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Geld für Sanierung vorhanden / Museum legt Konzept vor / Am 23. April Gespräch mit Landkreis

Schlosserei Bornemann: Zukunft weiter unklar

Obernkirchen (rnk). Weil Zukunft Herkunft braucht, sollte die ehemalige Schmiede Bornemann umziehen - aus der Kernstadt Obernkirchen hin aufs Werksgelände in Gelldorf, wo dann auswärtigen Gästen gezeigt werden könnte, wo 1815 das heutige Weltunternehmen seinen Ursprung hatte. So verkündete es vor drei Jahren Bornemann-Geschäftsführer Dr. Ingo Bretthauer. Doch die Schlosserei steht noch immer an ihrem alten Platz, der Landkreis wird in diesem Jahr Geld in die Sanierung des Gebäudes investieren. Die Zukunft des Gebäudes ist dagegen immer noch unklar.

veröffentlicht am 05.04.2007 um 00:00 Uhr

Bornemann-Keimzelle: Die Schlosserei gehörte dem Vater des Firme

Für die Sanierung stellt der Landkreis 10 000 Euro zur Verfügung, teilt Pressesprecher Klaus Heimann mit. Es sind nicht die einzigen Mittel: Die Denkmalpflege steuert 10 500 Euro bei, die Stadt Obernkirchen 500 Euro, das Kulturfenster Obernkirchen hat als Antragsteller noch eine sachbezogene Spende von 8000 erhalten, das Amt für Landentwicklung gibt 21 000 Euro. Die Bornemann-Keimzelle ist zwar bemerkenswert, aber nicht selten, meint der Landkreis. Denn ein Handwerksbetrieb mit Wohnhaus an der Straße und mit Werkstätten im Hinterhof ist im Stadtbild häufiger zu finden. Ab etwa 1830 war Bornemann Zulieferer von dort für die aufstrebenden Glashütten in der Region. Die jetzt angestrebte Sanierung dient der Bestandssicherung und dem Erhalt des Denkmals. Gefördert werden, so teilt der Landkreis mit, die Instandsetzung und Modernisierung des Daches und der Fassaden sowie die statische Sicherung des Gebäudes. Die Fenster und Türen sollen möglichst restauriert werden, das Dach muss neu eingedeckt werden. Im Inneren des Gebäudes ist eine statische Sicherung erforderlich, außerdem sind die Holzfußböden zu sanieren und teilweise zu ersetzen. Die originale Ausstattung wird nicht verändert. Eine Garantie, dass die Schlosserei als museale Außenstelle erhalten bleibt, ist dies allerdings nicht. Eigentümer ist die Paritätische Gesellschaft Behindertenhilfe (PGB), die wiederum bis zum September letzten Jahres das Gebäude an die Firma Bornemann vermietet hatte. Wie es weitergeht, "das wissen wir nicht", erklärt PGB-Werkstattleiter Walter Wieczorek. Am 23. April werde es ein Gespräch mit dem Landkreis geben, in dem vor allem geklärt werden soll, wie das Gebäude erhalten bleiben und so instandgesetzt werden kann, dass keine Unfälle passieren können. Zwar habe man sich selbst eine andere Nutzung des Platzes vorgestellt und daher beim Landkreis auch eine Genehmigung auf Abriss gestellt, doch nach dem ablehnenden Beschluss müsse man das Beste aus der Situation machen. Eine Lösung ist noch nicht gefunden, meint auch Historiker und Museumsleiter Rolf-Bernd de Groot. Ein Betreibungskonzept des Berg- und Stadtmuseums sieht vor, die Schlosserei in Funktion zeigen zu können und in den angrenzenden Stallräumen eine Dauerausstellung zur Geschichte der Maschinenfabrik Bornemann zu zeigen. Über Stadtführungen und Aktionstage soll das Ensemble dann erlebbar gemacht werden. Historiker de Groot stuft das Ensemble unmissverständlich als Rarität ein: als eines der letzten baulichen Zeugnisse der vielen Handwerksbetriebe der Bergstadt, die im Vorderhaus als Familie wohnten und im Hinterhof ihr Gewerbe führten. Ein von Bornemann-Geschäftsführer Dr. Ingo Bretthauer einst ins Gespräch gebrachter Abriss und Umzug hätte der Schlosserei ihren authentischen Wertes geraubt, so erklärt Sigmund Graf Adelmann von der "Schaumburger Landschaft", denn der "Rauch und Dreck und Lehm" verleihe dem Gebäude seinen wirklichen Wert, ganz abgesehen davon, dass durch den Hinterhof-Standort gut zu sehen sei, wie früher gelebt und gearbeitet worden sei. Nach einem Abriss und einem Wiederaufbau auf dem Werksgelände in Gelldorf hätte die Bornemann-Keimzelle keine Wirkung mehr gehabt. Mit dem Abriss hätte die Schlosserei zudem ihre Stellung als Baudenkmal verloren, ergänzt Franziska Henschel von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises: "Und der klassische Hinterhofstandort gehört dazu." Es sei kein einfacher Prozess gewesen, der zur Entscheidung geführt habe, das Gebäude dort zu belassen. Immerhin habe die Paritätische Gesellschaft Behindertenhilfe als Gebäudeeigentümer einen Antrag auf Abriss gestellt, der unter anderem auch abgelehnt worden sei, weil eine wirtschaftliche Unverhältnismäßigkeit nicht bestanden und daher auch nicht nachgewiesen werden konnte. Vehementester Befürworter eines Umzugs zumindest der Exponate der Schlosserei, wenn schon nicht der ganzen Schlosserei, war Dr. Ingo Bretthauer, Geschäftsführer der Firma Bornemann. Dass Bretthauer weiterhin an einer Verlagerung aus der Kernstadt nach Gelldorf interessiert ist, ist eher unwahrscheinlich: Er sei nicht mehr für die Firma Bornemann tätig, hieß es dort lapidar.



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