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Kein neues Vorranggebiet ausgewiesen - aber Land sichert Lagerstätten in Weserbergen langfristig ab

Rohstoffgebiete sollen "frei gehalten werden"

Landkreis (wer). Die Landesregierung plant derzeit kein neues Rohstoff-Abbaugebiet im Weserbergland. Im Entwurf zur Novellierung des Landesraumordnungs-Programms (LROP) werden lediglich die existierenden Vorrangflächen für Kies- und Gesteinsabbau fortgeschrieben. Allerdings soll ein vielsagender Passus aufgenommen werden: "Abbauwürdige Lagerstätten sollen planungsrechtlich von entgegenstehenden Nutzungen frei gehalten werden." Damit sichert sich das Land den Zugriff auf noch nicht in das LROP aufgenommene Lagerstätten in den Weserbergen.

veröffentlicht am 24.02.2007 um 00:00 Uhr

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Zeitgerecht zur LROP-Novellierung hat auch das 2004 etablierte "Rohstoff-Forum Niedersachsen" seinen Abschlussbericht vorgelegt und ein Bekenntnis zur langfristigen Rohstoff-Vorhaltepolitik abgegeben. Im Fazit des Berichts (von Januar 2007) heißt es: "Eine wesentliche Schlussfolgerung aus der Arbeit des Rohstoff-Forums muss sein, dass auf einen Rohstoffabbau aus Vorkommen innerhalb der Landesgrenzen nicht verzichtet werden kann." Das Rohstoff-Forum, an dem unter anderem Landesministerien und -behörden, die Landtagsfraktionen, die Landkreise Schaumburg und Hameln-Pyrmont, Vertreter der Abbauindustrie sowie Naturschutzverbände und die Aktionsgemeinschaft Weserbergland beteiligt waren, plädiert im Abschlussbericht für eine Gewinnung von Rohstoffen "möglichst nahe am Verbrauchsort". Nach dieser Lesart dürfte, wie es das Landesamt für Bodenforschung fordert, das südniedersächsische Bergland seine "Versorgungsfunktion" für die übrigen Landesteile beibehalten. Die Argumente der Abbaugegner finden sich dagegen nur zum Teil wieder. Negative Auswirkungen auf Tourismus und Landschaftserleben werden nicht konstatiert: "Ein Zusammenhang zwischen Rohstoffabbau und einer vermeintlich negativen, durch die Rohstoffgewinnung verursachten Entwicklung des Tourismus ist nicht erkennbar oder gar belegbar." Vielmehr könnten bei entsprechender Bereitschaft vor Ort gerade durch Kies- oder Gesteinsabbau neue Tourismus-Potenziale erschlossen werden, bilanziert der Bericht und verweist unter anderem auf mögliche "Klettergärten in stillgelegten Steinbrüchen". Mit Blick auf den Naturschutz abgelehnt würden Kammdurchbrüche, die auch die Südflanken der Berge zerstören. Hier scheint die Grenze des Zumutbaren erreicht. Und es lässt sich aus Sicht der Naturschützer der Satz nachlesen: "Der Erhalt vorhandener Biotope hat eindeutig Vorrang vor dem Versuch einer Neuanlage von Biotopen nach Abbauende." Verstanden werden soll der Abschlussbericht als "objektivierte Sachstandsdarstellung", die "verbesserte Grundlagen für zukünftige rohstoffpolitische Entscheidungen" bietet. Aktuell stehen diese Entscheidungen im Verfahren zur Novellierung des LROP an. Und so findet sich im Entwurf des neuen LROP denn auch eine Ergänzung, die auf eine langfristige Sicherung von Rohstoff-Standorten zielt. Neu aufgenommen werden soll die Aussage: "Die Möglichkeit zur Gewinnung von gebrochenem Naturstein für den Verkehrswege-, Beton- und Wasserbau ist unter Berücksichtigung von Substitutionsmöglichkeiten langfristig sicherzustellen." Zwar soll damit auch der Einsatz von Ersatzstoffen berücksichtigt werden, aber die noch nicht ausgebeuteten Lagerstätten bleiben auf lange Sicht mögliche Abbaugebiete, die nicht durch konkurrierende Ausweisungen blockiert werden dürfen. Für das Weserbergland bedeutet das: Nicht nur das vor Jahren umkämpfte Dachtelfeld am Hohenstein, sondern auch die Nordhänge fast aller übrigen Weserberge bleiben potenzielle Steinbrüche. Schon bei der Nachmeldung der FFH-Habitate auf dem Kamm der Weserberge hat das Land darauf geachtet, dass die Lagerstätten nicht unter Schutz gestellt werden. Was die Gegner des Gesteinsabbaus dennoch als Erfolg verbuchen: Immerhin konnten im Rohstoff-Forum Vorstöße zur sofortigen Ausweisung neuer Vorranggebiete abgewehrt werden. Dem Vernehmen nach soll bei der Hartstein-Lobby nach wie vor das Dachtelfeld hoch im Kurs stehen. Das Forum, so heißt es im Bericht, habe den Rohstoff-Konflikt im Weserbergland nicht umfassend schlichten können. Wohl in realistischer Voraussicht wurde der letzte Satz formuliert: "Es ist daher damit zu rechnen, dass auch zukünftige Entscheidungen über die raumordnerische Sicherung von Lagerstätten ebenso wie Verfahren zur Genehmigung von einzelnen Abbauvorhaben örtlich auf Ablehnung treffen können."

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