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Bevölkerung korrekt informieren

Schlampiger Umgang mit Statistiken

Dieser Artikel zeigt leider, dass in dieser so wichtigen Situation extrem schlampig mit Statistiken umgegangen wird.

veröffentlicht am 08.04.2020 um 22:01 Uhr

Autor:

Zu: „Was ist ein ,Corona-Todesfall’?“, vom 2. April


Als Ärztin weiß ich auch, dass „ein Fall“ definiert wird als eine symptomatisch erkrankte Person.

Deshalb drei Fragen, denen nachzugehen ich für äußerst wichtig halte, um die Bevölkerung korrekt zu informieren, ungesteuerte Panikaktionen zu vermeiden und angemessene Maßnahmen zu ergreifen: 1. Wie viele von den positiv getesteten Personen sind tatsächlich mit entsprechenden Symptomen erkrankt, also echte „Fälle“? 2. Die Zahl der täglich neu hinzukommenden, positiv Getesteten müsste in Relation zur Zahl der durchgeführten Teste gesetzt werden, die ja auch täglich steigt. Beispiel: Wenn ich heute 100 Teste durchführe und 10 davon sind positiv, morgen 150 Teste durchführe und davon 15 positiv sind, dann habe ich zwar eine um 150 Prozent gestiegene Gesamtzahl, aber keinen echten Anstieg. Dieser findet sich nur durch die gestiegene Zahl der Teste. Und wir wissen ja, dass täglich mehr Personen getestet werden. Zudem wurden ja bei fortlaufender Zählung die Einschlusskriterien für zu testende Personen verändert, was sich ja auch auf die Statistik auswirken müsste. Warum gibt es diese Zahlen nicht vom Robert-Koch-Institut? 3. Wo bleibt die Statistik über die Verläufe? Bei einer meldepflichtigen Erkrankung dürfte das schnell durch die lokalen Gesundheitsämter zu machen sein.

Die vierte Frage hat die Dewezet ja schon aufgenommen. Post-Mortem-Testungen bei asymptomatischen Personen gehören nicht in die Zählung der Corona-Toten. Und Professor Streeck, den Sie ja im Heinsberg-Artikel zitieren, moniert zu Recht, dass das Robert-Koch-Institut keine Feldstudie zur Durchseuchung bei einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung durchführt, was schnell und einfach zu machen wäre.

Von der obersten, staatlichen Institution für Epidemiologie erwarte ich wissenschaftlich sorgfältiges und schnelles Arbeiten und exakte, nachvollziehbare Statistiken. Das ist ihre Aufgabe, erst recht in Krisenzeiten! Vielleicht kann die Dewezet dazu mal in unserer Region recherchieren? Wie gut, dass wir eine freie Presse haben...



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