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Von Krise will noch niemand reden / Verkaufszahlen stagnieren, dafür laufen die Werkstätten

Rintelns Autohändler hoffen auf das Frühjahr

Rinteln (wm). Kein Tag ohne Alarmmeldungen aus der Autoindustrie - und die haben einen Grund: Es werden zu wenig Neuwagen gekauft. Eine Umfrage unter heimischen Händlern hat gestern ergeben: Auch hier gibt es, wie bei jeder Krise, Gewinner und Verlierer.

veröffentlicht am 18.11.2008 um 00:00 Uhr

"Verkauft" - eine solche Auszeichnung unter einem Preisschild ge

Ulrich Wollmann, Chef des gleichnamigen Kia-Autohauses mit Werkstatt und Tankstelle am Seetor, merkt die Kaufzurückhaltung vor allem beim Internetgeschäft: Noch im Sommer habe das Telefon mindestens zwanzig Mal am Tag geklingelt, kaum habe er ein preisgünstiges Auto ins Netz gestellt. Heute würden Tage vergehen, ohne dass sich jemand melde. Was Wollmann beruhigt: Kia habe mit dem Picanto einen attraktiven Kleinwagen in der Modellpalette - passend zum derzeitigen Trend zu sparsamen, kleinen Autos. Und noch etwas Positives kann Wollmann der Krise abgewinnen: Weil die Leute ihre Wagen länger fahren, ist die Werkstatt voll ausgebucht: "Wir haben zurzeit Wartezeiten von einer Woche." Jürgen Ladage, Inhaber des Renault-Autohauses, der jüngst auch den Opel-Verkauf und Service übernommen hat, nachdem das Autohaus Weserland im Industriegebiet Süd geschlossen hat, war noch im Mai optimistisch: "Es ging deutlich nach oben." Inzwischen, befürchtet Ladage, könnten gerade Negativschlagzeilen eine Spirale abwärts auslösen. Auch Ladage kann bestätigen, was bundesweit gilt: Neuwagenkäufer steigen auf kleinere Modelle um. Für ihn ein Überraschungserfolg sind die Modelle der rumänischen Renault-Tochter Dacia für unter 8000 Euro. Ladage: "Spartanische Autos ohne großen Komfort, aber mit solider Technik für Leute, die einfach nur von A nach B wollen." Klaus Buddensiek vom Seat-Autohaus in der Konrad-Adenauer Straße will dagegen nicht klagen - noch nicht: Das Geschäft laufe bisher ganz gut. Was Buddensiek unter anderem darauf zurückführt, dass auch Seat "die richtigen Marken im Angebot hat" - kleine Modelle wie beispielsweise den Seat Ibiza, "und in diese Richtung wird es tendenziell wohl gehen". Wobei viele Händler noch immer hoffen, dass die derzeitige Kaufzurückhaltung auch ihren Grund in der Jahreszeit hat: Im Frühjahr, wenn neue Modelle kommen, werde das Geschäft schon wieder anlaufen. Torsten Hanking vom Autohaus Dohmann, das zurzeit im Industriegebiet Süd ein paar hundert Meter weiter in die ehemalige Opel-Immobilie umzieht - einschließlich Werkstatt und Ausstellungsräume - will noch nicht vom "Down-Sizing" beim Autokauf reden. So heißt unter Autohändlern das Phänomen, dass Kunden auf kleinere Autos umsteigen. Die Kunden, die er betreue, seien noch markentreu: "Wer einen A 4 gefahren hat, kauft sich wieder einen A 4." Einen Trend hat Hanking allerdings auch ausgemacht: Fahrzeuge zwischen 2000 und 3000 Euro seien aufgrund der neuen Garantiebestimmung bei seriösen Autohändlern praktisch nicht mehr zu bekommen. Vor allem ein Problem für Fahranfänger, so Hanking, die einen billigen Wagen suchen. Seinen Grund hat das in den geänderten, verschärften Garantiebestimmungen - Hanking: "Kein Händler legt für einen 2000-Euro-Wagen die Hand ins Feuer." Ford-Händler Hans-Otto Südmersen spürt zwar bei Privatkunden schon seit Herbst letzten Jahres eine deutliche Zurückhaltung, dafür seien die Umsätze mit Firmenkunden gestiegen: Firmen hätten einen gewissen Rhythmus bei der Erneuerung ihrer Fuhrparks und der werde noch eingehalten: "Das gilt sowohl für den Kauf von Fahrzeugen als auch beim Leasing." Dass Theo und Sonngard Vocht in Steinbergen Ende des Jahres aufhören wollen, hat nichts mit der aktuellen Autokrise zu tun. Beide sind mit 66 und 67 Jahren längst im Rentenalter. Seit 40 Jahren gibt es die Werkstatt mit Autohandel an Bundesstraße, zuerst mit Nissan, dann mit Daihatsu. Deshalb würden es die Vochts bedauern, das Unternehmen schließen zu müssen - doch ein Nachfolger sei bisher leider noch nicht gefunden worden, bedauerte Sonngard Vocht. Die passenden Autos für die Zukunft zumindest habe man im Angebot: Daihatsu ist bekannt für pfiffige Kleinwagen. Gerade in Steinbergen gibt es inzwischen an jeder Straßenecke einen sogenannten Hinterhofhändler mit Billigangeboten. Als Konkurrenz empfinden die anderen Autohändler diesen Markt nicht unbedingt. Sonngard Vocht: "Die meisten der dort gehandelnden Wagen gehen in den Osten."



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