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Unfall / Geldstrafe für Brummifahrer

Schneckentempo auf der Autobahn

Auetal / Bückeburg (ly). Wer auf der Autobahn in einen Stau gerät oder aus anderen Gründen langsam fahren muss, kann sich bei einem Unfall strafbar machen, wenn er kein Warnblinklicht eingeschaltet hat. Dies lehrt ein Fall aus dem Auetal, der jetzt das Bückeburger Amtsgericht beschäftigt hat.

veröffentlicht am 10.11.2006 um 00:00 Uhr

Nachts um 1.45 Uhr war ein polnischer Lastwagenfahrer auf der rechten Spur im Schneckentempo von 23 Stundenkilometernüber die A2 gezuckelt. Mit einem Geschwindigkeitsüberschuss von bis zu 80 km/h krachte daraufhin ein Wuppertaler (69), der am Steuer eines Personenwagens saß, in das Heck des Sattelschleppers. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, darunter ein Schädel-Hirn-Trauma. Für vier Wochen musste der Mann ins Krankenhaus, zeitweise lag er im Koma. Noch heute, mehr als zwei Jahre nach dem Unfall, klagt der Rentner über Beschwerden und kann sich an nichts erinnern. An dem nächtlichen Zusammenprall trägt der 69-Jährige die Hauptschuld. Eine Mitschuld trifft jedoch den Brummifahrer (39), weil dieser auf das Einschalten der Warnblinkanlage verzichtet hatte, zudem mitten in der Nacht. Deshalb hat das Bückeburger Amtsgericht den Polen jetzt wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer eher geringen Geldstrafe von 40 Euro verurteilt, die sich allerdings auch an den niedrigen polnischen Einkommensverhältnissen orientiert. Staatsanwalt Wilfried Stahlhut hatte 300 Euro gefordert, ein Monatsgehalt. Die Verfahrenskosten muss der Verurteilte tragen. "Wer auf der Schnellfahrstraße Autobahn mit Geschwindigkeiten unterwegs ist, die deutlich unter dem Üblichen liegen, stellt eine besondere Gefahr dar und muss auf sich aufmerksam machen", begründete Richter Armin Böhm das Urteil. "Der Angeklagte hätte die Warnblinkleuchten einschalten müssen, um den hinteren Verkehr zu warnen." Im Hintergrund steht eine entsprechende Entscheidung des Oberlandesgerichtes Frankfurt aus dem Jahr 1984. Warum der Pole, in Deutschland wegen Diebstahls und Steuerhinterziehung vorbestraft, damals so langsam gefahren ist, konnte nicht mit Sicherheit geklärt werden. Möglicherweise kam der Sattelschlepper, der 25 Tonnen geladen hatte, am Berg einfach nicht in die Gänge. Anfangs hatte der Angeklagte ("Es tut mir sehr Leid") dem Gericht vorgegaukelt, er sei ausgebremst worden, war dann aber von dieser Darstellung wieder abgerückt.

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