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Rintelns Spieletreff-Organisatorin Sabine Semmler hat sich auf der Spielmesse in Essen umgeschaut

Rollenspiele mit Orkzähnen und Elbenohren

Rinteln (cok). Wer so brettspielbegeistert ist wie Sabine Semmler, die in Rinteln den "Spieletreff" im Bürgerhaus organisiert und nächtelang im Internet den neuesten Spiel erfindungen auf der Spur ist, der musste natürlich die weltgrößte Spielemesse besuchen, die in Essen stattfand. Zusammen mit Sohn und Mann erlebte sie zwei spannende Spiel-Tage.

veröffentlicht am 09.11.2007 um 00:00 Uhr

Selbst auf den Fluren probierten die Messe-Besucher die neuesten

"Ja - wir sparen das ganze Jahrüber für den Messebesuch", sagt sie. "Wir wollen ja möglichst viele neue Spiele kaufen." Vier Mal bereits war sie Gast auf der Messe und jedes Mal kam sie vollkommen begeistert und mit einem Stapel allerschönster Brettspiele zurück. Dass manche ihrer Freunde denken, sie sei ein wenig verrückt, das macht ihr gar nichts aus. "Ich spiele so gerne, na und? Jeder hat eben so seine Meise!" Als sie mit ihrer Familie am frühen Samstagvormittag in Essen ankam, waren die großen Messehallen bereits von unendlichen vielen Spielverrückten erobert, die längst alle von den einzelnen Verlagen aufgestellten Spieltische besetzt hielten und selbst die Fußböden und die Flure okkupierten, wo sie in kleinen Gruppen zusammenhockten und die angebotenen Spiele ausprobierten. Das beunruhigte sie aber nicht, hatte sie doch schon für sich und den 13-jährigen Sohn Tristan eine Spielzeit für das Mittelalter-Rollenspiel "Midgard" reserviert. Auf der Spielemesse ist esüblich, dass so genannte "Scouts" den Besuchern dabei helfen, die oft sehr komplizierten Regeln der neuen Spiele möglichst schnell zu verstehen. Das ist nämlich gar nicht einfach. Gerade die Rollenspiele stehen in größter Konkurrenz zu den entsprechenden Pendants, die am Computer gespielt werden. Um so prächtiger sind die Brettspiele gestaltet, mit ausgefeilten Graphiken, ansprechendem, sinnlichen Spielzubehör und einem Regelwerk, das, einmal durchschaut, ein tiefes Eintauchen in die jeweiligen Spielwelten ermöglicht. Viele Besucher kommen in Gruppen und besetzen dann skrupellos die Spieltische, holen sich ein Spiel nach dem anderen, während ihre Mitspieler dafür sorgen, dass sich niemand Neues zu ihnen setzt. Ein kleines Kind trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Nein, dieser Tisch wird auch nach dem nächsten Spiel nicht frei!" So ein Egoismus war manchmal richtig ärgerlich, und erst am ruhigeren Sonntag konnten auch Mutterund Sohn mal einen Spieltisch ergattern und mit ganz unbekannten Leuten auf Spiel-Entdeckungsreise gehen. Ab und zu telefonierte sie per Handy mit ihrem Sohn, der den ganzen Tag seine eigenen Wege ging, und mit ihrem Mann, der sich als Fotograf betätigte und sich ansonsten lieber bei der parallel verlaufenden "Comic-Action" aufhielt, wo man Comic-Autoren direkt beim Zeichnen zusehen konnte. Nicht nur Brettspiele nämlich präsentiert die Spielemesse, sondern zum Beispiel auch tausenderlei Zubehör für alle, die dem Life-Aktion-Rollenspiel (LARP) verfallen sind: Helme, Waffen, Rüstungen, mittelalterliche Kostüme, Orkzähne und Elbenohren - man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus über all die phantastisch verkleideten Gestalten, die sich so selbstverständlich zwischen den übrigen Besuchern bewegen. Nach zwei erschöpfend-glücklich machenden Tagen hat Sabine Semmler nun nicht nur das "Midgard"-Spiel im Gepäck, von dessen Tiefschichtigkeit sie wirklich begeistert ist (es geht darum, sich in einer mittelalterlichen Welt zu bewähren und bei unterschiedlichen Abenteuern in einzelnen Städten seinen Charakter zu einem Helden zu entwickeln), sondern sie entdeckte auch ein für sie ganz neues Spiel mit Namen "Agricola". Auf einem verblüffend einfachen Spielfeld soll man eine kleine Landwirtschaft zum Blühen bringen. Die Treffen für Spieler in Rinteln finden immer im Bürgerhaus am Marktplatz statt, jeden ersten Sonntag im Monat von 15 bis 18 Uhr, und jeden 3. Freitag von 19 bis 20 Uhr. Nur diesmal wurde der Sonntagtermin auf den 12. November verschoben.



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