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Aus Dr. Nadja Anna Zsoeks wird heute Dr. Nadja Anna Prinzessin zu Schaumburg-Lippe: Wer ist die Frau an der Seite des Fürsten?

"Rührende" Gastgeberin mit Sinn für "Quality-Time"

Bückeburg. Sie habe "ein Herz wie ein Bergwerk" und verfüge über Geistesgaben "außergewöhnlicher Brillanz" - so wird die 32-Jährige beschrieben von einem, der es wissen wird. Sogar wissen muss, denn Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe wird Dr. Nadja Anna Zsoeks heute zur Mittagszeit ins Standesamt führen und mit ihr den Bund fürs Leben schließen. Verlassen wird sie das historische Rathaus als Dr. Nadja Anna Prinzessin zu Schaumburg-Lippe. "Das wird mein zivilrechtlicher Name sein; an der Seite meines Mannes führe ich natürlich den Ehrentitel ,Fürstin', schließlich ist er ja der Chef des Hauses."

veröffentlicht am 30.06.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:06 Uhr

"Die Doktorarbeit - ein interessanter Fall"
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Autor

Thomas Meinecke Redakteur zur Autorenseite

Die neue Rolle in der Welt des Adels ist - das darf man unterstellen - für sie ungewohnt, denn die Braut stammt aus bürgerlichem Haus. Nadja Anna erblickte in München das Licht der Welt. Wann ist sie geboren? "Am 20. Februar 1975." Und als der Autor, der das Gespräch mit ihr auf Band aufzeichnet, schon zur nächsten Frage kommen will, ergänzt sie: "Sternzeichen Fisch." Schiebt alsdann lachend nach: "Aszendent Jungfrau." Haben derlei Dinge für sie eine Bedeutung? "Ja, ein bisschen ... aber nur marginal", erläutert sie, solche Fragen "nicht unspannend" zu finden. Sie beschäftigt sich damit? "Nein. Jedenfalls nicht intensiv. Tageshoroskope interessieren michnicht." Der vor etwa zwei Jahren gestorbene Vater, einösterreichischer Unternehmer, die Mutter aus dem Allgäu stammend, lebte die Kleinfamilie in München. In der Isarstadt ging Nadja Anna zur Grundschule, später aufs Gymnasium. Für die Familie war die Millionenmetropole am Fuße der Alpen Basis für Ausflüge in die Natur. "Wir waren oft Skifahren." Das ist einer der wenigen Sätze, die sich die Frau an der Seite des Fürsten über ihre Kindheit entlocken lässt. Ein weiterer: "Im Sommer haben wir viel Zeit in der Natur verbracht." Und: "Meine Familie ist sehr sportlich." Weitere Fragen nach dem familiären Hintergrund wehrt sie ausgesprochen freundlich, aber auch ebenso selbstbewusst und entschieden ab: "Dazu sage ich nichts, das ist privat." In der bayrischen Landeshauptstadt hat Nadja Anna auch ihre Hochschulausbildung absolviert. An der Ludwig-Maximilians-Universität studierte sie das Fach der Rechtswissenschaften, ein üblicherweise langwieriges Studium, das sie nach nur neun Semestern glänzend abschloss. "Eine gewisse Leidenschaft für Rechtsfragen hatte ich schon früh", sagt die Juristin, der ihr "Magna cum laude"-Abschluss nicht genug war. Eingedenk besagter Leidenschaft verwundert es nicht, dass ihr die Juristerei "viel Spaß" bereitet. Schon fast zwangsläufig: Sie hängte noch ein Promotionsstudium an der Regensburger Universität hintendran. In ihrer Doktorarbeit "Wirtschaftswerbung und Meinungsfreiheit" verglich sie die "Rechtslage in der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika unter besonderer Berücksichtigung von Inhalt und Grenzen der Wirtschaftswerbung in den Medien". Die 246 Seiten umfangreiche Fleißarbeit überzeugte Doktorvater und andere Gutachter zutiefst, seither darf sie den akademischen Titel "Dr. jur." führen. Während ihrer Ausbildung entwickelte die Studentin eine besondere Vorliebe für das Spezialgebiet "Markenrecht" - eine Zuneigung, die Folgen haben sollte, wie wir gleich sehen werden. Als die junge Juristinüber ihrer Doktorarbeit brütete, wurde sie in der Presse auf einen interessanten Fall aufmerksam, der sich damals gerade fern ihrer Heimat am