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Experten schätzen Liegezeit auf etwa zwei Jahre / Zahnstatus lässt vermuten: Es war kein Deutscher

Schädelfund: Toter an Nase und Jochbein verletzt

Hohenrode (crs). Donnerstag, 1. Februar, 14.20 Uhr. Eigentlich ist es für die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs ein ganz normaler Routineauftrag. Am Hohenroder Waldrand reinigen sie ein sechs Meter langes Beton-Kanalrohr, das von einem Feldweg aufs benachbarte Feld führt. Ein Stock kommt zum Vorschein, Blätter, jede Menge Schotter und schließlich, von Schlamm bedeckt - der skelettierte Schädel eines Menschen. Da wird die Routine- zur Polizeiangelegenheit.

veröffentlicht am 20.02.2007 um 00:00 Uhr

Der Bereich rund um den Fundort des Schädels wird mit Spürhunden

Und die mündete gestern Vormittag, zweieinhalb Wochen nach dem Fund, in eine lange vorbereitete und groß angelegte Suchaktion. Wie bereits tags zuvor bei der Fahndung nach dem kurzzeitig flüchtigen Karl-Heinz B., der am Sonnabend seine Ehefrau mit einer Axt getötet hatte (s. Artikel unten), erlebte der Hohenroder Liethweg ein Großaufgebot der Polizei. Beamte aus Rinteln, ein Zug der Bereitschaftspolizei, die Technische Einsatzgruppe und Hundeführer mit Leichenspürhunden suchten das Gelände am Hohenroder Waldrand großflächig ab, um den Fundort herum wurde das Erdreich ausgehoben - mit dem Ziel, weitere Skelettteile zu finden. Das Ergebnis ist mager: Weitere Knochen wurden zwar gefunden, offenbar aber keine menschlichen. Zu wem der Schädel einst gehörte und wie er an den Fundort gelangte, ist ebenso unklar wie Todeszeitpunkt, Liegedauer und Verbleib des übrigen Skeletts. Die bisherigen Erkenntnisse: Der Schädel ist komplett skelettiert, das Knochengerüst ist intakt - bis auf eine Verletzung an Nase und Jochbein. Erste Untersuchungen in der Rechtsmedizin Hannover haben außerdem ergeben, dass der Schädel von einem 25 bis 35 Jahre alten Mann stammt. Damit sind Spekulationen, es könnte sich um den Schädel des seit 1988 vermissten Friedrich Thoke aus Krankenhagen handeln, vom Tisch: Thoke war bei seinem Verschwinden bereits 51 Jahre alt, damit ist für Steding die Sache abgeschlossen: "Dieser Spur gehen wir nicht weiter nach." Für ebenso unwahrscheinlich hält die Polizeieine Verbindung zu Karl-Heinz B.: Der räumliche und zeitliche Zusammenhang sei "reiner Zufall", sagt Steding. Wie lange der Schädel schon im Betonrohr lag, ist unklar. Die genaue Liegezeit wird derzeit von einem Kieler Institut bestimmt. Zwei Hinweise gibt es aber schon jetzt: Der Schädel ist vergleichsweise schwer, was auf eine eher kurze Liegezeit hindeutet. "Wenn ein Schädel lange liegt, trocknet er aus und wird leichter", erklärt Polizei-Pressesprecherin Gabriela Mielke. Außerdem sind in der Betonröhre beim Schädel Pflanzenkeimlinge gefunden worden, deren Alter die Experten auf eine Liegezeit von etwa zwei Jahren schließen lässt. Dass der Verstorbene aus der direkten Umgebung stammt, hält die Polizei für unwahrscheinlich. Auch aus angrenzenden Bundesländern sind keine Vermissten gemeldet, auf die das Profil zutrifft. Mehr noch: Der Zahnstatus lässt die Polizei vermuten, dass der Mann möglicherweise nicht in Deutschland gelebt hat. "Schlimme Karies ist gar nicht behandelt worden, außerdem sind Zähne gezogen worden, die in Deutschland kein Zahnarzt ziehen würde", erläutert Gabriela Mielke den derzeitigen Kenntnisstand.



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