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Vietnamesischer Kaufmann: Habe keine Feinde / Vollmacht erteilt / Probe aus 20 Liter-Benzinkanister

"Schlingmühle": Polizei ermittelt mit Hochdruck

Buchholz (tw). Nach dem Brand in der Schlingmühle, bei dem der - oder die - Täter am 13. Februar gegen 3 Uhr Feuer in dem Baudenkmal gelegt hatten, ermitteln die Beamten weiter auf Hochtouren. "Wir sind am Ball", sagt Bückeburgs Polizeisprecher Bernd Tünnermann, dessen Kommissariat die Ermittlungen federführend leitet. Der Kriminalhauptkommissar auf Nachfrage der Landes-Zeitung: "Hinweise, die auf ,Mafia-Strukturen' respektive Schutzgeld-Erpressungen hindeuten, haben wir derzeit aber nicht." Eben das war in den Tagen nach dem Brandanschlag von vielen Bürgern hinter vorgehaltener Hand vermutet worden.

veröffentlicht am 03.03.2007 um 00:00 Uhr

Tünnermann: "Der Inhaber der Import-/Exportfirma, die in dem Gebäude ihren Sitz hat, hat uns gegenüber geäußert, dass er sich die Brandstiftung nicht erklären kann." Er habe "keine Feinde", so der 41-jährige in Berlin wohnende Vietnamese zu den Beamten. Der Mann habe der Polizei inzwischen die Vollmacht erteilt, seine Geschäftsunterlagen durchleuchten zu dürfen. Das werden die Beamten auch tun, denn: "Wir müssen auch ihn definitiv als Täter ausschließen können", so der Pressesprecher. Der Vietnamese, der vor der Wende in der DDR lebte, handelt mit Textilien sowie Lkw-Fahrzeugteilen aus der früheren Produktion des Staates. Befragt - undüberprüft - werden aber auch die vier Eigentümer des Objekts, eine GbR mit Sitz in Berlin/Zeuthen. "Auch hier geht es darum, sie als mögliche Täter ausschließen zu können", sagt der Kriminalhauptkommissar. Zu weiteren Ansatzpunkten, die parallel dazu verfolgt werden, will sich die Polizei zum jetzigen Zeitpunkt aus ermittlungstaktischen Grünen noch nicht äußern. Die Brandstiftung selbst habe durchaus von einem Einzeltäter verübt werden können; denkbar sei aber, dass ein Komplize dabei Schmiere gestanden habe. Wie berichtet, war im Inneren der Schlingmühle in den frühen Morgenstunden des 13. Februar auf den Treppenstufen eine Lunte aus Kleidungsstücken gelegt worden, die bis in das erste Obergeschoss reichte. Dort entdeckten die Beamten einen so genannten Brandbeschleuniger. Tünnermann: "Wir haben einen 20 Liter-Kanister mit Restflüssigkeitgefunden und Proben genommen." Derzeit könne nur gesagt werden, dass es sich dabei nicht um Benzin handle. Besagte Kleider-Lunte stammt definitiv aus dem Depot des Vietnamesen, wo die Beamten gleichartige Stoffe gefunden haben. Nachdem ein Autofahrer den Brand entdeckt hatte, wurden um 3.14 Uhr sämtliche Feuerwehren der Samtgemeinde alarmiert. In dem weitgehend leerstehenden Gebäudeteil, in dem einst die Stuhlfabrik Brautlecht ihren Sitz hatte, brannte es an mehreren Stellen im Erd- und Untergeschoss. Insgesamt waren 32 Feuerwehrleute rund drei Stunden im Einsatz, davon acht mit schweremAtemschutz. Die Ortsfeuerwehr Buchholz übernahm bis in den Vormittag hinein die Brandsicherheitswache. Obwohl das Gutachten der Versicherung noch nicht vorliegt, geht die Polizei davon aus, dass die Schadenssumme "mit 200 000 Euro nicht zu hoch beziffert ist", wie Tünnermann sagt.

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