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Noch bis 31. Januar: Wanderausstellung der Kriegsgräberfürsorge in Herderschule

Schautafeln geben Antwort auf die Frage: "Was heißt hier Frieden?!"

Erinnerungsarbeiter (v.l.): Klaus Maiwald, Christiane Marx, Karl-Heinz Mönkemeyer und Dr. Sabine Meschkat-Peters. Foto: tw Bückeburg (tw). "Was heißt hier Frieden?!" - Eine Schautafel in der Pausenhalle der Herderschule dokumentiert seit Dienstag in Bild und Schrift, was "Unfrieden" heißt: "Deutsch-französischer Krieg 1870 - 1871: 250 000 Gefallene, 47 Tote pro Stunde; Erster Weltkrieg 1914 - 1918: 10 Millionen Gefallene, 247 Tote pro Stunde; Zweiter Weltkrieg 1939 - 1945: 55 Millionen Tote, 1045 Tote pro Stunde." - Das ist die (Schreckens-)Bilanz der letzten Kriege, an denen Deutsche beteiligt waren.

veröffentlicht am 25.01.2007 um 00:00 Uhr

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Besagte Schautafel ist eine von dreien (doppelseitig bestückt) in der Wanderausstellung des "Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge", die der Landesverband Hannover jetzt im Beisein von Schülern, Lehrern und zahlreichen Bückeburger Altsemestern am Unterwallweg eröffnet hat. Ihre Themen: "Vorurteile abbauen", "Gemeinsam gegen Gewalt" und "Erinnern für die Zukunft". "Eine solche Ausstellung in der Herderschule zu zeigen - das ist eigentlich wie die sprichwörtlichen Eulen nach Athen zu tragen", gesteht Karl-Heinz Mönkemeyer in Anerkennung der Arbeit der Geschichtswerkstatt unter Leiter Klaus Maiwald, die soeben mit einem Preis von Niedersachsens Kultusminister Bernd Busemann bedacht wurde (wir berichteten). "Dennoch", so der Volksbund-Bezirksvorsitzende, "gibt es eine Rechtfertigung dafür: Denn mit der Ausstellung ,Was heißt hier Frieden?!' wird die,Exzellenz' der Erinnerungskultur an der Herderschule noch gestärkt." Eine Wanderausstellung imübrigen, die "eines der herausragenden Angebote der Schularbeit des Volksbundes ist, seit nunmehr zwei Jahren mit großem Erfolg durch Niedersachsen tourt und im September 2006 auch im Stadthäger Kreishaus zu sehen war", wie Dr. Sabine Meschkat-Peters, Schulreferentin des Bezirksverbands Hannover, in ihrer Einführung deutlich macht. Mit der jetzigen Geschichtsschau ergänze der Volksbund seine ursprüngliche Kriegsgräberfürsorge um eine historisch-politische Bildungsarbeit, die mit dem Aussterben der "Erlebnis-Generation" immer wichtiger werde. Der Bedarf dafür sei vorhanden. Meschkat-Peters jüngste Erfahrung nach Gesprächen mit Jugendlichen zum Thema Kriegund Erinnern: "Eine ,Hitler-Comedy', wie sie derzeit im Kino läuft, ist ihnen nicht ernsthaft genug." Sie wollten Quellen sehen und Zeitzeugen sprechen. Was die Ausstellung "Was heißt hier Frieden?!" als einer von vielen Mosaiksteinen in den Köpfen der Betrachter bewirken kann, umreißt Schulleiterin Christiane Marx mit einer zum Datum passenden Geschichte aus dem Jüdischen Kalender so: Als ein kleiner jüdischer Junge einmal seine Eltern gefragt habe, wie es zum Holocaustkommen konnte, sei die Mutter dem Vater ins Wort gefallen: "Du wirst ihm nichts erklären. Nicht, weil die Erklärung nichts für Kinder ist, sondern weil du keine Erklärung hast. Die Deutschen sollen es erklären, nicht du." - "Auch wir", so Marx, "können es nicht erklären. Aber wir können alles dafür tun, dass es keinen Grund mehr für solche Erklärungen geben wird." Die Ausstellung "Was heißt hier Frieden?!" ist noch bis Mittwoch, 31. Januar, Montag bis Freitag, 8 bis 13.30 Uhr, in der Pausenhalle der Herderschule zu sehen.



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