berg der Gebirge dies- und jenseits der Weser. Seiner massigen Gestalt und der waldlosen Kuppe wegen wird er liebevoll als „Brocken des Weserberglandes“ bezeichnet.

veröffentlicht am 06.02.2010 um 05:39 Uhr

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Autor:

Ingeborg Müller

Und wie dieser Berg im Harz ist auch er als eine Art Solitärberg weithin zu sehen. Mit Hunden hat der Name des Berges übrigens nichts zu tun, auch wenn er den Ulknamen „Monte Wauwau“ trägt und auf den Postkarten häufig ein „Köter“ abgebildet ist. Eher schon war er ein „Götterberg“, zumal seine Bedeutung in germanische Zeit zurückreicht. Drei altgermanische Gaue stießen hier zusammen, sodass sich der Name des Berges auch von Küte (= Grenze) ableiten ließe.

Grenzstreitigkeiten um den exponierten, von Mythos umgebenen Berg gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder, zumal bis in die jüngere Vergangenheit wertvolle Bodenschätze in seinem Bereich vermutet wurden. Als abbauwürdig erwies sich jedoch nur Schwefelkies, der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Falkenhagen und Hummersen

gefördert wurde. Von der Hoffnung der Menschen auf das Vorkommen von Edelmetallen zeugt die bekannteste der vielen Sagen, die sich um den Köterberg ranken. Danach soll eine Elfe einem Schäfer, der oben seine Herde hütete, mithilfe einer Springwurzel den Zutritt in das Innere des mit Schätzen gefüllten Berges ermöglicht haben. Er habe zwar mitgenommen, so viel er nur tragen konnte, die Wurzel aber liegen lassen. So blieb der Berg für alle Zeit verschlossen.

Der 80 Meter hohe Funkturm auf der kahlen Bergkuppe verhalf dem Köterberg noch zusätzlich zu seinem markanten Landschaftsbild.

Die einzigartige Lage des Köterberges ist hervorragend geeignet zur Nachrichtenübermittlung. Schon die Germanen sollen von ihm aus Feuerzeichen ausgesandt haben. Von 1813 bis 1848 gab es hier einen optischen Telegrafen, über den als letzte Nachricht die Ereignisse der Märzrevolution übermittelt wurden. 1970 wurde schließlich jener 80 Meter hohe Funkturm erbaut, der zunächst als äußerst störend empfunden worden war. Er hat jedoch dem wuchtigen Berg zu einem noch markanteren Bild in der Landschaft verholfen.

Der Beliebtheit des 1929 eingeweihten Köterberghauses konnte der alles überragende Turm und die noch später errichteten, ursprünglich militärisch genutzten Masten keinen Abbruch tun. Mit seiner behaglichen Gaststätte, einem Kiosk und einigen Hotelzimmern erweist sich der achteckige holzverkleidete Bau als ein Besuchermagnet. Dazu trägt die großartige Fernsicht vom Köterberg-Plateau aus wesentlich bei. Viel Zeit muss man mitbringen, um sie zu genießen. Denn der Blick ist nach allen Seiten hin frei, eine Kupfertafel hilft der Orientierung.

Auf einer guten Fahrstraße kann man bequem auf die Kuppe fahren, mit dem Auto oder – wie Hunderte begeisterter Biker vor allem sonntagvormittags – mit dem Motorrad. Aber man kann auch hinauf laufen, vom Dorf Köterberg beispielsweise oder doch wenigstens vom unteren Parkplatz aus, der auf halber Höhe liegt. Wir aber wollen den Berg vom nördlich gelegenen Erholungsort Hummersen aus ersteigen und uns an den ihn umgebenden Wäldern und immer wieder an seiner eindrucksvollen Silhouette erfreuen.

