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Steinanger: Anfrage der CDU/FDP-Gruppe erzürnt SC Rinteln und irritiert selbst CDU-Mitglieder

SC-Chef: "Tiefe Enttäuschung über Politik"

Rinteln (wer). Selten ist die Resonanz so groß, wenn die CDU/FDP-Gruppe eine Anfrage an das Rathaus richtet. Das Anschreiben, das den Wunsch von Paul-Egon Mense (FDP) nach einer Expansion der Reitsportfläche am Steinanger in Form einer unverbindlichen Anfrage ins Rathaus lanciert, hat beim SC Rinteln und in der Politik ein mittleres Erdbeben ausgelöst.

veröffentlicht am 14.09.2007 um 00:00 Uhr

In dem Schreiben vom 4. September bittet die CDU/FDP-Gruppe die Verwaltung darum, den Vorschlag Menses, dem Reit- und Fahrverein auf dem Steinanger zu einer Erweiterung um knapp 4000 Quadratmeter zu verhelfen, zu "bewerten" und am "Runden Tisch" diskutieren zu lassen, um die Meinung der anderen Vereine - "besonders des SC Rinteln" - in Erfahrung zu bringen. Inhaltlich hat sich die CDU damit nicht festgelegt. Fragwürdig ist das Schreiben dennoch, denn in der Ratssitzung am 28. Juni war der Vorschlag Menses längst diskutiert und abgelehnt worden: Eine Mehrheit von 19 Ratsmitgliedern votierte gegen die Erweiterung, nur zehn dafür (bei fünf Enthaltungen). Das Thema war damit politisch eigentlich so tot wie die Bebauung des Steinangers. Dass die CDU es für Mense, den Ex-Vorsitzenden des Reitvereins, erneut serviert, hat im Vorstand des SC Rinteln die Wellen hochschlagen lassen. Per Rundmail wurden die Förderer des SC über die neue Entwicklung informiert. Die offizielle Antwort an die Stadt hat SC-Vorsitzender Michael Box formuliert - ein Schreiben, das gehörige politische Frustration erkennen lässt. Gemünzt auf die Situation der Sportstätten, bekundet der Vorsitzende "tiefe Enttäuschungüber die politische Arbeit in der Stadt Rinteln". Wie kaum anders zu erwarten, lehnt der SC den Vorschlag Menses ab, weil zusätzlicher Raum für die Reiter die angestrebte Ausweitung der Fußball-Spielflächen am Steinanger verhindern würden. Für den SC hat die Schaffung einer zentralen Sportstätte mit drei bespielbaren Plätzen Priorität - nur so könne das "oberste Ziel des Vereins", die Zusammenführung von Jugend- und Herrenbereich, realisiert werden. Box legt sich nicht auf den Steinanger als zentrale Vereinsstätte fest, sondern formuliert Fragen an die Politik, unter anderem, ob eine Vereinszusammenführung überhaupt unterstützt werde und wenn ja, an welchem Ort. Und ob ein Kunstrasen-Platz finanziertwerden soll oder nicht. Box scheint nach mehr als drei Jahren Hin und Her mit der Geduld am Ende. Sollte die Politik die gestellten Fragen weiterhin unbeantwortet lassen, müsse er sich persönlich die Frage stellen, ob die stundenlangen Diskussionen überhaupt sinnvoll sind, "wenn die Entscheidungsträger ohnehin nicht gewillt sind, überhaupt eine Entscheidung zu treffen bzw. auf eine konkrete Frage eine konkrete Antwort zu geben", heißt es im Schreiben an die Stadt. Immer wieder habe man von der Politik zu hören bekommen, schreibt Box, dass es dringenden Handlungsbedarf gebe und man sich für den SC einsetzen werde. "Diesen netten Worten sind bis zum heutigen Tage leider keine Taten gefolgt." Jedenfalls sei ihm keine konkrete politische Initiative bekannt, die das Ziel der Vereinszusammenführung vorangebracht hätte. Der von der CDU erneut lancierte Vorschlag von Mense hat auch bei den Christdemokraten selbst zu erheblichen Irritationen bis hin zu offenen Distanzierungen zur Fraktionsführung geführt. Fraktionschef Dr. Marc Lemmermann mühte sich, die Wogen zu glätten und das "Missverständnis" aufzuklären. Er selbst würde eine Erweiterung der Fußballflächen bevorzugen, sagt Lemmermann gegenüber unserer Zeitung. Auch Fraktionsvize Günther Maack betont, dass er die Anfrage inhaltlich nicht mittrage und Mense bereits im Rat widersprochen habe. Am Sonnabend will der SC Rinteln ab 10 Uhr mit einer Veranstaltung auf dem Marktplatz auf die Problemlage des getrennten Jugend- und Herrenbereiches aufmerksam machen. Politisch liegt die Entscheidung zum Steinanger solange auf Eis, bis das Lärmgutachten grünes oder rotes Licht für eine Ausweitung des Spielbetriebes gibt.



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