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Universitätswoche mit spannenden Themen / Frauen haben bessere Abiturnoten

Rintelner will Benzin aus Sand entwickeln

Rinteln (cok). Wie unterschiedlich so ein Sommeruniversitätstag für die einzelnen Teilnehmer aussehen kann, war schön zu sehen bei zwei der insgesamt sechs parallelen Veranstaltungen am Sonntagnachmittag, die beide in Räumen der Volkshochschule an der Klosterstraße stattfanden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:18 Uhr

Interessiert lauschen Teilnehmer der Sommeruni den Ausführungen

Während Physiker Bernhard Hidding in der VHS vor einer kleineren Gruppe überwiegend männlicher Studenten eine streng wissenschaftliche Vorlesung über moderne Teilchenschleuniger und die Entwicklung neuer Raketentreibstoffe hielt, hatten sich im Foyer etwa junge 40 Frauen (und ein paar Männer) versammelt, um einen ausgesprochen unterhaltsamen, oft durch Lacher aus dem Publikum unterbrochenen Vortrag des Soziologen Manfred Lauermann zu hören, in dem es um "Das Geschlecht als Platzanweiser im Berufsleben" ging. Der aus Rinteln stammende Bernhard Hidding, der als Doktorand an der Düsseldorfer Uni über die Einsatzmöglichkeiten von Silanverbindungen als revolutionärem Treibstoff für Raketen arbeitet (Benzin aus Sand), konnte seinen Zuhörern eindrucksvoll vermitteln, was für hohe Grundansprüche die Universität an ihre zukünftigen Physiker stellt. So manche Teilnehmer, das sah man an ihrer Art des Zuhörens, kamen nicht mehr mit, wenn Hidding den Stand der neuesten Technologie rund um die sogenannten "Teilchenbeschleuniger" erläuterte und dabei mit ruhiger Selbstverständlichkeit ein hohes physikalisches Wissen voraussetzte. Andere dagegen waren sofort fasziniert, schrieben aufmerksam mit und stellten kluge Fragen, die dem jungen Dozenten offensichtlich gefielen. Bezeichnend war sicher auch, dass er sagen musste: Wer in der Physik forscht, braucht einen langen Atem. Dachte man in den 70-er Jahren noch, die Treibstoffentwicklung aus Silan könne im Jahr 2020 abgeschlossen sein, so geht Hidding nun davon aus, dass wohl kaum vor einem Zeitraum von 40 Jahren mit einem praktikablen Ergebnis zu rechnen sein wird. Der Hannoveraner Soziologe Manfred Lauermann zog seine Zuhörerinnen auf andere Weise in den Bann. Seine Vorlesung über ein typisches Thema der Soziologie, wie sich nämlich für Männer und Frauen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit unterschiedliche Berufschancen in der modernen Gesellschaft ergeben, informierte nicht nur über Erhebungs- und Feldforschungsmethoden, sondern war gleichzeitig durchmixt mit amüsanten Alltagsgeschichten und dem Rekurs auf seine eigene Erfahrung als alleinerziehender Vater, in einer Zeit, als das noch nicht einer der Möglichkeiten des Männerbildes entsprach. Er führte den angehenden Studentinnen vor, dass die männliche Dominanz im Berufsleben zurückgehe und die Tendenz in Richtung echter Chancengleichheit für die Frauen verliefe. Nicht nur hätten sie die besseren Abiturnoten und weniger Studienabbrüche, sie stünden auch mit einem gesicherteren Weltbild da, weil die alten männlichen Ideale und Vorbilder an Kraft verlören. Heutzutage seien es die Jungs, die in der Schule benachteiligt sind, die weniger gefördert werden, deren Identitätsfindung komplizierter verlaufe.

Bernhard Hidding
  • Bernhard Hidding


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