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"Nachtausgabe" mit wahrer Kanzlerin / Uta Rotermund bietet schrilles Burkha-Basteln

Ruhrpott-Lady ohne Ladehemmung gegen Macho-Männerwelten

Rinteln. Mit Kabarett und Kleinkunst scheint die gemeinsame "Nachtausgabe" von Volksbank und Schaumburger Zeitung richtig zu liegen, denn auch beim Gastspiel der Dortmunder Kabarettistin Uta Rotermund waren sämtliche Stuhlreihen in der Kundenhalle voll besetzt von einem überwiegend weiblichen Publikum, das sich größtenteils "wie Bolle" amüsierte - und das auch dann, wenn die Pointen mal unter die berühmte Gürtellinie rutschten, wo bekanntlich die Nerven besonders schnell blank liegen.

veröffentlicht am 10.11.2007 um 00:00 Uhr

Wann hat man je eine Kleinkünstlerin so knallhart im Umgang mit

Autor:

Ulrich Reineking

Als "wahre Kanzlerin" stolzierte die Protagonistin des Abends auf die Bühne und präsentierte sich als Politikerin der leeren Worte, der theatralischen Gesten und des schrillen Pathos: Sie verleiht dieser Figur ein herrlich denunziatorisches Profil, wagt dabei mutig den Schritt über die Grenzen des Klamauks und beweist nachdrücklich, dass sie ihr schauspielerisch-komödiantisches Handwerk gelernt hat. Das gilt auch für die anderen Frauentypen und weiblichen Knallchargen, die sie da mit derber Lust an der Entthronung maskuliner Gockelei auf die Bühne bringt. Die Männerforscherin Dr. Irmgard Töbel-Schleierkraut etwa, die mit Seziermesser und Dampfhammer zugleich die hohlen Standbilder der "Herren der Schöpfung" attackiert - und wenn die Akteurin das naturblonde Dummchen und/oder Doris Schröder-Köpfchen gibt, wünscht man sich insgeheim, dass ihre Vorlagen in der Wirklichkeit mal live mit diesen Studien konfrontiert würden. Nicht ganzüberzeugen konnte in der Blondinen-Nummer die ritualisierte Wiederholung des Sprüchleins "Gibt der Herr ein Häschen, dann schenkt er auch ein Gräschen", die wohl ohne wirklich erkennbaren dramaturgischen Sinn mit geschürzten Lippen runde zwei Dutzend mal vorgetragen wurde. Die stilleren Momente des Programms, in denen Frau Rotermund nicht in Rollenbilder schlüpfte, sondern als ganz und gar eigen daherkam, machten dabei erheblich Lust auf mehr. Ihrem frauenpolitischen Engagement ist es wohl zu verdanken, dass sie in der Auseinandersetzung mit islamisch geprägter Macho-Welt Zwischentöne vermissen ließ und sich an diesem Feindbild bis hin zu Stammtischnummern von Kindergeld und Überfremdung abarbeitete, während wiederum ihr Burkha-Bastelkurs das mitunter Schräge der Debatte gut auf den Punkt brachte. Herzlicher Beifall - und von der Bühne und aus dem Publikum nach rund zweistündigem Marathon in Sachen Kabarett der vielfältige Wunsch "Auf Wiedersehen".



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