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Revierclub in der Krise

Schalke: Wagner freigestellt - Wilde Trainer-Spekulationen

Der schlechteste Bundesliga-Start der Geschichte war ein Negativrekord zu viel: Schalke 04 hat sich von Trainer David Wagner getrennt. Die Gerüchte über seine Nachfolge sind schnell entbrannt.

veröffentlicht am 27.09.2020 um 13:54 Uhr
aktualisiert am 27.09.2020 um 17:50 Uhr

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David Wagner ist weg, Ralf Rangnick nicht abgeneigt, aber Manuel Baum wohl der Favorit: Kaum war der Trainer des krisengeschüttelten FC Schalke 04 beurlaubt, da wurde schon wild über die Nachfolge des glücklosen Wagner spekuliert.

Rangnick saß gerade im Sky-Studio und schloss eine spektakuläre Rückkehr nach Gelsenkirchen nicht aus, als plötzlich Manuel Baum von dem Fernsehsender als aussichtsreichster Kandidat gehandelt wurde. Die Freistellung Wagners kam am Morgen nach dem 1:3 in der Fußball-Bundesliga gegen Werder Bremen derweil nicht mehr überraschend. Und ging offenbar schnell über die Bühne.

Laut «Bild» kam Wagner um neun Uhr zum Vereinsgelände, schon vor zehn fuhr er mit gepackten Sachen vom Hof. «Wir alle hatten gehofft, dass wir die sportliche Wende zusammen mit David Wagner schaffen können», erklärte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider. «Leider haben die ersten beiden Spieltage der neuen Saison nicht die dafür notwendigen Leistungen und Resultate erbracht.»

Der ehemalige Augsburger Bundesliga-Coach und aktuelle U20-Nationaltrainer Baum soll die besten Chancen haben, der hochgeschätzte Schalker Talente-Schleifer Norbert Elgert könnte das Team am Samstag in Leipzig auf Interimsbasis vor der Länderspiel-Pause betreuen. Marc Wilmots, als Spieler 1997 Teil der legendären «Eurofighter», wollte sich zu den Gerüchten um seine Person nicht äußern.

Rangnick käme wenn überhaupt wohl als neuer starker Mann mit weitreichenden Kompetenzen infrage. «Wenn ich jetzt sagen würde, Schalke interessiert mich überhaupt nicht, würde ich lügen», sagte Rangnick: «Im Moment halte ich es nicht für wahrscheinlich, noch mal eine Funktion dort zu übernehmen. Aber es total auszuschließen, wäre unseriös.» Grundsätzlich, so ließ Rangnick, der Schalke von 2004 bis 2005 und noch einmal 2011 trainierte, durchblicken, «kann mehr entstehen, wenn ich mehr bin als nur Trainer».

Die mögliche Lösung mit Elgert, der auf Schalke unter anderem spätere Weltmeister wie Manuel Neuer oder Mesut Özil ausgebildete, und Baum klingt für den 62-Jährigen aber auch sinnvoll. «Norbert ist nachweislich der beste Ausbilder Deutschlands», sagte Rangnick: «Nach allem, was ich weiß, sieht er sich mittel- oder langfristig nicht im Profibereich. Aber ihn jetzt einzusetzen, weil man Manuel Baum nicht in drei Tagen vom DFB löslosen kann, ist vorstellbar.»

Wagner dürfte gewusst haben, was kommt. Von den Verantwortlichen da schon alleine gelassen, musste der 48-Jährige am späten Samstagabend noch einen Interview-Marathon absolvieren. Er sagte, er wolle «Teil der Lösung» sein - und wurde am Sonntag als (Teil-)Ursache der Probleme eingestuft.

Im Sommer hatte Schneider nach der schlechtesten Rückrunde der Vereinsgeschichte noch an Wagner festgehalten. Es folgten der Ausbau der Negativserie auf 18 Spiele ohne Sieg inklusive der zweithöchsten Niederlage der Clubgeschichte beim 0:8 beim FC Bayern in der Vorwoche. Mit Wagner müssen auch seine Assistenten Christoph Bühler und Frank Fröhling gehen.

Wagner, der von 1995 bis 1997 Profi auf Schalke war, hatte im vorigen Sommer bis 2022 unterschrieben. Mitte Januar hatten sie dem Trauzeugen von Jürgen Klopp noch zugejubelt. Schalke war Fünfter, Wagner schien den eigenwilligen Club verstanden und wiederbelebt zu haben. Seitdem haben die Königsblauen kein Spiel mehr gewonnen.

Zuletzt schien dem Trainer und auch Schneider vieles zu entgleiten, hinzu kam eine Menge Pech. Lange konnten die finanziell geplagten Schalker keine Neuzugänge präsentieren. Im Trainingslager wurde ein Profi positiv auf Corona getestet, es folgten das fatale 0:8, ein weiterer Corona-Fall und gegen Bremen auch noch der Aussetzer von Ozan Kabak. Der türkische Abwehrspieler, der einen Elfmeter verursachte und am Ende Gelb-Rot sah, hatte in Richtung des Bremers Ludwig Augustinsson gespuckt. Was Wagner über Gebühr verteidigte: «Ich bin der festen Überzeugung, dass das keine Absicht war. Auch wenn die Bilder das nicht hergeben.»

Obwohl sich Wagner fast immer so bedingungslos vor seine Spieler stellte, äußerte Rekordnationalspieler Lothar Matthäus als Sky-Experte «das Gefühl, dass zwischen Trainer und Mannschaft die Chemie nicht stimmt». Eine schwierige Voraussetzung war sicher, dass Torschütze Mark Uth (90.+2), Nationalspieler Sebastian Rudy, Torhüter Ralf Fährmann und Nabil Bentaleb nun zu Wagners Rettern werden sollten, nachdem er im Vorjahr nichts mit ihnen anfangen konnte. «Ich sehe keine klare Hierarchie, weil viele Spieler durch das Verleihen im Vorjahr enteiert wurden», sagte Matthäus.



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