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Lohmanns B 65-Aussagen kritisiert

Riesenkrach bei IG Bad Nenndorf: Vorstand zerbricht

Bad Nenndorf (rwe). Riesenkrach bei der Interessengemeinschaft Bad Nenndorf (IGBN). Vorsitzender Henning Jürgens und drei Kollegen aus dem Vorstand legen zur Jahresversammlung am 7. April ihre Ämter vorzeitig nieder. Der Grund: Sie kritisieren damit den Alleingang des stellvertretenden Vorsitzenden Frank Lohmann in der Debatte um den B 65-Ausbau. Dieser hatteöffentlich eine neue Planungsvariante gefordert, ohne den Vorstand zu informieren.

veröffentlicht am 27.02.2008 um 00:00 Uhr

Henning Jürgens

Die Zeitungslektüre am vergangengen Donnerstag dürfte Henning Jürgens den Kaffee verdorben haben. "Keinen blassen Schimmer" hatte der Vorsitzende von dem Vorschlag der Gewerbetreibenden, die bevorzugte "Variante 4" für den 2+1-Ausbau der Bundesstraße 65 bei Drei Steine zu überarbeiten. Dabei störte ihn weniger die neuerliche Debatte, sondern vielmehr schmeckte ihm nicht, wer da mit an der Spitze der Bewegung stand. Tankstelleninhaber Wolfgang Seifert hatte sich mit Frank Lohmann immerhin seinen Stellvertreter an die Seite geholt, bei der IGBN zuständig für den Bereich Handel und Gewerbe. Noch am Nachmittag trat der Vorstand zusammen, allerdings planungsgemäß. Der Termin war bereits zwei Wochen zuvor vereinbart worden. "Eigentlich wollten wir die Jahresversammlung vorbereiten", sagt Jürgens. Thema war dann aber der Zeitungsbericht und das öffentliche Auftreten Lohmanns als IGBN-Vertreter ohne jede Rücksprache. Die Antworten, die Lohmann den Kollegen gab oder nach deren Auffassung vor allem nicht gab, stellten diese wenig zufrieden. Nach wenigen Minuten war die Sitzung am Ende. Und der Vorstand auch. Jürgens sowie Schatzmeister Reinhard Schreeck, Schriftführerin Nadine Fischer und Mitglied Jutta Rohrsen entschlossen sich, nicht bis 2009 zu bleiben, sondern ihr Amt schon zum 7. April zur Verfügung zu stellen. Ob sie an dem Abend kandidieren, ließen Jürgens wie Schreeck in einem Pressegespräch offen. "Mal sehen wie die Stimmung ist", sagt Schreeck, der nach eigenen Worten die Gemeinschaft vor einer Zerreißprobe bewahren möchte. Mit Lohmann aber, so viel scheint sicher zu sein, wird der Volksbankvorstand nicht wieder am IGBN-Vorstandstisch Platz nehmen. Jürgens und Schreeck sehen in dem Vorgehen keinen Einzelfall. Lohmann habe sie schon in der Vergangenheit mit einigen nicht mit dem Vorstand abgestimmten Einlassungen irritiert. Auch dessen Meinung zum B 65-Ausbau ist demnach nicht vom Vorstand gedeckt. Eine zielgerichtete und vertrauensvolle Zusammenarbeit halten beide nicht mehr für möglich, der Rücktritt sei unausweichlich. "Am 7. April sollen die Mitglieder über eine neue Vorstandsbesetzung und den künftigen Kurs der IGBN entscheiden", heißt es offiziell. Dabei stören sich Jürgens und Schreeck auch an der öffentlichen Präsentation der von Seifert erarbeiten Ausbauvariante. "Der Kurs der IGBN war bisher nicht auf Konfrontation ausgelegt, sondern auf eine offene, zielführende Kommunikation zu den städtischen Institutionen und Vereinsmitgliedern. Unausgesprochen vermuten Jürgens& Co. aber, vorsätzlich ausgebootet worden zu sein. Lohmann und Seifert hätten sie nicht dabei haben wollen. Klar ist, der Pressetermin zur B 65 war bekannt und wurde vielen Geschäftsleuten mitgeteilt, aber nicht dem Vorstand. Zwischen Seifert und Jürgens knirscht es schon länger. Der Tankstellenbesitzer begrüßt denn auch den Rücktritt "außerordentlich". Er habe sich von Jürgens nie vertreten gefühlt, so Seifert. Als er ein Plakat zum Erhalt der Platanen auf der Rodenberger Allee aufhängen wollte, sei er erst eingeladen worden, dann aber abgeblitzt. Und auch beim Ärger um die Ampelschaltung bei Drei Steine habe ihm Jürgens die Unterstützung versagt. Deshalb sei er direkt zu Lohmann gegangen und habe diesen gebeten, ihm zu helfen und die Sparkasse für dasTreffen mit den Geschäftsleuten nutzen zu dürfen. Ambitionen, er selber wolle den IGBN-Vorsitz haben, weist er weit von sich. Seifert will für keins der bald freien Ämter kandidieren: "Dafür habe ich keine Zeit." Die Differenzen zwischen Seifert und Jürgens sind auch Lohmann hinlänglich bekannt. Er sei in seiner Rolle als Sparkassenleiter aufgetreten, weil er gewusst habe, in der Ausbaufrage zur B 65 "mit dem IGBN-Vorstand keinen Konsens" zu erreichen. Lohmann selber bedauert zwar den Rückzug der Kollegen, kann diesen aber nicht nachvollziehen. "Man tritt doch nicht zurück, weil sich jemand im Sinne der Stadt einsetzt." Er habe sich nichts vorzuwerfen und will als Stellvertreter im Amt bleiben. Lohmann sieht den Ausstieg nun eher als Auftrag für sich, bis zur Versammlung eine Mannschaft aufzustellen. Ob der Gemeinschaft die Zerreißprobe wie von Schreeck gewünscht durch die Rücktritte erspart bleibt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Auf Anfrage versicherten getrennt voneinander Lohmann und Jürgens, die sich kurz nach der Vorstandssitzung noch einmal auf ein Wort trafen: "Das ist zwischen uns nichts Persönliches."



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