weather-image
16°
×

Eindrucksvolles Gastspiel der Göttinger Symphoniker in der Nikolaikirche

Romantik im forcierten Tempo - und am Flügel ein ganz junger Held

Rinteln. In einer wohlgefüllten, aber keineswegs ausverkauften Nikolaikirche gab das Göttinger Symphonie-Orchester in unmittelbarer Nachbarschaft zum Trubel des Rintelner Weinfestes ein herbstliches Konzert unter dem Dirigat von Wolfgang Westphal.

veröffentlicht am 07.10.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Der Kreiskantor hatte dafür zwei Orchesterwerke von Franz Schubert und Robert Schumann ausgewählt, die in ihrer Person und ihrem musikalischen Schaffen den Beginn und die Entwicklung zur vollendeten Romantik präsentieren und beide auch durch ihre Liedkompositionen so populär wurden. Gerade durch das Klavierkonzert für Klavier und Orchester in a moll (op. 54) fühlte sich der junge Westphal seinerzeit zur vertieften Ausein andersetzung mit der Musik herausgefordert, ohne dass er es je dirigiert hätte. Diesem Umstand half er mit der jetzigen Aufführung ab - und wo Schumann beim solistischen Part auf die Popularität seiner als Pianistin gefeierten Frau Klara setzte, hatte sich der Kreiskantor mit dem erst 19-jährigen Koo Jyeon Park der Mitwirkung eines aufwärtsstrebenden Talents versichert, das sich zumindest in der Fachwelt schon einenNamen erspielt hat. Und das mit Fug und Recht, wie der anschlagsichere und dabei im Spiel so empfindungsstarke Koreaner im Wechselspiel und im Miteinander mit dem gut aufgelegten Klangkörper demonstrierte. Mag manchen vielleicht irritiert haben, dass der Dirigent so intensiv Tempo machte - dem schwungvollen Spiel seines Solisten kam das jedenfalls entgegen und machte deutlich, dass Schubert seinerzeit durchaus den Status eines Popstars hatte. Einsichtig herausgearbeitet wurde in dieser Aufführung der Umstand, dass im dritten Satz die Themen des ersten Satzes zur musikalischen Wiedervorlage kommen, dann aber mit sehr viel mehr Wucht intoniert werden. Der zweite Akt indessen ist Romantik pur, ergießt sich im Andantino grazio als anrührendes Liebesgeplänkel zwischen dem Komponist und seiner Frau, die er wohl auch deshalb für die damalige Uraufführung verpflichtet hatte. Souverän nahm Koo Jyeon Park den wohlverdienten Applaus für die wahrhafte Meisterung seines schwierigen Parts entgegen. Im Verwirrspiel um die schwankende Zählweise bei Schuberts Symphonien haben sich die Göttinger auf den Begriff der 9. Symphonie verständigt, die mit der Bezeichnung als "Die Große" ohnehin eindeutig definiert ist. In mitunter tosender Intensität holt Westphal die Aspekte von Natur-Romantik pointiert aus dem Orchester hervor, die in diesem Werk von Franz Schubert miteinander verwoben sind und vor allem im Blech und bei den Pauken so dramatisch anklingen. Und wenn dann der Komponist auch noch im letzten Satz das Beethoven-Motiv "Freude schöner Götterfunke" einfließen lässt, gestaltet das Orchester daraus ein wahrhaft triumphales Feuerwerk der Melodien. Einzig das Ende geriet dabei etwas überraschend - sodass es schon einige Sekunden dauerte, bis dass lebhafter Beifall die überaus positive Resonanz dieses Konzerts beim Publikum belegte.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Anzeige