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Diskussion mit Schönemann (CDU) und Keller (SPD) / Themen: Edeka, Messingsberg, Kindergarten

Schlagabtausch mit Samthandschuhen

Heeßen (sig). Parkplatznot am "Heeßer Krug". Von wegen Wahlmüdigkeit. Schon eine Viertelstunde vor dem Beginn der Podiumsdiskussion bereitete es Mühe, seinen fahrbaren Untersatz noch irgendwo dazwischen zu zwängen. Ein Blick in den vollen Saal zeigte: Hier waren sehr viele Kommunalpolitiker aus der Samtgemeinde vertreten, aber auch viele wissensdurstige Bürger. Eigentlich waren die Prioritäten der beiden Kontrahenten durch die Presse im Vorfeld schon weitgehend bekannt worden. Jetzt interessierte der direkte Meinungsaustausch. Wer argumentiert besser, wirkt überzeugender?

veröffentlicht am 31.08.2006 um 00:00 Uhr

Chefredakteuer Frank Werner (l.) und Redakteur Dr. Thomas Wünsch

Oliver Keller (SPD) und Bernd Schönemann (parteiloser CDU-Kandidat) saßen nebeneinander, nicht gegenüber. Natürlich bedeutete das keinen Schulterschluss, aber sie gingen freundschaftlich miteinander um. Der Händedruck beim Hinsetzen und das "Du" ließen keine schroffe Konfrontation erwarten, sondern dokumentierten Lockerheit. Es zeichnete sich ab, dass Chefredakteur Frank Werner von der Schaumburger Zeitung und Redakteur Dr. Thomas Wünsche von der Schaumburg-Lippischen Landeszeitung bei ihrer Gesprächsleitung vor keiner schweren Aufgabe standen. Sie waren gut präpariert und machten gleich zu Beginn klar, dass sie bei der Diskussion Steilvorlagen von Sympathisanten der beiden Bürgermeisterkandidaten nicht zulassen würden. Jeweils zwei Minuten hatten die beiden "Titelaspiranten" Zeit, Angaben zu ihrer Person zu machen. Es war klar, dass beide für sich in Anspruch nahmen, die besseren Voraussetzungen für das Amt zu haben. Der eine sah seine Vorteile durch die abgeschlossene juristische Ausbildung und die Erfahrungen im Bankwesen. Der andere wies darauf hin, dass er eine vergleichbare Ausbildung wie der bisherige Samtgemeinde-Bürgermeister Heinz Wischnat und Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier für sich in Anspruch nehmen könne. Frank Werner gab beiden die Chance, sich zu Visionen zuäußern, die sie bis zum Ende der ersten Amtszeit im Jahre 2014 haben. Oliver Keller räumte dem Bau des Edekamarktes auf dem Gelände der Schaumburg-Klinik besonderen Stellenwert ein. Er stärke den Standort, weil die Eilser dann weniger in den Nachbarorten einkaufen würden. Zum weiteren Abbau des Messingsberges erklärte der SPD-Kandidat: "Die Stadt Rinteln hat die Gewerbesteuereinnahmen, wir den schlechten Ausblick. Dieser Berg sollte nicht total kahl rasiert werden. Stattdessen sollte man möglichst früh mit der Rekultivierung beginnen." Der Buchholzer Bürgermeister Hartmut Krause steuerte etwas später den Hinweis bei, dass auch Buchholz von dem Steinbruchbetrieb anteilig Gewebesteuer erhalte. Keller unterstrich die Notwendigkeit, das Betreuungsangebot des Kindergartens zu verbessern. "Wir haben keinen richtigen Hort, keine Integrationsgruppe, und in den Ferien gibt es keine Vormittagsplätze. Wenn vermehrt junge Familien in die Samtgemeinde kommen sollten, dann muss das geändert werden." Bernd Schönemann sieht hinsichtlich des Edekamarktes keine Meinungsunterschiede. Auch die Mehrheit der CDU habe sich für seine Errichtung ausgesprochen. Er fand lobende Worte für den Kindergarten der Samtgemeinde in Heeßen und ergänzte seine Ausführungen mit dem Hinweis: " In den nächsten sieben bis acht Monaten müssen wir zusätzliche Kinder unterbringen, und wir werden uns auch um die erforderlichen Krippenplätze kümmern; das ist beschlossene Sache." "Lasst den Messingberg in Ruhe! Hört mit den Sprengungen auf!", lautete Schönemanns Aufforderung. Er äußerte seine Sorge, ob sich das Steinbruchunternehmen an die vereinbarte Rekultivierung halte. Nicht zufrieden zeigte er sich mit der Entwicklung im Gewerbegebiet Luhden. Dort seien nur 15 Prozent der Flächen bebaut. "Es besteht die Gefahr, dass uns Lauenau und Rehren A.O. bei der Ansiedlung von Betrieben den