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Rodung frühestens im Herbst

RWE räumt Barrikaden im Hambacher Forst

Kerpen (dpa) - Mit einem großen Aufgebot ist die Polizei ins Braunkohlerevier Hambacher Forst vorgerückt und hat Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE beim Wegräumen von Barrikaden geschützt.

veröffentlicht am 05.09.2018 um 12:51 Uhr

Das Energieunternehmen RWE Power will für den Braunkohleabbau mehr als 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald abholzen. Foto: Christophe Gateau

Gegen die Abholzung des Waldes im Rheinland gibt es unter dem Stichwort «Hambi bleibt» seit langem heftige Proteste von Besetzern vor Ort, die sich auch gegen die Braunkohle insgesamt richten. Der Polizeieinsatz blieb am Mittwochvormittag friedlich. Es gab keine Festnahmen. RWE will für den Braunkohleabbau mehr als 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald abholzen, darf damit aber frühestens mit Beginn der Rodungssaison ab 1. Oktober beginnen.

Bei dem Einsatz stieß die Polizei nach eigenen Angaben auf eine Bombenattrappe und ein nicht funktionsfähiges Katapult. Rodungsgegner, die teils seit langer Zeit in Baumhütten im Wald campen, forderten per Megafon den Abzug der Polizei. Einige Rodungsgegner hätten von den Bäumen herunter auf Polizisten uriniert, sagte ein Sprecher. Die Polizei schätzte die Zahl der Rodungsgegner im Wald auf 60 bis 100.

Aus Sicht von RWE ist die Rodung unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Davon hingen rund 10.000 Stellen und die Sicherheit der Energieversorgung in Nordrhein-Westfalen ab. Umweltschützer fordern einen schnellen Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohle und zumindest ein Rodungsmoratorium, solange die bundesweite Kohlekommission tagt.

Rund 200 RWE-Mitarbeiter entfernten mit schwerem Gerät Baumstämme und Äste von den Wegen. Teils seien auch Gräben und Erdlöcher zugeschüttet und Müll aus dem Wald entfernt worden, sagte ein RWE-Sprecher. Polizeisprecher Paul Kemen sagte: «Einzelne Bäume können gefällt werden, wenn sonst der Bagger nicht durchkommt.» Das sei aber keine Rodung, sowas sei jederzeit erlaubt.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte am Montag in Düsseldorf gewarnt, dass man es im Hambacher Forst mit «extrem gewaltbereiten Linksextremen» zu tun habe, die aus dem ganzen Bundesgebiet und dem benachbarten europäischen Ausland anreisten. «Diese selbsternannten Umweltschützer wollen nicht Bäume retten, sondern den Staat abschaffen», sagte Reul. RWE sei Eigentümer des Hambacher Forstes und habe das Recht, den Wald zu roden. Und die Polizei müsse dafür sorgen, dass dieses Recht durchgesetzt werden kann.

Die Aktivisten vor Ort wiesen Reuls Vorwürfe zurück. «Die Polizei versucht, die komplette Bewegung zu kriminalisieren und zu diffamieren», sagte Emil Freytag von der «Aktion Unterholz». Er verwies darauf, dass die Polizei den Hambacher Forst als «gefährlichen Ort» definiert habe und seitdem Personen ohne konkreten Anlass kontrollieren könne. Die Polizei hatte diese Maßnahme damit begründet, dass aus dem Wald heraus Straftaten verübt würden.

Die Kohlekommission soll bis Ende des Jahres einen Ausstieg aus der Kohleverstromung ausarbeiten und Vorschläge für die Finanzierung und Gestaltung des Strukturwandels in Tagebau-Regionen wie dem Rheinischen Revier vorlegen.



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