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Kirchenweihe vor 125 Jahren: Die Rodenberger St.-Johannesgemeinde feiert Jubiläum für das Gotteshaus

"Rothfuchs-Kirche": Renitente Pfarrer legen Grundstein

Rodenberg (bab). Vor 125 Jahren, am 4. Juli 1883, wurde die neugotische Backsteinkirche an der Langen Straße geweiht. Nun feiert die St.-Johannesgemeinde Jubiläum. Die heutige Rodenberger SELK, den Alteingesessenen auch als "Rothfuchs-Kirche" bekannt, hat ihre Anfänge im Jahr 1874. Acht Jahre später wurde der Grundstein für das Gotteshaus gelegt.

veröffentlicht am 07.06.2008 um 00:00 Uhr

Die St. Johannesgemeinde gehört zur "Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche" (SELK). In Rodenberg reicht ihre Tradition bis ins Jahr 1874 zurück. Die Gemeinde hat sich aufgrund von politischen und kirchenrechtlichen Veränderungen zusammengefunden. Nach dem Kirchenkampf zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt kam es zur Abwanderung von lutherischen Geistlichen. Von denen die geblieben waren, gründeten einige trotz Verbots kleine, selbstständige Kirchengemeinden, so auch in Rodenberg. Nach der Annexion Hessens (zu dem auch Rodenberg gehörte) verfügte Preußen eine Zwangsunion von lutherischen und reformierten Kirchen. Dagegen protestierten in den hessischen Ländern 60 lutherische Pfarrer, die daraufhin "amtsentsetzt" wurden, wie der heutige Pastor der Johannesgemeinde Walter Hein erklärt. Trotzdem haben diese Geistlichen protestantische Christen um sich geschart und die Abgrenzung zur reformierten Kirche weiter betrieben. Rodenbergs Schulrektor und ebenfalls des Amtes enthobener Pastor Grentzenbach gehörte damals zu den renitenten Lutheranern. Eine Gruppe Anhänger sammelte sich an der Langen Straße 60 (damals Steinweg 116). Da Grentzenbach erkrankte, beriefen sie Wilhelm Rothfuchs aus dem Sontra (Hessen) zum Pfarrer (ebenfalls ein des Amtes enthobener Geistlicher). Das Haus, in das Rothfuchs mit seiner Familie einzog, gilt der SELK-Gemeinde Rodenberg als Geburtsstätte ihrer Kirchengemeinde. Im Mai 1882 wurde der Grundstein für das Gotteshaus gelegt. Die Einweihung folgte ein Jahr später. Die Rodenberger Gemeinde gehörte zu der freien lutherischen Kirche in Niedersachsen, die sich später mit den lutherischen Gemeinden Hessen-Darmstadt zur "Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche in den hessischen Landen" zusammenschloss. DenÄlteren ist die Rodenberger Gemeinde auch als "Rothfuchs-Kirche" ein Begriff. Den Namen prägte der Umstand, dass Wilhelm Rothfuchs, dessen Sohn und dessen Enkel chronologisch Pastoren in der Deisterstadt waren. Wilhelm Rothfuchs starb bereits 1894. Im gleichen Jahr wird sein Sohn Georg berufen und eingeführt. 1933 tritt er in den Ruhestand. Danach übernahm Georgs Sohn Rudolf das Pfarramt er starb 1968 in Rodenberg. Es folgten Hinrich Brandt (1969 bis 1995) und Andreas Volkmar (1996 bis 2004). Hein ist somit erst der sechste Pastor der Gemeinde. Die erste Orgel wurde 1897 angeschafft. 1979 wurde die neue Orgel geweiht. 1903 und 1904 folgte der Bau von Gemeindehaus und Pfarrhaus (heute Lange Straße 84). Die Weihe der ersten Glocken war im Jahr 1919. 1973 erweiterte die Gemeinde ihre Kirche. Der Altarraum wurde unter Leitug von Architekt Werner Brenneisen aus Hannover vergrößert und neu gestaltet. 1972 erhielt die SELK ihre heutige Organisationsform mit dem Zusammenschluss der freien lutherischen Kirchen zur vereinigten SELK. Ihr gehören in Deutschland rund 36 000 Mitglieder in 200 Gemeinden an.



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