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Probleme mit den Raubtieren nehmen in Städten zu / Erfried Seehafer hat mit Vergrämung Erfolg

Rote Karte für Marder - die Angstduftnote

Weserbergland. Solange der Marder sich an seine bevorzugte Nahrung hält, ist für die Menschen in seiner Nähe meist alles okay. Das flinke Raubtier verspeist Wildkaninchen, Vögel, Frösche und Insekten. Gelegentlich dringt der Allesfresser auch in Hühnerställe oder Taubenschläge ein - ein Ärgernis für die Eigentümer. Gefürchtet aber ist der Marder bei denMenschen vor allem wegen seiner Vorliebe für Autokabel, die er durchbeißt, und für Dämmstoffe in Häusern, wo er sich in Dachböden eingenistet hat. Die Schäden, die er anrichtet, sind gewaltig.

veröffentlicht am 12.02.2007 um 00:00 Uhr

Sie durchbeißen Kabel, nisten sich in Dämmstoffen von Dachböden

Autor:

Karin Rohr

Und kostspielig. Zerfressene Isolierwolle, von Urin und Kot durchweichte Decken haben oft mehrere tausend Euro teure Sanierungsarbeiten zur Folge - die zumeist nicht versichert sind. Undüberdies nicht gewährleisten, dass die Niststätte im nächsten Jahr nicht erneut bezogen werden könnte. Probleme mit Mardern in Wohngebieten nehmen zu. Folge einer Steinmarderpopulation, die Anfang der 50er Jahre noch vom Aussterben bedroht war, inzwischen aber bundesweit aufüber 250 000 Tiere geschätzt wird. Einer, der den Mardern den Kampf angesagt hat, ist Erfried Seehafer aus Hachmühlen, gelegen an der Bundesstraße 217 zwischen Hameln und Springe. Seehafer erledigt das auf friedliche Art. "Ich habe viel für Tiere übrig", sagt der 63-Jährige. So kommt Tötung für ihn denn auch nicht in Frage. Er setzt auf "Vergrämung" , um den unliebsamen Räuber loszuwerden. Auf die Idee gebracht hat ihn Dr. Egon Müller aus Burgwedel, der früher als Schadensdirektor bei der VGH tätig war. Der passionierte Jäger hat sich jahrelang mit dem Verhalten von Mardern befasst, deren Kommunikationssystem untersucht, mit Experimenten im Hinblick auf Duftnoten seine Erfahrungen gesammelt und erkannt: Spezielle Gerüche schlagen Marder in die Flucht. Neugierig geworden, begleitete Seehafer den Marder-Experten Müller ein Jahr lang, assistierte ihm bei seinen Versuchen und bestätigt: "Es funktioniert". Zunutze machten sich die beiden für die Vergrämung der Räuber die Tatsache, dass Marder Einzelgänger sind, als territoriale Tiere ihr Revier mit dem Sekret von Duftdrüsen markieren und so Informationen an ihre Artgenossen weitergeben. Zur Vertreibung der Tiere setzten Müller und Seehafer eine Warnduftnote ein, die bei Mardern alle Alarmglocken schrillen lässt. Zuvor aber wird das betreffende Grundstück und Haus inspiziert. "Erst muss man schauen, ob es sich bei dem Tier, das die Schäden angerichtet hat, tatsächlich um einen Marder handelt", erklärt Seehafer. "Danach gilt es zu erkunden, wie und wo er ins Haus kommt." Ist das Einstiegsloch entdeckt, sind Mardergeschlecht und Alter bestimmtund der Aufenthaltsort lokalisiert, wird die Vergrämungs-Taktik gewählt. Seehafer: "Dann kommen speziell präparierte Duftnoten von anderen Mardern zum Einsatz." Dabei wird unter anderem die Angstduftnote gefangener Tiere eingesetzt, die diese unter Stress produziert haben, kommt in hartnäckigen Fällen aber auch schon mal ein toter Marder zum Einsatz, dessen bestialischer Gestank Fluchtinstinkte auslöst. "Der Todesduft ist die rote Karte für fast alle Marder", hat Dr. Müller beobachtet. Für Nachschub sorgen überfahrene Tiere, die von den Straßenmeistereien eingesammelt werden. Müller friert sie in der Tiefkühltruhe ein und taut sie bei Bedarf auf. Eine etwas makaber anmutende Methode der Mardervergrämung, die aber absolut wirkungsvoll sein soll. "Selbst töten wir keine Tiere", sagt Seehafer. Rückendeckung für diese Art der Vergrämung erhalten die beiden Marder-Experten vom Hamelner Nabu-Vorsitzenden Friedel Rädecker: "Von Seiten des Naturschutzbundes haben wir keine Bedenken, weil es eine Vergrämung und keine Bejagung ist", sagt Rädecker, der Verständnis für die Sorgen von Hausbesitzern aufbringt. "Marder hinterlassen extreme Schäden." Hinzu komme die psychische Belastung der Bewohner durch nächtlichen Dauer-Lärm. Informationen zur Marder-Vergrämung bei Erfried Seehafer, (0178) 9 38 97 19

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