Rande der norddeutschen Tiefebene zutrug. Ein Adliger, offenbar selbst Jurist, war in einen Rechtshändel verwickelt, bei dem es um die Frage ging, ob ein Dritter ohne seine Zustimmung seinen Namen als (Domain-)Namen einer Internetseite verwenden darf. Zwischen der Münchner Fachfrau und dem Fachmann im Norden entwickelte sich im Laufe der Zeit ein intensiver juristischer Dialog über Fragen des Internet- und Markenrechts im Allgemeinen und über den Fall betreffende im Besonderen. Sie, lieber Leser, haben's schon geahnt: Der damals strittige Domain-Name lautete "www.schaumburg-lippe.de", der in einen Rechtsstreit verwickelte Adlige war Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe. "Etwa ein Jahr lang haben wirüber diese Fragen kommuniziert", erinnert sich Nadja Anna. Dann - im Herbst 2005 - geschah Zufälliges, das sich letztlich als in vielfacher Hinsicht einschneidend erweisen sollte. Fürst Alexander fuhr nach München, um das Oktoberfest zu besuchen. "Er hat vorgeschlagen, ob wir uns dort nicht malpersönlich kennen lernen wollten." Sie war einverstanden. Man traf sich bei "Käfer" im Zelt. Und: Zack! Es blieb nicht bei der einen Wiesngaudi. Beide kamen sich des Öfteren näher. Die Bückeburger nahmen Nadja Anna erstmals im Jahr 2005 beim Weihnachtszauber an der Seite des Fürsten und im Jahr darauf bei der Landpartie wahr. Es sollte nicht allzu viel Wasser die Isar (und auch nicht die Weser) hinabfließen, bis über eine Verlobung des Paares spekuliert wurde. "Bild" meldete im August 2006 Vollzug, obwohl die Verlobungsfeier tatsächlich erst zwei Monate später stattfand. Die Einladungen beseitigten - in bajuwarischer Mundart gehalten - jeden Zweifel: "Nadja und Alexander datn se recht gfrein, mit ... zwengs Verlöbnis an zünftigen boarischen Abend zu vabringa, da wo was gessn und nachat a Musi gspuit wird." Was schätzt Nadja Anna an ihrem Alex besonders? Herzhaftes Lachen. "Dafür ist kein Platz auf diesem Band!" Dem wäre eigentlich nichts hinzuzufügen. Obschon ... "Das sind wirklich viele Dinge", kämpft die Befragte um fürs Sortieren nötige Bedenkzeit. Im Gespräch begegnen sich beide geistig "auf Augenhöhe". Für sie ist das ein wichtiger Punkt, denn: "Kommunikation ist für mich sehr sehr wichtig." Ein weiterer Punkt: "Ich mag an ihm die Flexibilität." Mit anderen Worten: Wer geistig rege ist, der ist auch beweglich, wenn Entscheidungen anstehen, welcher Art die auch immer sein mögen. Folgerichtig und ohne Nachfrage ergänzt Nadja Anna: "Unsere Beziehung hat deswegen Aussicht auf Erfolg, weil man sich miteinander entwickelt - und wächst." Klingt gut. Und führt unvermeidlich zur nächsten Frage. Familienplanung? "Gucken wir uns mal an, was in der Zukunft so kommt. Unmittelbar ist nichts geplant." Eine klare Antwort. Und dafür gibt es Gründe. Nachvollziehbare Gründe. Gute Gründe. "Wir sind jetzt seit etwas mehr als anderthalb Jahren zusammen. Ich möchte meinen Partner und die Paar-Zeit noch eine Weile genießen." Wer würde das nicht verstehen? Von der Berufsausbildung war bereits die Rede, vom Beruf noch nicht. In ihrem Fach gilt Nadja Anna als Spezialistin für "Markenrecht". Zunächst arbeitete sie in einer renommierten Düsseldorfer Großkanzlei, heute in einer ebenfalls aufs Beste beleumundeten Münchner Sozietät. Der Job erledigt sich nicht mit links, erfordert nicht nur Durchsetzungsvermögen, sondern auch ein hohes Maß an persönlichem Einsatz. Wie verschafft sie sich den unabdingbaren Ausgleich? "Ich fahre sehr gerne Fahrrad." Brettl-Sport ist ebenfalls ihr Ding, wie der künftige Ehegatte sichtlich stolz erwähnt: "Sie ist diplomierte Snowboard-Lehrerin." Die im Elternhaus vermittelte Naturverbundenheit hat sie auch anderweitig bis insJetzt hinübergerettet. "Gärtnern würde mir Spaß machen." Das klingt häuslich. "Tatsächlich: Ich koche auch gerne." Übrigens: Sie teilt dieses Hobby mit dem Gatten. Sie