weather-image
12°
Bürgermeister, Landrat und Landtagsabgeordnete lehnen Abbaupläne der Steinbruch-Betreiber ab

Rote Karte für NNG: "Kein Gefummel am Berg"

Steinbergen/Landkreis (wer).

veröffentlicht am 28.03.2007 um 00:00 Uhr

Beim Thema Messingsberg sind sich die Bürgermeister aus Rinteln, Auetal und Eilsen einig: "Den Status quo nicht verändern", "Keinen Eingriff vornehmen" und "Den Berg in Ruhe lassen" heißt die Marschroute. Das Vorhaben der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG), den Kamm fast komplett abzutragen, findet in den Rathäusern der Nachbargemeinden ein ablehnendes Echo. Auch bei der Kreisverwaltung findet das Projekt keine Zustimmung. Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier hatte bereits die früheren, weniger radikalen Pläne zum Teilabbau des Kamms negativ bewertet - gestern erneuerte er die Position: "Nach unseren derzeitigen Erkenntnissen lehnen wir den Abtrag des Kamms ab. Daran hat sich nichts geändert." Der Landkreis wird am Abbauverfahren beteiligt, denn mit der Beseitigung des Kamms würden auch Flächen des Landschaftsschutzgebietes am Südhang weggebaggert. Zumindest nach Rechtsauffassung der Kreisverwaltung wäre eine Entscheidung des Landkreises über das Landschaftsschutzgebiet auch für das Gewerbeaufsichtsamt bindend, das als federführende Genehmigungsbehörde über denAbbauantrag entscheidet. Zur Stellungnahme aufgefordert würden vom Landkreis auch die Messingsberg-Nachbargemeinden Rinteln, Auetal und Eilsen. Die Position der Stadt Rinteln hat Verwaltungsvize Jörg Schröder bereits am vorigen Mittwoch beim Präsentationstermin der NNG wiederholt: "Wir sind gegen die Sanierung des Berges durch Beseitigung." Die Stadthatte ihr striktes Nein zur "Sanierung" sowie die Forderung nach einem Stopp auch des genehmigten Abbaus bereits 2005 in einer Resolution des Rates formuliert. Über eine solche Resolution denkt auch Auetals Bürgermeister Thomas Priemer nach. "Ich kann nicht mittragen, dass der Kamm und damit ein Stück Heimat ganz oder teilweise beseitigt wird." Das Gelände sollte eher abgezäunt werden. Priemer dürfte für seine Position im Gemeinderat breite Unterstützung finden: SPD, WGA und Grüne hatten sich im Wahlkampf eindeutig für den Erhalt des Kamms ausgesprochen. Eilsens Bürgermeister Bernd Schönemann bezeichnet die NNG-Pläne als "Rieseneingriff" in die Natur, der ihn "sehr, sehr nachdenklich" stimme. Auch er plädiert dafür, den Messingsberg "unberührt" zu lassen. Das Thema soll auf die Tagesordnung des Samtgemeinderates, eine Resolution wie in Rinteln hält Schönemann für möglich. Allerdings waren zumindest die früheren Abbaupläne der NNG im Wahlkampf von einzelnen CDU-Gemeindeverbänden verhalten positiv beurteilt worden, konsequente Ablehnung kam nur aus den Reihen der SPD. Steinbergens Ortsbürgermeister und Landtagsabgeordneter Heiner Bartling (SPD) äußert sich unmissverständlich: "Kein Gefummel am Berg." Bartling will sich auf Landesebene dafür einsetzen, dass die Kommunen im Genehmigungsverfahren Gehör finden - ein keineswegs selbstverständlicher Punkt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Joachim Runkel favorisiert eine andere Lösung, die zwischen dem Totalabbau und der Natur-Variante steht: Man müsse darüber nachdenken, ob das Gestein zwar abgetragen, aber wieder in sicherer Form auf den Kamm aufgebracht werde, um die Höhenlinie des Berges möglichst zu halten. Von einer wirtschaftlichen Verwertung soll die NNG absehen: "Die Firma muss die Kosten für die Sanierung tragen, sie hat den Schaden verursacht." Auch die Rintelner Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold (Grüne) will den Steinbruch-Betreibern nicht gestatten, aus dem selbst verursachten Schaden zu profitieren, den geschundenen Berg aber lieber der Natur überlassen: "Ein Pfusch an der Natur kann nicht durch einen anderen behoben werden."

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare