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Vor Gericht: Verkehrsrowdy, charakterlich ungeeignet, vorbestraft

Saftige Geldstrafe für früheren 4%-Bürgermeister-Kandidaten

Stadthagen (ly). Der Mann, der einmal Jörg Brzuska hieß und Bürgermeister in Stadthagen werden wollte, ist "ein Verkehrsrowdy". Und er ist "charakterlich ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen". Dies hat Richter Kai Oliver Stumpe dem 40-Jährigen, der zwischenzeitlich einen anderen Nachnamen angenommen hat, gestern in einem Prozess vor dem Stadthäger Amtsgericht attestiert.

veröffentlicht am 06.06.2007 um 00:00 Uhr

Zuvor hatte Stumpe das Urteil verkündet: 2000 Euro Geldstrafe wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Umgerechnet sind das 100 Tagessätze, also mehr als drei Monatseinkommen des arbeitslosen Stadthägers, der 2006 als unabhängiger Bürgermeisterkandidat angetreten war und im ersten Durchgang rund vier Prozent der Stimmen bekommen hatte. Noch ist die Entscheidung nicht rechtskräftig. Eine Berufung vor dem Bückeburger Landgericht gilt als wahrscheinlich. Im polizeilichen Führungszeugnis würde eine Strafe in dieser Höhe auftauchen, weil sie 90 Tagessätze übersteigt. Für die Vorstrafe des Angeklagten gilt das nicht: Wie gestern bekannt wurde, war Brzuska 2002 wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Nötigung zu drei Monatseinkommen Geldstrafe verurteilt worden. "Daraus scheint er nicht so ganz viel gelernt zu haben", meint Oberstaatsanwalt Bodo Becker. Sicher ist, dass der Stadthäger am Nachmittag des 9. Juli vergangenen Jahres mitten auf der Kreisstraße 26 zwischen Stadthagen und Obernwöhren für ein Hindernis gesorgt hat, was zu einem Unfall führte. Zuvor hatte der Fahrer eines VW-Kleinbusses mit Anhänger, der aus einer Seitenstraße auf die K 26 gebogen war, Brzuska möglicherweise die Vorfahrt genommen. Jedenfalls überholte der Kandidat das Gespann, begann wild zu gestikulieren und stellte seinen Mercedes-Kombi nach einer Kurve quer auf den Asphalt, um den Kleinbus-Fahrer zur Rede zu stellen. Ein Kfz-Sachverständiger geht davon aus, dass der Mercedes dabei mindestens einen halben Meter in die Gegenfahrbahn ragte. Für den jungen Mann am Steuer des Kleintransporters gab es kein Vorbeikommen, er rammte das Hindernis. "Der Angeklagte meinte, Oberlehrer spielen zu müssen", so Staatsanwalt Becker. "Er hat Mist gebaut'', sagt Richter Stumpe. "Und der einzige, der das nicht einsieht, ist er selbst." Selbstjustiz gebe es nicht im Straßenverkehr. Anstatt den ursprünglichen Strafbefehl zu akzeptieren, habe der 40-Jährige "gefightet ohne Ende'' und "nur Kosten verursacht". Falls das Urteil rechtskräftig wird, muss der Angeklagte nicht bloß die Geldstrafe zahlen, sondern auch die Prozesskosten tragen. Besonders teuer dürfte ein Gutachten kommen, das die Verteidigung beantragt hatte. Gestern verlangte der Angeklagte eine weitere Expertise, scheiterte aber mit diesem Antrag. Verbunden ist die Entscheidung mit einer fünfmonatigen Führerscheinsperre. Nach Ablauf wäre der Verkehrsrowdy insgesamt 16 Monate ohne Fahrerlaubnis gewesen. "Ein ordentliches Pfund", wie Stumpe feststellte. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Er will von dem Kleinbus-Fahrer an der Hofeinfahrt ausgebremst und später beim Überholen abgedrängt worden sein. Vor Gericht zeigte der Mann sich renitent. Den Prozess nannte er "ein Schauspiel", gehen wollte er bereits vor der Urteilsbegründung. "Wenn sie sich weiter so aufführen", erwiderte Richter Stumpe, "kann ich auch ein Ordnungsgeld verhängen."



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