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7. Schaumburger Erbrechtstage mit 340 Zuhörern / Fachanwalt warnt vor Fehlern beim Vererben

"Scheidung ist die beste Form von Enterbung"

Landkreis (dil). "Wenn die, die heute nach Liechtenstein unterwegs sind, auch noch hier wären, dann würde der Saal nicht reichen", hat Fachanwalt Gerhard Ruby am Montagabend als Auftaktreferent der 7. Schaumburger Erbrechtstage der Sparkasse Schaumburg gescherzt. Deren Vorstandsvorsitzender Hans-Heinrich Hahne freute sichüber die Riesenresonanz von gut 340 Besuchern, die belege, dass das Thema Erben weiter aktuell sei. Die immer wieder spontan gestellten Fragen aus dem Publikum waren ein zweiter Beweis dafür.

veröffentlicht am 20.02.2008 um 00:00 Uhr

Große Resonanz: Bei den 7. Schaumburger Erbrechts-tagen der Spar

"Die 15 größten Irrtümer im Erbrecht" hieß das Thema, unter dem Ruby vor leichtfertiger Gewissheit beim Erben warnte. Mit Scherzen über seine Heimat Südschwarzwald gespickt und mit Beispielen aus seiner Familie veranschaulicht, zog der Vortrag des munter gestikulierenden Referenten die Zuhörer in seinen Bann. Und Ruby überschritt sein Zeitbudget kräftig. Einer der von Ruby dargestellten Irrtümer beim Erben und Vererben ist der Ehegattenirrtum: Der Ehepartner erbt nicht automatisch alles, sondern meist 50 Prozent, den Rest die Kinder. "Die Erbengemeinschaft ist aber eines der größten Übel der Welt", warnte Ruby. Im Schnitt sieben Jahre dauerten da die Erbstreitprozesse. Pflichtteile können bei Erben gepfändet werden, deren Versteigerung kann das Gesamterbe erheblich schmälern - für alle Erben. Bei Gütergemeinschaft, Gütertrennung und Zugewinngemeinschaft verteilt sich das Erbe ferner zu unterschiedlichen Teilen. "Scheidung ist die beste Form von Enterbung", erklärte Ruby für den Fall, dass der Ex-Partner leer ausgehen soll. Doch wenn stattdessen minderjährige Kinder erben, kann der Ex-Partner als Pflicht-Vermögensverwalter doch ans Geld. Dies lasse sich im Testament ausschließen, am besten mit einem Geschiedenentestament. Dann bleibe das Erbe nur innerhalb der Verwandtschaft. Sich durch Erbverzicht vor Unterhaltszahlungen an Elternteile drücken, funktioniere nicht, so Ruby. Und noch schlimmer: Wenn der Erbende das Erbe durchbringe, müssten die anderen Kinder sogar trotzdem Unterhalt zahlen. Auch wer seinen Partner als Alleinerben einsetzt, kann missratenen Kindern nur im Extremfall (Tötungsversuch, hohe Haftstrafe) den Pflichtteil vorenthalten. Und diese könnten ihn sogar als rasche Barauszahlung einfordern. Dann gehe der Streit um die Bewertung des Häuschens oder Vermögens los, so Ruby. Bisher gebe es bei Häusern je 20 Prozent Schwankungsbreite nach unten und oben, und imSchnitt werde 30 Prozent über Marktwert geschätzt. "Aber ab dem 1. Juli geht es nach Verkehrswert", sagte Ruby mit Blick auf die geplante Erbschaftsteuerreform. Völlig veraltet sei der Glaube, der früher geltende Einheitswert werde heute noch angesetzt. Ganz generell empfahl Ruby: "Ein gutes Testament tut Not." Nur beim Schuldenerben gab er Entwarnung. Auch wenn das Erbe nach sechs Wochen ohne Widerspruch als angenommen gelte, bleibe noch der Weg zum Nachlasskonkurs - ohne Eigenhaftung des Erben.



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