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Mozart, Sahla und Folklore im Staatsarchiv / Ab heute: Neue Ausstellung

Schätze hinter dicken Mauern

Bückeburg (mig). Eine fast schon mystische Aura umgibt Archive als solche, und das Staatsarchiv Bückeburg im Besonderen. Hinter der hohen Schlossfassade vermutet man endlose Gänge und Dokumentenberge. Dass sich in den papiernen Archivalien auch eine lebendige Heimatgeschichte verbirgt, ist nur einem eingeweihten Kreis bekannt. Einblick gewinnen kann man in einer Foyerausstellung, die heute eröffnet und zur "Langen Nacht der Kultur" in erweitertem Rahmen zu sehen sein wird.

veröffentlicht am 22.09.2006 um 00:00 Uhr

Ab heute zu sehen: Zu den Kostbarkeiten des Staatsarchivs gehört

Im Zeitalter von MP3 und Computergames gehören Bücher nicht mehr für jeden zum Alltag. Dabei lohnt es sich durchaus, einen Blick in die Archivdokumente zu tun. Wer weiß heute noch, dass es in Bückeburg um 1900 ein Orchester gab, das sich "mit jedem anderen Orchester seiner Zeit" messen konnte? Oder dass die Musikschule aus einer Orchesterschule der Fürstlichen Hofkapelle hervorging? Diese und andere "Entdeckungen" können Interessierte im Rahmen der Foyerausstellung im Staatsarchiv machen. Ziel der kleinen Schau ist es, die Ergebnisse der Archivarbeit einembreiten Teil der Bevölkerung vorzustellen und verständlich zu machen. "Wir wollen zeigen, welche Schätze sich hinter den dicken Mauern des Archivs verbergen und dass wir eine wichtige Funktion im Kulturleben der Stadt haben", erläutert Dr. Hubert Höing, Leiter des Staatsarchivs. Die Ausstellung kann tatsächlich mit etlichen Glanzstücken aufwarten. Besonders stolz ist man auf eine Edition von Mozart-Handschriften, die 1919 als erste Veröffentlichung des "Fürstlichen Instituts für musikwissenschaftliche Forschung" in Bückeburg erschienen ist. Vor wenigen Monaten erst gelang es dem Staatsarchiv, ein Exemplar der limitierten Ausgabe in die ehemalige Residenzstadt zurückzuholen. Ebenfalls Höhepunkte sind die Dokumente rund um die Fürstliche Hofkapelle und den genialen Komponisten und Dirigenten Richard Sahla (1855-1931), der 1888 von Fürst Adolf Georg zum Hofkapellmeister ernannt wurde. Die im Staatsarchiv verwahrten Programme der Musikkonzerte bestätigen, dass sich die Hofkapelle bis zur Auflösung 1918 unter seiner Leitung mit jedem anderen Orchester der Zeit messen konnte. Zu denältesten Stücken, die gezeigt werden, gehören ehemalige liturgische Handschriften aus dem Mittelalter. Sie wurden nach der Reformation zum Einbinden von Registern und Rechnungen verwendet und später wiederentdeckt. Während der "Langen Nacht der Kultur" wird das Staatsarchiv von 18 bis 23 Uhr geöffnet sein. Wer kann, sollte die Ausstellung um 19, 20 oder 21 Uhr besuchen - zu diesen Zeiten wird das Ensemble "Arundo" aufspielen. Die siebenköpfige Truppe musiziert auf historischen und modernen Instrumenten Werke zwischen Gotik und Barock. Auf ihrer Homepage www.arundo.net bezeichnen die Spielleute ihren Stil als "weltweite Folklore", geprägt durch Einflüsse "aus aller Herren Länder." Neben irischen Liedern hat die Gruppe auch indische Musik von Ali Akbar Khan im Programm. Die Ausstellung im Foyer des Staatsarchivs ist auch außerhalb der "Langen Nacht" zu besichtigen, und zwar vom heutigen Freitag, 22. September, bis zum 30. Oktober während der Öffnungszeiten des Staatsarchivs jeweils montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr.

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