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Kronprinz auf Reformkurs

Saudische Frauen feiern das Ende des Fahrverbots

Riad (dpa) - Frauen haben ihre neue Freiheit nach dem Ende des Fahrverbots in Saudi-Arabien gefeiert. Überall in dem islamisch-konservativen Königreich setzten sich Fahrerinnen am Sonntag ans Steuer und fuhren erstmals legal im saudischen Straßenverkehr los.

veröffentlicht am 24.06.2018 um 12:53 Uhr
aktualisiert am 25.06.2018 um 08:15 Uhr

Mabkhoutah al-Mari zeigt in der Fahrschule der Princess Nora University ihren neuen Führerschein. Foto: Nariman El-Mofty/AP

Viele sprachen von einem historischen Tag. «Was für ein wunderschöner Morgen», schrieb eine Frau auf Twitter, die angab, aus der Stadt Al-Chubar zu sein. Eine andere Frau twitterte zu einem Film mit ihr am Steuer: «In diesem Moment mischen sich Begeisterung und Glück.»

Das Ende des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien war um Mitternacht Ortszeit in Kraft getreten. Ein Sprecher der saudischen Sicherheitsbehörden erklärte am Sonntag, der Verkehr laufe normal. Es gebe keine ungewöhnlichen Vorkommnisse.

Aktivisten forderten weitere Reformen und verlangten die Freilassung inhaftierter Frauenrechtler, die im vergangenen Monat festgenommen worden waren. Als nächstes müsse das System der männlichen Vormundschaft für Frauen beendet werden, sagte die Aktivistin Hala al-Dosari der Deutschen Presse-Agentur. In Saudi-Arabien brauchen Frauen die Zustimmung eines männlichen Vormunds, etwa wenn sie heiraten oder reisen wollen.

Das Ende des Fahrverbots sei ein «sehr bedeutender Moment» für Frauen in Saudi-Arabien, erklärte Al-Dosari, die sich gerade in den USA aufhält. «Ich bin glücklich und hoffe, dass die Frauen in Saudi-Arabien noch viel mehr erreichen», sagte sie. Allerdings seien viele Frauenrechtler in Haft, die für das Ende des Fahrverbots gekämpft hätten. «Mir tun die Aktivisten leid, die diesen Moment möglich gemacht haben und nun wie Verräter behandelt werden.»

In der Hauptstadt Riad startete die 30 Jahre alte Wala Abu Nadschm im Wagen ihres Mannes die erste Fahrt im saudischen Verkehr. «Endlich kann ich meine Familie besuchen, ohne meinen Mann fragen zu müssen, ob er mich fährt», freute sie sich. Ihre größte Sorge sei die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Ende des Fahrverbots. Im Internet kursieren seit Monaten saudische Witze über Frauen am Steuer.

Das Ende des Autofahrverbots für Frauen gehört zu einer Reihe von Reformen, mit denen das saudische Königshaus das Land öffnen möchte. Seit einigen Monaten sind bereits Konzerte erlaubt. Auch Kinos wurden wieder zugelassen. Vorangetrieben werden die Reformen vom 32 Jahre alten Kronprinz Mohammed bin Salman, der als starker Mann und künftiger Herrscher des autokratischen regierten Königreiches gilt. Vor allem unter jungen Saudis genießt er Ansehen - konservative beobachten die Reformen jedoch skeptisch. Sie stoßen sich vor allem an der Aufweichung der strikten Trennung von Männern und Frauen.

Das Ende des Verbots soll den Frauen auch helfen, stärker auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bisher sind sie oft auf Chauffeure angewiesen. Berichten zufolge wird Frauen auch in der diktatorisch regierten Ex-Sowjetrepublik Turkmenistan in Zentralasien das Fahren schwer gemacht. Saudi-Arabien bemüht sich darum, seine Abhängigkeit vom Öl zu verringern und will dazu die Wirtschaft umbauen.

Viele Frauen befürchten indes, dass die Straße zu einem Ort werden könnten, an dem Männer sie belästigen. Als Reaktion auf die Sorgen der Frauen hatte die Regierung ein Gesetz beschlossen, das sexuelle Belästigung unter hohe Strafen stellt. Wer sich eines Vergehens schuldig macht, kann mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet bis zu 70.000 Euro bestraft werden.

Der historische Tag wird von der Verhaftungswelle im Mai überschattet. Die saudischen Behörden hatten mehr als ein Dutzend Frauenrechtsaktivisten festgenommen. Mindestens neun von ihnen sind noch immer in Haft. Ihnen wird vorgeworfen, mit «feindlichen» ausländischen Mächten in Kontakt gestanden zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einer «Razzia gegen abweichende Meinungen».

Das harte Vorgehen gegen Aktivisten wird als Warnung der autokratischen Führung gesehen, dass sie das Ausmaß der Reformen selbst bestimmen will. Das «Project on Middle East Democracy» schrieb, die Festnahmen seien ein bedrohliches Zeichen, dass Saudi-Arabien die Zivilgesellschaft auslöschen wolle.

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