Rang ablaufen; da muss mehr geschehen." Redakteur Thomas Wünsche schob gleich eine Frage an Schönemann nach: "Sie haben Ihren Wahlkampf spät gestartet. Fühlen Sie sich von der Dynamik Ihres Konkurrenten überrollt?" Die Antwort des so Angesprochenen: "Nein. Ich gehöre nicht zu denen, die vorzeitig große Wahlversprechen machen." Oliver Keller musste sich mit folgender Frage auseinandersetzen: "Die SPD hatte ursprünglich Michael Sobbe nominiert. Wie kommen Sie damit klar, dass Sie nur zweite Wahl sind?" Der sozialdemokratische Bewerber: "Michael Sobbe hat sich aus beruflichen Gründen für den Verzicht auf die Kandidatur entschieden. Ich bin vielleicht sogar die bessere Alternative zur CDU mit Bernd Schönemann." Frank Werner gab anschließend grünes Licht für Fragen der Zuhörer. Hartmut Krause, Buchholzer Bürgermeister, beklagte den zunehmenden Schwerlastverkehr auf der Landesstraße 442, der durch die Einführung der Maut auf den Bundesstraßen noch zunehmen dürfte. Er wollte wissen, mit welchen Maßnahmen die Samtgemeinde den Buchholzern bei diesem Problem zu helfen gedenke. Schönemann befürchtet, dass die Einführung eines Kreisels bei den Landesbehörden nicht auf offene Ohren stoßen würde. In diesem Fall müsse man sich Gedanken über andere Maßnahmen der Verkehrsregelung machen. Das könne aber nur in Abstimmung mit Land und Polizei geschehen. Keller sieht das Heruntersetzen der zulässigen Geschwindigkeit als die kostengünstigere Lösung, die natürlich durch Kontrollen überwacht werden müsse. Gezielte Fragen aus der Zuhörerschaft gab es zum Edekamarkt. Ein Parkplatz für 150 Fahrzeuge bedeute auch eine erhebliche Umweltbelastung für einen Kurort, gab Friedrich Winkelhake zu bedenken. Er wollte von den Kandidaten wissen, ob es ihnen schnuppe sei, wenn die anderen Märkte am Ort Umsatzeinbußen bis zu 30 Prozent erleiden, wie die IHK vorhersagt. Keller dazu: "Über Umsatzverluste kann man nur Vermutungen anstellen. Das jetzige Edeka-Geschäft wird wahrscheinlich die nächsten fünf Jahre nicht überleben. Dann gibt es zur Versorgung in Bad Eilsen ohnehin nur noch Markant." Eine Mauer als Lärmschutz sieht er nicht als notwendig an. Es gebe eine Zusage von Edeka, 200 000 Euro für das Umgestalten des Außengeländes bereitzustellen. Schönemann unterstrich, dass die frühere Schaumburg-Klinik das Ortsbild verschandele. Über die ins Auge gefasste Nachfolgelösung werde man sich gründlich unterhalten. Sie solle auch optisch zu einem Gewinn für den Kurort werden. Frank Werner fragte die beiden Kandidaten: "Sehen Sie Reformbedarf in der Samtgemeinde?" Oliver Keller bezog diese Frage auf die Verwaltung und erklärte dazu: "Die ist sehr gut aufgestellt, aber in Teilbereichen sehe ich noch Verbesserungsmöglichkeiten." Er brachte wieder den Gedanken an eine Servicestelle oder an einen Seniorenbeauftragten ins Spiel. Schönemann nannte einige Beispiele, die die Bürgernähe der Verwaltung unterstreichen sollten. "Wir haben auch am Wochenende notwendige Reisepässe ausgestellt und Trauungen sogar am Heiligen Abend und an anderen Festtagen vorgenommen." Einig waren sich die Kandidaten in der Absicht, möglichst bald Nutzungsmöglichkeiten für das Georg-Wilhelm-Haus und das Badehotel zu finden. Beide bekamen die Aufforderung zu hören, den Weg der sparsamen Haushaltsführung nicht zu verlassen. Daran sollte aber eine bessere Ausschilderung der Wanderwege nicht scheitern, die Dr. Fritz-Richard Bartels forderte. Die Frage von Thomas Wünsche, ob beide auch die Funktion des Gemeindedirektors in Heeßen und Luhden übernehmen würden, beantwortete Keller mit ja, Schönemann mit nein. Keller bestätigte, dass er über einen Umzug nach Eilsen nachdenke, wenn er im Amt sei. Die gegenseitige Beurteilung fiel kurz, aber freundlich aus. Schönemann über Keller: "Er verfügt über eine sehr gute Ausbildung für ein hohes Richteramt, aber nicht für den Posten des Samtgemeinde-Bürgermeisters." Keller revanchierte sich: "Er ist ein netter Amtsrat, und ich würde mich freuen, mit ihm zusammen zu arbeiten."

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