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Salz wird knapp: Vorsicht, Rutschpartie

Bitte verzichten Sie aufs Auto – diese Bitte gab das Verkehrsministerium am vergangenen Wochenende für Niedersachsen heraus. Denn das Salzwerk K+S konnte aufgrund einer Routine-Überprüfung kein Salz liefern, die Versorgung aller Straßen war gefährdet. Für das kommende Wochenende werden erneut Schneefälle erwartet, und obgleich das Salzwerk wieder produziert, müssen sich die Autofahrer auf schwierige Straßenverhältnisse einstellen. Denn viele Bauhöfe im Weserbergland haben schon seit Wochen kein Streusalz mehr.

veröffentlicht am 10.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 11.02.2010 um 17:25 Uhr

Winterdienst im Dauereinsatz – auf die Kommunen kommt eine

Autor:

Jessica Janson

Bitte verzichten Sie aufs Auto – diese Bitte gab das Verkehrsministerium am vergangenen Wochenende für Niedersachsen heraus. Denn das Salzwerk K+S konnte aufgrund einer Routine-Überprüfung kein Salz liefern, die Versorgung aller Straßen war gefährdet.

Für das kommende Wochenende werden erneut Schneefälle erwartet, und obgleich das Salzwerk wieder produziert, müssen sich die Autofahrer auf schwierige Straßenverhältnisse einstellen. Denn viele Bauhöfe im Weserbergland haben schon seit Wochen kein Streusalz mehr.

Der Bauhof in Bückeburg hat zuletzt im vergangenen Jahr eine Lieferung bekommen. Derzeit findet sich kein einziges Körnchen in den Lagerhallen. „Wir haben bisher rund 300 Tonnen Salz verbraucht“, sagt Ordnungsamtsleiter Heinz Niemeyer. Lange gehalten hat der Vorrat jedoch nicht. „Wir streuen nun schon seit dem 18. Januar ersatzweise mit Splitt.“ Natürlich wirke dieses Material anders als Salz, „aber wir können den Zustand im Moment nicht ändern.“ Und eine neue Salzlieferung sei, auch wenn es immer ein Fünkchen Hoffnung gebe, bis zum Wochenende eher unwahrscheinlich.

Gestern Morgen: Winterchaos auf der A2.  Foto: CAP
  • Gestern Morgen: Winterchaos auf der A2. Foto: CAP
Auch in den Straßenmeistereien wird das Streusalz knapp, aber no
  • Auch in den Straßenmeistereien wird das Streusalz knapp, aber noch reicht es, um Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Weserbergland zu streuen. Hier in Rinteln lagerten bis gestern noch knapp 170 Tonnen. Foto: tol

Somit sollten die Bückeburger auch am Wochenende vorsichtig Auto fahren, denn nicht auf jeder Straße kommt Splitt zum Einsatz. „Wir streuen natürlich die Hauptverkehrsstraßen sowie die Straßen mit Steigungen im Harrlviertel“, versichert Manfred Rettig, Amtschef für Planen und Bauen. Auch Fußgängerüberwege, Buswartehäuschen und städtische Flächen werden gestreut. Auf ebenerdigen Anliegerstraßen kämen die Streufahrzeuge jedoch nicht zum Einsatz. „Bei Schnee werden diese Straßen aber selbstverständlich auch geräumt“, versichert er.

Ein Tropfen auf den heißen Stein sind die restlichen fünf Tonnen Streusalz, auf die der Bauhof in Obernkirchen derzeit all seine Hoffnungen setzt. „Diesen Rest lassen wir erstmal liegen, damit wir handeln können, wenn es doch noch einmal Eisregen gibt“, erklärt Bauhofsleiter Karl Harting. Denn solch ein Niederschlag sei vor allem für die Bergstadt mit ihren vielen Steigungen eine große Gefahr. Für das Tagesgeschäft greift auch Obernkirchen schon seit Wochen auf Splitt zurück. „Wir haben schon am 22. Dezember neues Salz bestellt, allerdings ist bis jetzt keine Lieferung eingetroffen.“

Auch für das Abstreuen mit Splitt gilt in Obernkirchen ein Drei-Stufen-Plan. „Als Erstes werden die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen innerorts gestreut, außerdem die Gefahrenstellen mit Steigungen“, erklärt Harting. Dann folgen Schulen, Kindergärten, Bushaltestellen, zum Schluss die Nebenstraßen.

Am besten stehen derzeit Hameln und Rinteln da, obwohl auch hier viel zu wenig Salz vorhanden ist. Hameln hat in den letzten Wochen laut Betriebshofleiter Uwe Depping zwar immer mal wieder eine Lieferung bekommen, „aber bei weitem nicht so viel, wie angedacht war“. Schon seit Wochen fährt Hameln daher einen eingeschränkten Winterdienst.

