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Serie "Schandflecke": Seit drei Jahren bemüht sich die Stadt vergeblich um eine Zwangsversteigerung

Sassenberg-Ruinen als Abenteuerspielplatz

Rinteln (wm). Rintelns südliche Visitenkarte ist nicht gerade einladend: Verfallene Ruinen und Bauschutt, von Büschen und Unkraut überwuchertes Brachland, inzwischen von einem zwei Meter hohen, soliden Zaun umgeben, damit Kinder auf diesem besonderen "Abenteuerspielplatz" nicht in Gefahr geraten. Die Rintelner Wehr musste schon mehrmals ausrücken, um auf dem Sassenberg-Gelände Brände zu löschen.

veröffentlicht am 13.09.2007 um 00:00 Uhr

Der Eigentümer dieses Geländes wohnt in den USA - angeblich uner

Ein "Schandfleck",über den sich im Jahresrhythmus seit über einem Jahrzehnt Rintelns Ratsherren erregen, ohne dass etwas passiert. Ein Schandfleck, über den im Jahre 2004 Eugen Meyer (CDU) in einer Ortsratssitzung urteilte: Es sei ein Armutszeugnis für eine Kommune, dass sie nicht in der Lage sei, das Problem zulösen. Einem Nichtjuristen kann man die Sachlage auch kaum logisch erklären: Seit drei Jahren versucht die Stadt Rinteln vergeblich (über das Amtsgericht), an Hans Sassenberg, Eigentümer der Grundstücks an den gleichnamigen Kiesteichen, einen Beschluss für eine Zwangsversteigerung zuzustellen. Vergeblich. Hans Sassenberg lebt in den USA. Das "juristische Problem" erläuterte Thorsten Frühmark, Rechtsanwalt wie CDU-Ratsmitglied bereits im März 2006 so: Er habe zwar eine Vollmacht, das Grundstück zu vermarkten, aber keine Vollmacht, den Beschluss über eine Zwangsvollstreckung entgegenzunehmen. WGS-Ratsherr Gert Armin Neuhäuser - ebenfalls Jurist - hatte daraufhin bereits damals vorgeschlagen, die Zwangsvollstreckung "öffentlich zuzustellen", das heißt, das Schriftstück einfach in den Schaukasten des Amtgerichts zu hängen - was als zugestellt gelten würde. Resonanz: Keine. Umso erstaunlicher: Was Justiz und Stadt nicht gelingt, damit haben Privatpersonen, die Sassenberg gut kennen und mit ihm freundschaftlich verbunden sind, offensichtlich kein Problem, so hört man in der Stadt, geben "inoffiziell" sogar namhafte Persönlichkeiten zu - nämlich mit Sassenberg in den USA Kontakt aufzunehmen. Rund 60 000 Euro, so hat die Stadt ermitteln lassen, würde der Abriss der Ruinen kosten, ein Betrag, den der Steuerzahler vorfinanzieren müsste - ob das Geld wieder reinkommt, ist ungewiss. Die Forderung wäre nicht die einzige Hypothek auf dem Grundstück. Völlig offen ist auch, was mit dem Brachland - sollte es die Stadt eines fernen Tages doch erwerben - geschehen könnte. Denn die Fläche liegt im Überschwemmungsgebiet und hier findet sich auch die Ursache für ein ganz besonderes Drama in dieser Stadt, in dem Personen "wider jede wirtschaftlicheVernunft" handeln, wie das nicht genannt sein wollende Juristen ausdrücken. Grundstückseigner Dietrich Hugenberg, ebenfalls betroffen, hatte im Mai 2002 einem Journalisten in den Notizblock diktiert: Hier hätte eigentlich der Marktkauf und ein Baumarkt stehen sollen. Der Rintelner Rat habe das konsequent verhindert. Die Pläne seien letztlich nicht an der Bezirksregierung, sondern am Rintelner Rat gescheitert. Ein Markt an diesem Standort sei politisch einfach nicht gewollt gewesen. Die Enttäuschung über die damalige Ratsentscheidung wirkt bei beiden Grundeigentümern offensichtlich bis heute nach. Der Rintelner Rechtsanwalt Friedrich Habenicht war 2002 noch guter Hoffnung, das Gelände vermarkten zu können, denn rund 3500 Quadratmeter würden nach seiner Auffassung nicht im Überschwemmungsgebiet liegen. Realität ist, dass dieses Gebiet tatsächlich selbst beim schlimmsten Hochwasser bisher nur am Rand und unwesentlich unter Wasser gestanden hat. Nach Habenicht hatte Thorsten Frühmark das Mandat übernommen. Es ist ein Gelände mit Geschichte, auf dem viele Ideen begraben worden sind. Einst stand hier ein Kieswerk, dann wollte Stadtdirektor Heinrich Büthe dort Wohnhäuser bauen. Das scheiterte damals, weil man sich nicht über die Kosten für die Zufahrt von der damaligen Kasseler Straße einigen konnte. Dann warenMcDonald's, Mercedes und ein Speditionsunternehmen im Gespräch - stattdessen wuchert hier weiter das Unkraut und gammeln die Ruinen.



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