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Direktor des Amtsgerichts kündigt härtere Strafen an / "Wir machen hier kein Pille-Palle"

Schlechte Zeiten für die Autobahn-Raser

Bückeburg (ly). Raser, Drängler und andere Verkehrsrowdys, die für Wildwest auf der Autobahn 2 sorgen, haben vor dem Bückeburger Amtsgericht künftig schlechte Karten. Direktor Armin Böhm hat härtere Strafen angekündigt. "Die Tarife müssen sich mächtig ändern", so Böhm. "Wir machen hier kein Pille-Palle."

veröffentlicht am 21.11.2008 um 00:00 Uhr

Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht mehrere wild gewordene Autofahrer allein das Bückeburger Amtsgericht beschäftigen. Für zunehmend viele gilt auf der A 2 das Recht des Stärkeren, haarsträubende Situationen und Imponiergehabe sind an der Tagesordnung. Längst nicht alle Straftaten werden angezeigt. Ein Beispiel für die geplante "Tarif"-Änderung: Für einen Soldaten aus Gütersloh, der bei Auetal einen anderen Wagenlenker von hinten bedrängt, dann rechts überholt und schließlich ausgebremst haben soll, bevor er ihm angeblich auch noch den gestreckten Mittelfinger zeigte, nennt der Direktor 90 Tagessätze Geldstrafe sowie 18 Monate Führerscheinsperre angemessen - bei einem Ersttäter wohlgemerkt, der zudem keine Punkte in Flensburg hat. Sogar eine dreimonatige Freiheitsstrafe mit Bewährung hätte Böhm sich vorstellen können. Hätte. Den Soldaten (31) musste er nämlich vom Vorwurf der Nötigung und Beleidigung freisprechen. An einigen "Ungereimtheiten" kam der Richter nicht vorbei. So hatte das Opfer ausgesagt, der Wagen des Angeklagten sei silberfarben gewesen. Tatsächlich ist der Alfa schwarz. Außerdem will der bedrängte Autofahrer den Täter durch eine verdunkelte Scheibe erkannt haben, was zumindest bezweifelt werden darf. "Da habe ich ganz leichte Bauchschmerzen", so Böhm. Leichtes Magendrücken reicht, denn Zweifel dürfen nicht bleiben. "Wenn Sie es waren, hoffe ich, dass Sie daraus gelernt haben", fügte der Richter an die Adresse des Angeklagten hinzu. Gegen den 31-Jährigen sprach, dass dieser zur fraglichen Zeit, einem Abend im Mai, auf der A 2 unterwegs war und der andere Mann sein Kennzeichen erkannt hat. "Aber ich bin es nicht gewesen", beteuerte der Soldat. "Das weiß ich zu 100 Prozent." Begründung: "Seit fünf Jahren fahre ich diese Strecke und habe keinen Punkt in Flensburg." Einmal sei immer das erste Mal, erwiderte Richter Böhm. Das Opfer der Raserei wird jenen Donnerstag sicher nicht so schnell vergessen. Bei Tempo 120 auf der linken Spur musste er eine derart heftige Vollbremsung hinlegen, dass die Räder blockierten. Der ausgestreckte Mittelfinger des Verkehrsrambos - wer immer es war - mag ihm überdies wie blanker Hohn vorgekommen sein. Mit der anderen Hand soll der Drängler übrigens telefoniert haben. "Gelenkt hat er dann wohl mit den Knien." Ausgestanden ist die Sache für den freigesprochenen Soldaten indes noch nicht. Gegen das Urteil kann die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegen. Ankläger Dr. Markus Schreiber hatte auf schuldig plädiert.

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