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„Schaumburgische Bibliographie“ wird 50 Jahre alt

Schlag nach bei Busch

Wer etwas über Herkunft und Vergangenheit seines Dorfes oder seiner Stadt wissen möchte, eine Doktorarbeit über die Entwicklung der hiesigen Region schreiben will, oder wer sich für heimisches Handwerk, Osterbrauchtum und althergebrachte Flurnamen interessiert, kommt an der „Schaumburgischen Bibliographie“ nicht vorbei. Das Verzeichnis aller bislang über die Geschichte des Schaumburger Landes verfassten Aufsätze, Bücher und Zeitungsartikel darf als wichtigste und nahezu unentbehrliche Informationsgrundlage für historisch interessierte Zeitgenossen gelten. 1964, also vor 50 Jahren, kam die Erstausgabe auf den Markt - den damaligen Möglichkeiten entsprechend in gedruckter Form. In dem 320-seitigen Buch waren gut 7500 Titel aufgelistet.

veröffentlicht am 05.04.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

Wilhelm Gerntrup

Das Erscheinen des neuen Nachschlagewerks stieß nicht nur in der Fachwelt auf begeisterte Zustimmung. Das Schaumburger Land gehöre zu den ganz wenigen Regionen, die „mit einem solchen Werk gesegnet“ seien, war in den hiesigen Zeitungen zu lesen. Groß herausgestellt wurde auch die Tatsache, dass es sich bei der Bibliographie um ein „gesamtschaumburgisches“ Findbuch handelt. Hintergrund: Die Teilung der alten Grafschaft im Jahre 1647 hatte auch zu einer „Trennung“ in puncto Geschichtsschreibung geführt. Die seither über Schaumburg-Lippe verfassten Aufsätze waren nahezu ausschließlich in der Landes-Zeitung und/oder in den „Heimat-Blättern“ und „Mitteilungen“ des in Bückeburg ansässigen Schaumburg-Lippischen Heimatvereins erschienen. Und die in und über die anfangs hessische und später preußische Grafschaft Schaumburg zu Papier gebrachten Beiträge konnte man praktisch nur in der in Rinteln erscheinenden Schaumburger Zeitung und/ oder in den Veröffentlichungen des Schaumburger Heimatbundes nachlesen.

Zusammengestellt hatte die Bibliographie der pensionierte Hannoveraner Ex-Stadtbibliotheks-Direktor Dr. Friedrich Busch (1891-1974). Busch war während seiner Ausbildung in den 1920er Jahren eine Zeit lang im Bückeburger Schloss mit der Erfassung und Zuordnung des Archivbestands der fürstlichen Hofbibliothek betraut gewesen. Dabei fertigte eine Fülle von Einzelnotizzetteln an. Um den Überblick zu behalten, hatte der gelernte Bibliothekar irgendwann angefangen, den Zettelberg nach Fachgebieten und -begriffen zu sortieren und listenmäßig zu erfassen. Die Idee war nicht neu, wegen des enormen Arbeitsaufwands bis dato jedoch nur ganz selten komplett durchgezogen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Auch Busch legte seine Notizsammlung nach dem Abschied aus der Residenz zunächst beiseite.

Ganz aus den Augen verlor der als äußerst korrekt und fleißig geltende Wissenschaftler die Sache aber nie. Nach seiner Pensionierung in den 1950er Jahren machte er sich wieder ans Werk. Beflügelt wurde der Hannoveraner dabei nach eigenem Bekunden von der Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung, zur Erfassung, Pflege und Aufbewahrung des Schriftguts der historischen Region Schaumburg eine Extra-Dienststelle einzurichten. Bei der Eröffnung des „Staatsarchivs Bückeburg“ Ende 1963 konnte Busch einen Vorabdruck seines Nachschlagewerks vorstellen. Anfang/Mitte 1964 kam die neue Bibliographie in den Buchhandel. Als Herausgeber trat die Historische Kommission für Niedersachsen, ein Zusammenschluss fachkundiger Wissenschaftler, in Erscheinung. Ein entsprechendes Experten-Gremium für das Schaumburger Land gab es noch nicht.

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Das Schaumburger Land in seiner historischen Entwicklung. Repro: gp (3)

Nach Einschätzung des heutigen Staatsarchiv-Chefs, Dr. Stefan Brüdermann, hat die Arbeit Buschs ganz wesentlich zur Förderung des ungewöhnlich großen heimatkundlichen Interesses in der hiesigen Bevölkerung beigetragen. Offenbar wurde außerdem die Produktion von „Schaumburgensia“-Literatur angeheizt. Jedenfalls ist die Zahl der historischen Veröffentlichungen in und über die hiesige Region – zusätzlich angekurbelt durch die 1962 gegründete Historische Arbeitsgemeinschaft für Schaumburg (HistAG) sowie die vor 20 Jahren ins Leben gerufene Schaumburger Landschaft – kräftig angestiegen. Die Folge: Der Fundstellen-Katalog Friedrich Buschs begann schon bald zu „veralten“.

Das war auch der Hauptgrund dafür, dass die lange Zeit geplante Neuauflage der Bibliographie in Buchform immer wieder verschoben wurde. Stattdessen begann man im Staatsarchiv unter Federführung der HistAG, auf die Herausgabe des Werks als EDV-Datenbank hinzuarbeiten. Das Ergebnis ist seit fünf Jahren via Internet zugänglich (http://www.histag-schaumburg.de/page/page_ID/106). Die Eingabe eines passenden Suchbegriffs wie zum Beispiel ein Wort aus dem Titel eines Aufsatzes, ein Fachbegriff, eine Ortsbezeichnung oder der Name des Autors oder Herausgebers genügt. Der Zugriff übers World Wide Web ist für die meisten heutzutage nicht nur bequemer, sondern bringt auch eine ungleich größere Trefferausbeute.

Seit der Buchveröffentlichung Buschs hat sich die Zahl der Fundstellenhinweise mit aktuell 23349 Einträgen mehr als verdreifacht. So werden bei der Eingabe des Suchworts „Eilsen“ 214 (vor 50 Jahren 67), bei „Obernkirchen“ 404 (bei Busch 241), bei „Kathrinhagen“ 25 (statt 4) und bei „Steinbergen“ 78 (1964 = 22) angezeigt. Bei der Suche nach Beiträgen über die drei heimischen Landes-Metropolen tut sich eine wahre Informationsflut auf. Zu Stadthagen liegen aktuell 1673 (zuvor 335), zu Rinteln 2225 (vor 50 Jahren 367) und zur Ex-Residenz Bückeburg 2923 (statt 294) vor. Ein großer Teil der Zuwächse geht offenkundig auf die starke Zunahme von NS-Forschungsliteratur zurück.

Wer die Bibliographie nicht vom heimischen Sofa aus nutzen kann oder will, hat dazu selbstverständlich nach wie vor auch im Staatsarchiv Gelegenheit. Spätestens beim Wunsch, die ausgesuchte Schrift in die Hand zu nehmen, zu lesen oder als Kopie mit nach Haus zu nehmen, ist ein persönlicher Besuch auf der Bückeburger Schlossinsel unumgänglich (Öffnungszeiten Montag, Dienstag und Donnerstag 9 bis 16, Mittwoch 9 bis 18 Uhr und Freitag 9 bis 13 Uhr. Dort kann man auf Wunsch auch in der vor 50 Jahren gedruckten, ansonsten nur noch als Antiquariat erhältlichen Busch-Bibliographie blättern.

Dr. Friedrich Busch, „Vater“ der Schaumburgischen Bibliographie (Quelle Stadtarchiv Hannover).



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