Um die Situation zu entspannen, ruft Depping immer wieder bei den Lieferanten an. Und es gibt Hoffnung: Zwei Züge Streusalz sollen in dieser Woche noch kommen. „Wenn es bei dieser Aussage bleibt, können wir dem Wochenende recht entspannt entgegen sehen.“ Sollten diese Lieferungen aber ausbleiben, werde es eng.

Auch in Hameln ist der Winterdienst durch einen Streuplan geregelt. Und auch hier gilt: „In den Wohnstraßen streuen wir grundsätzlich nicht.“ Sollte sich die Situation verschlimmern, rät Depping den Bürgern zu öffentlichen Verkehrsmitteln. „Deren Strecken werden auf jeden Fall geräumt“, versichert er. Aufgrund der Straßenverhältnisse sollte der Individualverkehr aber auf jeden Fall vor Schulen und Kindergärten eingeschränkt werden.

Eine ähnliche Situation wie in Hameln herrscht in Rinteln. Der dortige Bauhof hat in dieser Woche endlich mal wieder eine Lieferung Streugut erhalten. „Allerdings ist es kein reines Salz, sondern ein Gemisch, dass zu einem Viertel aus Sand besteht“, erklärt Helmut Leppin, Leiter des Tiefbauamtes. Trotz dieser Lieferung von 25 Tonnen ist das Lager „so gut wie leer“. Deshalb gibt es auch in Rinteln einen ähnlichen Prioritätenplan wie in den anderen Städten. Leppin hofft auf Verständnis der Bürger: „Wir sind bestrebt, den Bürgern gute Straßenverhältnisse zu bieten, aber wir können nicht überall sein.“

Etwas entspannter ist die Lage bei den Straßenmeistereien, die für die Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Weserbergland zuständig sind. „Wir schauen momentan nicht in leere Hallen“, versichert Markus Brockmann, Geschäftsbereichsleiter Hameln. Die Lage sei angespannt, aber nicht so, dass man handlungsunfähig sei.

Lediglich die Radwege müssten derzeit hinten angestellt werden, und hier hofft Brockmann auf Verständnis. „Die Kollegen bemühen sich nach Kräften, aber die Wirtschaftswege haben Vorrang.“ Wenn es wirklich kritisch werden sollte, stehen die Straßenmeistereien in Verbindung mit Polizei und Einsatzleitstellen. „Dann sprechen wir ab, wo vorrangig gestreut werden muss.“

Generell sollen die Straßen von 6 bis 22 Uhr befahrbar sein. Für die Nachtstunden ist kein Winterdienst vorgesehen. „Das ist aber in der Praxis gerade bei Schneefall gar nicht möglich“, so Brockmann. Denn wenn der Schnee erst einmal festgefahren sei, kämen die Räumfahrzeuge gar nicht mehr durch. „Deshalb sind unsere Mitarbeiter oft rund um die Uhr im Einsatz.“

Wer in den nächsten Tagen weite Fahrten plant, muss auch auf der A 2 mit Einschränkungen rechnen. „Wir bekommen zwar täglich Salzlieferungen, aber nicht in ausreichenden Mengen“, erklärt Anja Haltermann vom Niedersächsischen Verkehrsministerium. Es sei daher möglich, dass örtlich auf den Autobahnen nur die Hauptfahrstreifen gestreut werden. „Wir kämpfen derzeit akut mit dem Schnee“, so Haltermann. Dabei seien auch die aktuellen Minusgrade ein Problem, denn zwischen -5 und -7 Grad verringere sich die Wirksamkeit des Streusalzes.

Eine Aufforderung, aufs Autofahren zu verzichten, wie sie am letzten Wochenende herausgegeben wurde, wird derzeit nicht ausgesprochen. Allerdings sei es bei dem Wetter immer sinnvoll, zu überlegen, ob eine geplante Fahrt wirklich notwendig ist.

Neben den Gefahren für Autofahrer verursacht der strenge Winter auch eine Lawine an Kosten, die auf die Kommunen zukommt. Die Kosten für den Winterdienst waren in dieser Größenordnung nicht eingeplant, sie übersteigen die des vergangenen Winters bei weitem.

Der Bückeburger Bauhof verzeichnet bis Ende Januar etwa 100 000 Euro Mehrkosten im Vergleich zum vorigen Jahr. Für Hameln beziffert Uwe Depping die Mehrkosten bis Ende Januar auf 85 000 Euro. „Insgesamt haben wir im vorigen Jahr 215 000 Euro für den Winterdienst verbucht, in diesem Jahr rechnen wir mit dem Doppelten.“ Darin enthalten seien sowohl die Kosten für Personal als auch für Fahrzeuge und Material.

In Bückeburg haben die Mitarbeiter des Bauhofs durch ihre vielen Einsätze bis zu 110 Überstunden angesammelt. „Das werden wir vor allem im Frühling merken“, sagt Manfred Rettig. „Dann müssten wir eigentlich in die Beete, aber irgendwann müssen die Überstunden ja abgefeiert werden.“



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