habe ein grundsätzliches Interesse an der Küche, erläutert sie, dass es dabei nicht allein ums Kochen an sich gehe, sondern auch um all die anderen Dinge rund um Kochen und Küche. Und sie betont die gesellschaftliche Funktion, die Küche, zumal guter Küche, eben auch zukommt: "Essen, Essen gehen, schöne Erlebnisse haben - da freue ich mich, dass wir das beide so gerne genießen." Nadja Anna bekennt unumwunden: "Ich bin ein Kochbuchsammler." Sie sieht in den Kochbüchern auch eine "netteErinnerung" an Begegnungen und Erlebnisse. Wie sieht's aus mit einer Frikadelle, mag sie die? "Auch ... sogar gerne!" Herzhaftes Lachen. Und ergänzt mit einem aufs beiderseitige Freizeitvergnügen gemünzten Augenzwinkern: "Bückeburg bekommt jetzt zwei wirklich ,rührende' Gastgeber." Das bisweilen bedrängende Interesse der Medien an ihrem Leben kannte Nadja Anna bislang nicht. Sie beschreibt den Interessenkonflikt, in welchem sie sich mittlerweile wiederfindet. Auf der einen Seite stehe ihr Beruf, für den ein seriöses Erscheinungsbild geradezu die Voraussetzung sei, auf der anderen die eine oder andere Schlagzeile, die mit dem Erstgenannten von Außenstehenden mitunter nicht leicht in Einklang gebracht werden könne. "Da bin ich sehr zurückhaltend", erläutert sie knapp mit eindeutiger Geste die Schlussfolgerung, die sie für sich gezogen hat. Themawechsel. Indes auf Bückeburg bezogen, kann Nadja Anna über ihre neue Rolle und über das, was manche von ihr erwarten mögen, ganz frei reden. "Ich freue mich auf den Herbst...", strahlt sie, "... auf mein erstes Bürgerschießen - jahaa." Auch wenn sie sagt, sie brächte hier vor Ort sich und ihre Fähigkeiten "sehr, sehr gerne" ein, so klingt das überzeugend. Hat sie übrigens schon getan, auch nach dem bereits erwähnten Internetprozess. Kaum jemanden dürfte entgangen sein, dass sich das Fürstenhaus in jüngerer Vergangenheit vermehrt darum bemüht hat, den Namen des Hauses einträglich zu vermarkten, umso die Herkulesaufgabe der niemals endenden Schlossrestaurierung schultern zu können. Keine Frage, wer da im Hintergrund nützliche Dienste geleistet hat. Und sonst? "Wir wollen ausbauen, was da ist", beschreibt sie ihre Aktivitäten für Landpartie und Weihnachtszauber. "Wir entwickeln gemeinsam auch neue Ideen." Zum Beispiel welche? "Ein Musikfestival, mehr möchte ich jetzt noch nicht verraten." Apropos Musik: Auch in Nadja Annas Leben spielt Musik - wie bei so vielen jüngeren Menschen - eine wichtige Rolle. Was hört sie gerne? "Cross-over", beschreibt sie mit dem neudeutschen Begriff, dass sie geschmacklich nicht festgelegt ist, aber vor allem dem Vermischen unterschiedlicher Musikstile etwas abgewinnt. Als Beispiele im Bereich der Popmusik nennt sie den mexikanischen Sänger Luis Miguel und das britische Duo Everything But The Girl, aber auch andere zeitgenössische Unterhaltungsmusik und klassische Musik drehen sich auf ihrem Plattenteller. Außerdem: "Ich gehe gerne in Konzerte." Das passt, denn ihr Gatte hat bekanntlich das gleiche Faible für live gespielte Musik. Gleiche Vorlieben zu pflegen, findet für das Paar aufgrund der räumlichen Distanz zwischen Bückeburg und München unter erschwerten, aber heutzutage für viele Paare längst nicht mehr ungewöhnlichen Bedingungen statt. Dieses momentane Los ist zudem frei gewählt und von beiden so gewollt. Und künftig? Eine offene Frage. Für Nadja Anna gibt es natürlich nur ein Zuhause, denn "das ist für mich eindeutig Bückeburg". Aber es gibt eben auch ihren Job in München, seinen Job in Bückeburg. Die Wochenenden sind für beide arbeitsfrei. Und zwischendurch gibt es Telefon. Wie hoch ist ihre private Telefonrechnung? Schallendes Lachen gibt zu erkennen, dass Nadja Anna den fast schon advokatischen Winkelzug des Fragenden durchschaut hat: "Uns beiden bleibt ganz sicher genügend Quality-Time!"



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