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Vor Gericht: Wohnung verwüstet, Hausherr verprügelt / Dauerarrest für einen Angeklagten, Freispruch für den anderen

Rollkommando macht Rabatz in der "Drogenhöhle"

Bückeburg (ly). Ein Abend im Februar. In einer Bückeburger Wohnung hat es sich eine Gruppe junger Leute gemütlich gemacht. Plötzlich wird die Tür eingetreten, Sekunden später ist die Bude voll. Nach wenigen Minuten hat der Spuk ein Ende. Die Wohnung gleicht einem Trümmerfeld, Teile des Mobiliars sind zu Bruch gegangen. Der Hausherr liegt verprügelt auf dem Sofa. Verschwunden sind unter anderem ein Computer und mehrere Handys.

veröffentlicht am 23.06.2008 um 00:00 Uhr

Was ist passiert? Man weiß es nicht genau. In einem Prozess vor dem Bückeburger Jugendschöffengericht hatte der Wohnungsinhaber jetzt erstaunliche Gedächtnislücken, obwohl er zuvor bei der Polizei zumindest einen Eindringling einwandfrei identifizieren konnte, einen früheren Sportskameraden. Zur Aufklärung trug der 20-Jährige damit nicht weiter bei. Zeugenaussagen über die Zahl der ungebetenen Gäste schwanken zwischen mindestens zehn und bis zu 30. Das Motiv blieb vor Gericht im Dunkeln. "Hintergrund ist möglicherweise eine Drogengeschichte", so Richter Dr. Dirk von Behren. "Aber das ist nur eine Vermutung." Von Behren zufolge ist der Hausherr "amtsbekannt". Der 20-Jährige selbst räumt ein, mit Rauschgift zu tun gehabt zu haben. Wie auch immer: Im Prozess war die Rede von einem "Rollkommando". Darunter versteht man laut Internet-Lexikon Wikipedia "im weiteren Sinn eine gedungene Schlägertruppe". Kennzeichnendes Merkmal sei, dass der Zugriff schnell oder sogar überfallartig sowie gewalttätig erfolge. Das passt wie die Faust aufs Auge. Zu einer Woche Dauerarrest hat das Gericht jetzt einen der Eindringlinge verurteilt. Der Schuldspruch gegen den 22-Jährigen aus Hille (Kreis Minden-Lübbecke) lautet auf versuchte Körperverletzung und Hausfriedensbruch. Die Richter halten es für erwiesen, dass der Arbeitslose den Wohnungsinhaber versucht hat zu schlagen, nachdem das benommene Opfer bereits eine Flasche oder eine Wasserpfeife auf den Kopf bekommen hatte und auf dem Sofa lag. Von Behren erkannte darin "erhebliche kriminelle Energie". Freigesprochen wurde ein zweiter Angeklagter. Dem 26 Jahre alten Studenten aus Löhne konnte nicht nachgewiesen werden, dass er an jenem 1. Februar 2007 dabei war. Dafür fiel vor Gericht der Name eines mutmaßlichen Haupttäters, dessen Aufenthaltsort jedoch unbekannt ist. Alsüberliefert gilt, dass die in Schwarzlicht gehüllte Wohnung aussah wie eine "Drogenhöhle", so Richter von Behren. Einer der (friedlichen) Besucher will mit dem Hausherrn seit jenem Abend übrigens nichts mehr zu tun haben. Begründung: "Mir war das zu krass."

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