weather-image
10°
Heimatverein lädt zu Suchland-Lesung auf die Arensburg

Schauernacht im Schloss - Der Konsul macht's möglich

Eilsen (tw). Grusel-Offerte des Heimat- und Kulturvereins Eilsen auf Schloss Arensburg: "Dort, wo im 17. Jahrhundert die Hexenprozesse stattfanden, werden wir in der Walpurgisnacht 2006 - also der Nacht vom 30. April zum 1. Mai - an die unschuldig hingerichteten Schaumburger Frauen und an den (Schauer-)Schriftsteller Hanns Heinz Ewers erinnern", sagt Vorsitzender Friedrich Winkelhake. "Wir" - das ist neben Winkelhake vor allem Rezitator Frank Suchland.

veröffentlicht am 03.03.2006 um 00:00 Uhr

In der Walpurgisnacht 2006 soll auf der Arensburg das Blut der G

Konkret: "Konsul Dr. Dieter F. Kindermann wird uns den Blauen Saal des Schlosses und den romantischen Innenhof für eine Lesung überlassen", schwärmt Winkelhake - und kann den Glücksgriff kaum fassen: "Ein schöneres ,Geschenk' kann sich der neue Verein, kann sich aber auch Frank Suchland als Mitwirkender des Programms kaum wünschen." In der Arensburg macht nämlich seit Jahrhunderten um Mitternacht eineSpukgestalt die Runde. Diese Spukgestalt - oder genauer: die Sage von ihr - wird zu Walpurgis im Mittelpunkt der Rezitationen stehen. Hinzu kommen die Schauer-Geschichten von Ewers, die von Berichten über seine ebenso unzähligen wie unglaublichen Eskapaden ergänzt werden. Der Autor (1871-1943), der sich selbst in der Nachfolge von Edgar Allan Poe und Oscar Wilde sah, gehört zu den Vergessenen der deutschen Literatur. Mit der meisterhaften Schilderung der Femme Fatale "Alraune" erlangte Ewers Weltruhm und avancierte zum meistverkauften deutschen Autor seiner Zeit. Für den Heimat- und Kulturverein nicht weniger wichtig: Viele Werke des Schriftstellers entstanden während seines Aufenthaltes im Bad Eilser Fürstenhof. Winkelhake: "Eigentlich ist die Walpurgisnacht der Heiligen Walburga gewidmet. Die englische Benediktinerin Walburga wirkte im 8. Jahrhundert in dem von ihr gestifteten Kloster Heidenheim alsÄbtissin." Sie galt als Volksheilige, Helferin der Wöchnerinnen und Augenleidenden sowie als Schutzpatronin der Bäuerinnen. Aber: Schon die Germanen stellten sich als Ursache von Unglück mit Zauberkraft ausgestattete Menschen vor. Im Mittelalter ging dann die Kirche gegen "Zauberei" und "Teufelspakte" vor. Es entwickelte sich der Hexenglaube und schließlich der Hexenwahn. Unfälle, Krankheiten, Behinderungen, Schäden an Haus, Hof und Vieh, Feuersbrünste, Totgeburten, Sturm-und Gewitterschäden: Alle unerklärlichen Ereignisse wurden Mitmenschen in die Schuhe geschoben, die einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein sollten. "Die Arensburg", erinnert Winkelhake, "hat viele Tragödien erlebt". Allein am 11. Oktober 1659 wurden 20 Frauen aus Obernkirchen nach der "Hexen"- oder "Wasserprobe" auf dem Scheiterhaufen in der Nähe des Schlosses verbrannt. Gab es in den Kellergewölben Folterkammern? Warteten unschuldige Frauen dort angsterfüllt auf ihren schrecklichen Tod? Sahen schaulustige Anwohner aus den Nachbardörfern an den Schlossteichen zu, wenn die Frauen mit kreuzweise gebundenen Armen und Beinen ins Wasser geworfen wurden? Wie fühlten sich der Steinberger Pfarrer und der Krüger (Wirt) aus Steinbergen, wenn sie für ihre "Betreuung" der Delinquentinnen auf der Arensburg ihre zwei Taler kassierten? Wie weit ins Land hinein loderten die Flammen der Scheiterhaufen - hörte man die Todesschreie der Opfer? Fragenüber Fragen, die in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai auch die Lesungen auf Schloss Arensburg aufwerfen werden ...

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare