weather-image
17°
Mallorcas kleine Schwester Menorca fällt aus der Art und will an den Radreiseboom anknüpfen

Sanfte Fahrradtouren zu wilden Küsten

Unser Schiff legt sich in die Wellenberge wie ein Segelboot. Unfreiwillig. Das aufgepeitschte Meer zwischen Mallorca und Menorca bringt selbst Autofähren ins Wanken. Und den Passagieren einen flauen Magen. Segler und Surfer haben Respekt vor den Gewässern. Aber Radler brauchen nichts zu fürchten. Menorca gebärdet sich nur an der Küste so wild. Ansonsten gibt es sich unverhofft sanft.

veröffentlicht am 15.05.2009 um 23:00 Uhr

Beschaulich: Trockenmauern flankieren die Straßen auf der gesamt

Autor:

Armin Herb

Die östlichste der Baleareninseln

Menorca misst nur ein Fünftel der Fläche seiner großen Schwester, bei den Besucherzahlen ist es gerade einmal ein Zehntel. Tendenz leicht fallend. Von ein oder zwei Standorten aus lässt sich die östlichste der Baleareninseln ohne Hektik in rund einer Woche per Fahrrad erkunden. Wer vom quirligen Mallorca übersetzt, ist anfangs irritiert, dann angenehm angetan von dieser so anderen Stimmung und Landschaft. Das soll eine Insel im Mittelmeer sein? Wir radeln zwischen saftig grünen Weiden umrahmt von fast mannshohen Mauern. Im Gras stehen schwarz-weiße Friesenkühe. Übrigens ein Erbe der Briten, die von 1708 bis 1756 das Leben Menorcas bestimmten. Bis heute lassen sich ihre Spuren finden. So ist zwischen Ciutadella im Westen und Mahon im Osten der Gin das Nationalgetränk. Manches große Landgut erinnert stark an englische Schlösschen.

Unser erster Tourentag gilt dem Westen. Mit Kultur und Architektur geht’s los in Ciutadella, bis 1722 die Hauptstadt Menorcas. Ohne Übertreibung eines der schönsten Städtchen der Balearen – und so gemütlich. Die engen Gassen der Altstadt spenden Schatten für ausgedehnte Erkundungsgänge zwischen Kathedrale, Stadtpalästen und Geschäften. Reges Treiben herrscht in und um die Gewölbe des alten Marktes. Wer nicht in Ciutadella sein Quartier aufgeschlagen hat, sollte sich einen Kulturstopp verordnen.

Wir verlassen die kleine Hafenmetropole Richtung Norden. Gemütliches Radeln – leicht eingeschränkt durch kräftigen Wind. Eine Art Radweg-Teststrecke führt uns zum Leuchtturm Punta Nati. Ziegelrot eingefärbte Radstreifen flankieren das Asphaltsträßchen, links und rechts begrenzt von den allgegenwärtigen, akkurat aufgeschichteten Trockenmauern. Davon soll es tatsächlich 15 000 Kilometer auf der Insel geben. Sie stehen sogar unter Denkmalschutz. Im Vergleich zum Rest der Insel wirkt der Nordwesten äußerst karg und steinig. Aber anziehend ist die Region trotzdem, vor allem so manch tiefblaue Bucht wie die Cala Morell.

Starke Steigungen braucht der Reiseradler auf Menorca nicht zu fürchten. Mit einer Ausnahme: Wer den absoluten Weit- und Überblick über die Insel sucht, sollte sich auf einige Serpentinen und etwa 300 Höhenmeter hinauf zum Monte Toro einstellen. Ein Tourtipp für den frühen Morgen: Dann herrscht noch kein Urlauberverkehr auf der Straße, das Kloster am Gipfel lässt sich ohne Menschentrauben betrachten. Mit Schwung fegen wir die Kurven vom Toro hinunter an die Nordspitze zum Cap de Cavalleria. Ein bunter Landschaftsmix begleitet den Weg: ausgedehntes Weideland, Blumenwiesen und zum Meer hin nordisch anmutende Buchten.

Juan Carlos und der Langusteneintopf

Klischeehaft spanisch wird es an der Cala von Fornells. Nachdem man vier Kilometer an der Bucht entlanggeradelt ist, erreicht man den kleinen Hafen. Auch Spaniens König Juan Carlos schippert mit der royalen Jacht gern hierher. Sein Ziel ist ein kulinarisches – die „caldereta de langosta“, ein Langusteneintopf. Wer in den Genuss der Gourmetsuppe kommen möchte, sollte bereit sein, dafür 40 bis 50 Euro auszugeben. Uns schmeckt’s auch bei einfacher menorquinischer Kost: ein paar Tapas und „Pa amb Oli“ – geröstetes Brot mit Knoblauch, Tomaten, Olivenöl und Schinken.

Richtung Osten nehmen wir den Weg Cami d’en Kane. Er zählt zu den sechs ausgeschilderten Radrouten, gekennzeichnet durch nostalgische Holzschilder. Menorcas Tourismusverantwortliche schielen auf den Radreiseboom der Nachbarinsel und möchten damit mehr Aktivurlauber anlocken. Aber alles in erträglichem Maße, schließlich pflegt man seit 1993 die Auszeichnung der Unesco zum Biosphärenreservat.

Die Hauptstadt und der Südosten bilden unser Schlussprogramm für Menorca. Mahons Lage an der sechs Kilometer langen Bucht ist einmalig – nach Pearl Harbor auf Hawaii der zweitgrößte Naturhafen der Welt. In den Süden zieht es die meisten Menorca-Urlauber wegen der schönen Sandstrände, etwa in Punta Prima. In der Nebensaison herrscht dort wenig Rummel. Auch nicht im malerischen Binibequer, einem im katalanischen Stil errichteten Feriendorf. Da sind die Schilder, die um Ruhe bitten, fast überflüssig. Laut ist dort nur das Tosen des Meeres.

Die Reise-informationen:

Anreise: Mehrmals wöchentlich fliegen von Mai bis Oktober Ferienjets von diversen deutschen Flughäfen nach Mahon. Von Hannover aus bietet Air Berlin wöchentlich zwei Flüge über Palma de Mallorca nach Mahon an.

Fahrradverleih: Fahrradverleihe gibt es vor allem in den touristischen Regionen Fornells und Cala Galdana. Für größere Reparaturen muss man nach Ciutadella oder Mahon.

Weitere Informationen: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin, Tel. 0 61 23/ 9 91 34. Im Internet: www.spain.info, www.menorca-info.de, www.e-menorca.org.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare