weather-image
26°
Hohe Geldstrafe für Tierquäler

Schafbock brutal mit Hammer totgeschlagen

Stadthagen (ly). Mit einem Hammer hat ein Stadthäger (44) auf offener Straße und vor entsetzten Zeugen einen entlaufenen Schafbock erschlagen. Knapp ein Jahr nach diesem Fall von Tierquälerei ist der Mann jetzt vor dem Amtsgericht zu 2640 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Umgerechnet sind das 80 Tagessätze, fast drei Monatseinkommen. Mit ihrer Entscheidung überbot Richterin Gönna Freifrau von Blomberg den Antrag der Staatsanwaltschaft, die 50 Tagessätze gefordert hatte.

veröffentlicht am 10.11.2008 um 00:00 Uhr

"Das Bild vergesse ich nie", erklärte eine Anwohnerin (76) als Zeugin vor Gericht. Der Tierquäler hatte die 80 Kilo schwere Heidschnucke zwischen seinen Beinen eingeklemmt und an einem Horn festgehalten, bevor er zwei- oder dreimal auf den Kopf des ausgewachsenen Bockes schlug, vermutlich mit einem stumpfen Fäustel. "Mir war so schlecht, dass ich mich anschließend hinsetzen musste", erinnerte sich ein zweiter Augenzeuge an die rohe Tat Mitte Dezember, passiert auf einem Feldweg. "So etwas sieht man nicht jeden Tag." Staatsanwalt Günter Wilkening geht davon aus, dass der Angeklagte an jenem Vormittag "stinkesauer" gewesen ist, weil dessen Heidschnuckenbock, "ein stolzes Tier", zusammen mit zwei oder drei anderen Schafen wieder einmal entwischt war. "Jetzt kommt er mir unter den Hammer", soll der Mann daraufhin beschlossen haben. "Sachgemäß", so Wilkening, "war das sicher nicht." Für die "Tötung im öffentlichen Raum" sah auch Richterin von Blomberg keinen vernünftigen Grund. Gestorben sei der Bock "unter erheblichen Schmerzen". Der Angeklagte hatte das geschlechtsreife Tier vor Gericht als aggressiv und unberechenbar beschrieben. "Der Bock war eine Gefahr für die Allgemeinheit"', pflichtete Verteidiger Wilfried Ahlhausen seinem Mandanten bei. Wie auch immer: An jenem Tag schien der gehörnte Hausgenosse friedlich gestimmt. "Der Angeklagte konnte ohne weiteres auf den Bock zugehen und ihn zwischen die Beine nehmen", wie von Blomberg betonte. Für einen Amtstierarzt des Landkreises, der selbst Schafe hält, ist es "jenseits der Vorstellung", einen Bock mit dem Hammer zu erschlagen. "Das macht man nicht." Eine "rohe Gesinnung" im Sinne des Tierschutzgesetzes hält der Veterinär daher in diesem Fall "durchaus für gegeben". Richtig sei aber, dass männliche Schafe, die wie das getötete Tier von Menschenhand aufgezogen worden seien, gefährlich werden können. "Sie sind unberechenbar", berichtete der Tierarzt "aus eigener Erfahrung". Der Angeklagte hatte behauptet, er habe den Bock, eine Flaschenaufzucht, mit einem Bolzenschussgerät betäubt und danach "in der Karre abgestochen, damit das Blut nicht auf den Weg tropfte". Etliche Male sei das Schaf zuvor entlaufen. Immer wieder habe es versucht, mit Menschen zu kämpfen. "Der Bock hatte keinen Respekt mehr und griff an, wenn man in seine Nähe kam. An dem Tag war er nicht zu bändigen." Diese Darstellung konnte kein Zeuge bestätigen. Ein Bolzenschussgerät hatte ebenfalls niemand gesehen. Wohl aber den Hammer.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare