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Helfer bergen Ziegel vomältesten Wohnhaus in Messenkamp für künftige Restaurierungen

Röver: "Alte Pfannen halten noch 100 Jahre"

Messenkamp (nah). Ein Dutzend Männer und eine Frau kommen tüchtig ins Schwitzen. Tausende von Dachziegeln wandern durch ihre Hände. Sorgfältig werden die alten Pfannen auf Anhängern gestapelt. Die Schaumburger Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB) hat sie vor dem Bauschuttcontainer bewahrt. Nun werden die alten Steine aufanderen Dächern neu verwendet.

veröffentlicht am 19.10.2007 um 00:00 Uhr

Zu schade für den Schuttcontainer: Sorgfältig wird das Dach des

Sorgfältig streicht IGB-Vorsitzender Manfred Röver über die in unterschiedlichen Rot- und Brauntönen variierenden Ziegel. Sie sind einst in Handarbeit geformt worden, bevor sie auf Messenkamps ältestem Wohnhaus ihren Platz fanden. Röver ist sich fast sicher, dass einige Steine sogar schon fast 200Jahre den "Söftje-Hof" schützen. Das Anwesen, von dem übrigens ein Modell im Historischen Museum in Hannover steht, stammt nämlich von 1810. Weil er mindestens fünf verschiedene Formen entdeckt hat, schließt der Experte auf verschiedene Reparaturen im Laufe der Zeit. Dass der heutige Eigentümer Karl Minne Braaksma sich zu einem neuen Dach entschließen musste, liegt an der fortgeschrittenen Verformung des Dachtstuhls. Die Konstruktion hat sich aufgrund von Bausünden früherer Eigentümer sowie durch die Witterung allmählich geneigt. Nach jedem Sturm musste die Eindeckung bereits kontrolliert werden, um Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen. Röver wäre es lieber gewesen, wenn die alten Ziegel auf einer neuen Unterkonstruktion wieder Platz gefunden hätten. Doch das wäre viel zu teuer gewesen So trommelte die IGB Helfer zusammen, die in ihrer Freizeit die alten Steine sorgfältig abnahmen und abtransportierten. Sie finden Verwendung an zwei derzeit zu sanierenden Fachwerkgebäuden in Lauenau und Feggendorf: "Der Rest wird in Soldorf zwischengelagert", verrät Röver. Denn die IGB sieht sich auch als Tauschbörse für Bauherren an, die ihr Anwesen denkmalgerecht ausbauen wollen. So besteht nicht nur Interesse an alten Dachpfannen, sondern auch an Eichenbalken, Backsteinen oder Lehmziegeln. Die IGB-Helfer warenübrigens zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit auf Messenkämper Dächern. Erst vor einigen Wochen wurden die Ziegel einer Scheune vom Hof Bornemann geborgen, die jetzt als "Schaumburger Mütze" in Soldorf für die Zukunft Schutz bieten. Und auch bei den Pfannen des "Söftje-Hofes" ist Röver zuversichtlich, dass sie "nach den ersten 100 Jahren jetzt noch weitere 100 Jahre halten werden". Für Röver ist die nochmalige Verwendung nicht zuletzt ein ökologischer Gesichtspunkt: "Die Energie für neue Ziegel wird gespart." Noch wichtiger aber ist ihm, dass mit den alten Pfannen ein typisches Ortsbild erhalten werden kann. Als ein gelungenes Beispiel sieht er dafür die Dachlandschaft des Apelerner Ortsteils Lyhren an: "Dörfer wie diese haben doch eine besondere Ausstrahlung."

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