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Richard Smith – ein gebürtiger Brite mit viel Herz

Schlitten? Hier fährt der Weihnachtsmann Bus

Hameln (roh). Wenn Richard Smith am frühen Morgen in seine weihnachtliche Arbeitskluft schlüpft, dann weiß er: „Der Weihnachtsmann nimmt vielen Menschen für einen kurzen Augenblick den Stress.“ Und Smith weiß, wovon er redet. Seit nunmehr zwölf Jahren dreht der 62-jährige zur Weihnachtszeit mit seinem Bus im Hamelner Stadtgebiet als Weihnachtsmann verkleidet seine Runden. Welche Linie er zu fahren hat, erfährt er erst einen Tag zuvor. „Du kannst soviel Geld haben, wie du willst, aber das Leuchten der Kinderaugen kannst du dir nicht kaufen“

veröffentlicht am 16.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 17.12.2009 um 12:39 Uhr

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Hameln (roh). Wenn Richard Smith am frühen Morgen in seine weihnachtliche Arbeitskluft schlüpft, dann weiß er: „Der Weihnachtsmann nimmt vielen Menschen für einen kurzen Augenblick den Stress.“ Und Smith weiß, wovon er redet. Seit nunmehr zwölf Jahren dreht der 62-jährige zur Weihnachtszeit mit seinem Bus im Hamelner Stadtgebiet als Weihnachtsmann verkleidet seine Runden. Welche Linie er zu fahren hat, erfährt er erst einen Tag zuvor. „Du kannst soviel Geld haben, wie du willst, aber das Leuchten der Kinderaugen kannst du dir nicht kaufen“, sagt der gebürtige Brite und erzählt, wie es dazu kam, dass er die Weihnachtszeit für die Fahrgäste der Öffis stimmungsvoller gestaltet. „Damals dachte ich: ‚Irgendetwas fehlt hier im Linienverkehr‘, denn bis dahin habe ich vor allem Reisebusse gefahren“, sagt Smith. Er habe dann die Idee, als Weihnachtsmann verkleidet seinen Dienst zu tun, seinem damaligen Chef vorgestellt, der – mit der Vorgabe, dass das nichts kosten dürfe – zustimmte. So hat Smith eben Verkleidung und Süßigkeiten, die er nicht nur an Kinder verteilt, aus eigener Tasche finanziert.

Geändert hat das vor zwei Jahren der aktuelle Geschäftsführer Carsten Busse. Als sein Chef erfahren habe, dass „Weihnachtsmann Ritchie“ jedes Jahr rund 150 Euro für Süßigkeiten ausgibt, hat er sofort gesagt, dass künftig das Unternehmen diese Kosten übernehmen werde. Smith, den Kollegen, Kinder und viele Fahrgäste einfach „Ritchie“ nennen, ist aber nicht nur in der Weihnachtszeit um das Wohlergehen der Fahrgäste bemüht. Vor allem für die Kinder, ob gerade eingeschult oder kurz vor dem Schulabschluss, hat der leidenschaftliche Busfahrer immer ein offenes Ohr, spricht bisweilen von „seinen“ Kindern, die er morgens von der Haltestelle abholt und mittags wieder sicher nach Hause fährt. Noch ganz frisch in seiner Erinnerung ist allerdings auch sein schlimmstes Erlebnis als Busfahrer, als nämlich ein Junge vor seinem Bus über die Straße lief und von einem am Bus vorbeifahrenden Auto erfasst wurde. „Gott sei Dank ist der Unfall relativ glimpflich verlaufen“, sagt Smith. Es ist einer der wenigen Momente, in denen Smith nicht mit diesem verschmitzen Lächeln im Gesicht spricht. Ob Kollegen, Freunde, Fahrgäste oder Schüler: Für alle hat „Ritchie“ einen Scherz auf Lager. Sein Humor, der natürlich englisch geprägt ist, sorgt mitunter für verdutzte Mienen – so zum Beispiel, als er einen aufbegehrenden Teenager wegen seines Bayern-München Schals fragte: „Bayern München? Wieso denn kein deutscher Verein?“ Dem irritierten Schweigen des Schülers sei ein breites Grinsen gefolgt, erzählt Smith. Und die Schüler? Die sehen in ihrem „Ritchie“ nicht nur den Busfahrer, sondern nicht selten auch den Nachhilfelehrer. Smith erzählt: „Manchmal fragt mich ein weit vorne sitzender Schüler, ob ich bei den Englisch-Hausaufgaben helfen kann.“ Natürlich kann er. Und noch während er dem freudigen Kind bei der Antwort hilft, begehren die Klassenkameraden im hinteren Teil des Busses auf: „Lauter, wir verstehen hier ja gar nichts.“ Aber auch hier weiß der Busfahrer Abhilfe zu schaffen: „Meistens sind es ja mehrere Kinder aus einer Klasse, und dann stelle ich den Lautsprecher an, so dass auch die hinten sitzenden Kinder gut hören können.“

Erst vor kurzem ist sein Führerschein für weitere fünf Jahre verlängert worden. Die nächsten drei Jahre werde er noch voll arbeiten und die zwei Jahre danach dann vielleicht in Teilzeit, obwohl er dann schon in den Ruhestand gehen könnte. Sorgen macht sich Smith aber jetzt schon: „Ich weiß noch nicht, wer dann meinen Platz als Weihnachtsmann einnimmt, aber ich hoffe, dass sich bis dahin jemand finden wird, der in meine Fußstapfen tritt.“

Weihnachtsmann in Zivil: Richard Smith – eine Frohnatur. Fotos: roh

Smith, der 27 Jahre und 65 Tage (Smith: „So steht es in meiner Urkunde.“) im Dienst der britischen Armee gestanden hat und dort am Ende seiner Laufbahn als verantwortlicher Transportoffizier tätig war, spricht mit seiner deutschen Frau zu Hause nur Englisch, geht mit seinem Hund regelmäßig Gassi und kümmert sich vor allem im Sommer um den großen Garten. Wenn Smith einmal dazu kommt, fernzusehen, dann schaut er sich englischsprachige Sendungen an. Angetan haben es ihm Krimiserien, aber auch britische Komödien, besonders über die Monty-Python-Filme kann sich der busfahrende Weihnachtsmann amüsieren – aber viel Zeit bleibt ihm dafür nicht. „Manchmal hole ich schon um kurz nach fünf Uhr den ersten Fahrgast an einer Haltestelle ab“, sagt Smith. „Wenn ich dem als Weihnachtsmann einen guten Morgen wünsche und er mit einem entspannten Lächeln antwortet, dann fängt der Tag doch für uns beide gut an.“



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