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Dr. Roswitha Sommer hält spannenden Vortrag über die 750 Jahre alte Geschichte der Siedlung Hevesen

Ruhige Lage schützt nicht vor Schulden, Erbstreit, Blattern

Hevesen (mig). "Das s esüber ein so kleines Dorf, so viele Informationen geben würde, hätte ich nicht gedacht", bemerkte Dr. Roswitha Sommer, als sie am Wochenende ihren Vortrag zum 750-jährigen Bestehen Hevesens vor rund 100 Gästen im Hof Nummer zwei hielt. Unter den Zuhörern saßen auch die heutigen Besitzer der Höfe Eins und Zwei; Familie Ernst Meier und Familie Ludwig Pohl.

veröffentlicht am 08.06.2007 um 00:00 Uhr

Geschichte(n) einer Siedlung: Dr. Roswitha Sommer (M.) mit den F

Ludwig Pohl war es auch, der die langjährige Vorsitzende des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins gebeten hatte, sich für Hevesen auf Spurensuche zu begeben. Keine leichte Aufgabe: Weil zu dem Thema bisher nichts geschrieben wurde, musste Sommer alle Daten und Fakten im Staatsarchiv recherchieren. "Das ist die erste wissenschaftliche Darstellung dieser Gegend", machte die Heimatforscherin deutlich und verwies auf die weiterführenden Fußnoten im Text. Unterhaltsam ist die 40 Seiten starke Chronik trotzdem - neben dem historischen Rahmen liefert Sommer einen Querschnitt durch kleines Glück und großes Unglück, Erbschaftsstreitigkeiten, hohe Abgaben und tödliche Epidemien. Das Ergebnis präsentierte die Referentin den Heveser jetzt in der Diele von Haus Nummer zwei - mit großer Resonanz. "Der Vortrag ist gut angekommen", freute sich Roswitha Sommer im Gespräch. "Besonders aufmerksam wurden die Zuhörer, als ich über die Heiratsbeziehungen gesprochen habe." Im Anschluss an den historischen Exkurs übergab die ehemalige Vorsitzende des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins mehrere Exemplare an die in Hevesen ansässigen Familien Pohl und Meier. Gefeiert wird das Jubiläum auf Basis der ersten urkundlichen Nennung von Hevezhusen am 24. Juli 1257. Damals schenkte der Graf von Rohden die beiden "verhältnismäßig großen" Meierhöfe mit rund 220 Morgen Land dem Stift Obernkirchen. "Hevesen lag strategisch sehr günstig versteckt zwischen Dülwald und Aue. Diese solitäre Lage hat es auch lange vor Seuchen geschützt", berichtete Sommer. Die gute Lage half den "Ureinwohnern" aber nicht bei den Steuereintreibern. Im Jahr 1616 musste Gerke Quitte sechs Malter Roggen, sieben Malter Gerste, zwei Malter Hafer und alle zwei Jahre ein Schwein abgeben. Dazu kam die Arbeit für den Landesherrn. "Wenn man keinen eigenen Knecht hatte, blieb für den eigenen Acker kaum Zeit", erklärte Sommer. Besonders schlimm erwischte es Hevesen in den Kriegswirren im Jahr 1640 - damals brannten plündernde Soldaten einen der Höfe einfach nieder. Im 18. Jahrhundert kam dann zu Schulden auch noch ein Erbstreit; beide Parteien engagierten - für diese Zeit ungewöhnlich - sogar einen Advokaten. Sommer: "Da hat man schon kein Geld, und dann machen die noch solche Kapriolen." 1773 wurden die Heveser dann doch noch Opfer einer Epidemie: die Blattern forderten ihren Tribut. Allein in Meinsen gab es damals 22 Tote. Die Bevölkerungsentwicklung blieb durch die Jahrhunderte stabil: Im Jahr 1766 wohnten 21 Personen in Hevesen, 1836: 29, 1930: 26 und 1964: 23.



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