Nach Hummersen gelangt der Autofahrer entweder über die Bundesstraße 83, die er in Polle oder über die B 239, die er in Rischenau verlässt. Er wird im Ort zunächst in Richtung Köterberg, später zum Hotel Lippische Rose geleitet. Dort liegt am Ende des Grundstücks ein größerer Parkplatz. In Hotelnähe gibt es eine Haltestelle der Linie 760 Pyrmont–Rischenau der Busverkehr Ostwestfalen GmbH, Geschäftsstelle Detmold. Bad Pyrmont ist mit der S-Bahn Hannover–Paderborn zu erreichen. Dem Hotel gegenüber steht eine Wanderkarte. Bei dieser Wanderkarte starten wir unsere Rundwanderung auf der Straße Vogelsang, biegen aber noch vor dem Hinweis zum Freibad nach links ab entsprechend einem Holzschild, das uns zum Köterberg weist.

Unter hohen Birken und Robinien beginnen wir den Aufstieg am Waldrand, kommen an einem kleinen Steinbruch mit rotem Buntsandstein und einer Schießanlage mit Grillhütte vorbei. Dabei umkreisen wir den Berg mit dem hübschen Namen Vogelsang und schauen hinüber zu den ausgedehnten Wäldern des Klosters Corvey, ehe uns der Wald ganz aufnimmt. Unser Weg überquert zwei Bachtäler, dazwischen liegt eine Wassergewinnungsanlage. Bei einer Gabelung mit Bank am Wegrand werden wir nach rechts zum Köterberghaus auf die Fernwege X18 und X19 gewiesen und steigen zügig an bis zum Waldrand.

Fast greifbar liegt jetzt der Köterberg vor uns. Bei einem Querweg werden wir von einem weiteren Schild nach links geführt, umwandern eine Koppel und steigen schließlich im Wald weiter an. In einer scharfen Linkskurve geht nach rechts ein schmaler, mit A1 markierter Wanderweg ab, der anfangs nicht sonderlich gepflegt ist, uns aber mit seinem geradezu traumhaften Blick entschädigt. Er führt uns an der Nordseite des Berges entlang bis zur Fahrstraße oberhalb des Ortes Köterberg. Ihr folgen wir nach rechts, bis vor der Kurve unterhalb einer weißen Bank ein Weg nach links abzweigt, weiterhin mit A1 gekennzeichnet. Auf ihm steigen wir mehr oder weniger steil an und biegen bei den Hydrantentafeln auf den schmalen Weg nach rechts ab, der uns rasch zur Bergkuppe bringt.

Dort können wir die Fernsicht genießen und versuchen, die angeblich von hier auszumachenden 60 Ortschaften zu erspähen. Hatten wir das Plateau vom Westen her erreicht, so treten wir den Rückweg nach Osten an. Am bequemsten ist es, der Fahrstraße das kurze Stück hinunter bis zum unteren Parkplatz zu folgen. Während die Straße hier in einer scharfen Linkskurve abbiegt, folgen wir dem asphaltierten Forstweg in unserer bisherigen Richtung geradeaus. Er ist zunächst wieder mit X 18 und X 19 markiert, und ein Holzschild weist uns nach Hummersen.

Wir stoßen auf einen Querweg und wandern nach links weiter, jetzt begleitet uns auch noch die Kennzeichnung des Fernwanderweges X5. Ihr folgen wir bergab in Richtung Polle durch ein zerklüftetes Gelände, vorbei an einem Gedenkstein für einen tödlich verunglückten jungen Waldarbeiter.

In einer Haarnadelkurve mit einer kleinen Schutzhütte ist unser Weg wiederum nach Hummersen beschildert. Auf ihm erreichen wir ein größeres Holzhaus und biegen nun nach links ab auf einen zum Waldrand führenden, abwechslungsreichen Weg. Dann geht es durch die Feldflur zurück nach Hummersen. Dabei schauen wir voller Bewunderung über die eigene Leistung zurück zum Köterberg, aber auch nach vorn in das liebliche Lippische Bergland.

Kurz vor dem Ort können wir rechts die Golfer des Golfclubs Weserbergland und im Ort – wenn wir nach links einbiegen – wunderschöne Fachwerkhäuser, darunter das Ensemble des Krachthofes, betrachten. Unmittelbar darauf erreichen wir wieder unseren Startpunkt.



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