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Serie "Made in Rinteln": Selbst Bundesmarine verlangt "Schiffsfenster nach Maß"

Schiffsfenster aus Rinteln machen bei Hochwasser Keller an der Elbe dicht

Rinteln (who). Schiffe brauchen unter dem Kiel immer mindestens eine Handbreit Wasser. Das wird ihnen schon bei der Taufe gewünscht. Im Inneren soll's dagegen möglichst trocken bleiben - und dafür hat Dieter Herr mit seinem Unternehmen die passenden Lösungen. Der Firmenname ist Programm und stellt klar, um welches Produkt es geht: "Schiffsfenster nach Maß".

veröffentlicht am 22.08.2006 um 00:00 Uhr

In der Firma gehen fast täglich Anfragen aus dem In- und Ausland ein. Hobby-Skipper, Werften und Schiffsausrüster sind die Hauptkundschaft und wollen sich ihre Fenster bei "SnM" individuell anfertigen lassen. Das Material dafür: in der Regel Aluminiumprofile für die Rahmen und Fensterscheiben aus widerstandsfähigem Kunststoff. Das kleine Werk an der Dieselstraße macht aus den Elementen aus industrieller Serienproduktion Schiffsfenster ganz nach Wunsch des Kunden. "Das sind dann ausschließlich Einzelstücke", so Dieter Herr. Der findige Unternehmer macht so gut wie keine Werbung, trotzdem finden ihn Kunden von der deutschen Waterkant und aus dem gesamten europäischen Ausland mitten im Binnenland. Zufriedene Mundpropaganda ist die beste Werbung und dafür braucht's zuweilen sogar nicht einmal den direkten Kontakt. Der ehemalige Seemann kann dazu ein ganz aktuelles Beispiel vorweisen: Es sind Schablonen für Schiffsfenster zusammen mit einem kurzen Anschreiben, die ihm ein Hamburger Ehepaar am Wochenende einfach über den Firmenzaun geworfen habe nach dem Motto: "Na, dann macht mal..." Auch die Bundesmarine schätzt Schiffsfenster aus dem Rintelner Industriegebiet Süd. Von Werften, die Aufträge für Nachrüstungen älterer Schiffe bekommen, hat Dieter Herr oft zu hören bekommen: "Aber die Fenster mussten wir ausdrücklich in Rinteln bestellen." Erst habe das Flottenkommando Ostsee geordert, das offenbar die Lieferanten-Adresse weitergegeben habe. Und inzwischen ist auch das Flottenkommando Nordsee Dauerkunde geworden. Für Schiffsfenster gibt es nicht nur Bedarf für den Einsatz auf dem Wasser, zeigt der Blick ins Auftragsbuch. Auch Binnenlandbewohner schätzen zunehmend deren Stärken. "Wir haben schon an Kunden in Hochwassergebieten wie an der Elbe geliefert, die ihre Keller mit Bullaugen abgedichtet haben", erklärt Dieter Herr. Und erst kürzlich hat eine österreichische Firma 43 große Bullaugen mit einem Durchmesser von einem Meter geordert. Neben Zweckmäßigkeit sollen die runden Schiffsfenster einer verglasten Überführung charakteristisches Gepräge verleihen. Dieter Herr: "Man ist auf uns gestoßen, weil das sonst keiner anfertigt." Für "Schiffsfenster nach Maß" aus Rinteln gibt's offenbar unbegrenzte Anwendungen. Sie machen Expeditionsfahrzeuge Sahara-tauglich oder werden in Konferenzmobilen und Sattelauflieger für fahrbare Friseursalons eingebaut. Dass Bullaugen in die Wände von Hotelbädern passen, hat erst kürzlich einArchitekt befunden und sie in ein extravagantes Projekt einbezogen. "Es ist auch ein schönes Gefühl, wenn man so Problemlösungen liefern kann", freut sich Dieter Herr. Im Oktober will das Rintelner Unternehmen bei der "Hanseboot" in Hamburg seine Neuheiten vorstellen: Leichtschiebetüren und Ruderhaus-Seiten aus Aluminium. Gleichzeitig sei die große maritime Messe wie in jedem Jahr der Startschuss in die Saison, so Dieter Herr. Allein schon weil die meisten Hobby-Skipper ihre Boote und Yachten dann aus dem Wasser holen und überarbeiten. Wenn dieses Jahr die Arbeit richtig losgeht, möchte Dieter Herr gerne schon gerüstet sein und einen neuen Mitarbeiter eingestellt haben. Gesucht wird: eine Allroundkraft mit kaufmännischen Kenntnissen und handwerklichem Geschick. Der Bewerber für die Vollzeitstelle sollte Computererfahrung mitbringen, Grundkenntnisse in Englisch und den Führerschein Klasse 3 haben. Interessenten können sich bei der Agentur für Arbeit in Rinteln informieren. www.schiffsfenster.de

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