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Nach Rauferei im Park: Rentner erhält Recht

Revierkampf endet: Anwalt muss zahlen

Bad Eilsen/Bückeburg (ly). Mehr als zwei Jahre nach einem Revierkampf zweier Hundehalter im Englischen Garten von Bad Eilsen hat die Justiz den Fall abgeschlossen. Ein Schaumburger Rechtsanwalt, der beim Gassigehen einen Rentner vermöbelt hatte, muss dem Opfer 845 Euro zahlen, Schmerzensgeld und Schadensersatz.

veröffentlicht am 28.02.2008 um 00:00 Uhr

Obendrauf kommen noch einmal außergerichtliche Kosten von rund 50 Euro. Zwischen den Parteien geteilt werden dagegen die Gerichtskosten für den tierischen Zivilstreit. So hat kürzlich die 2. Zivilkammer am Bückeburger Landgericht entschieden und damit eine vorausgegangene Entscheidung zumindest teilweise geändert. In ersterInstanz hatte das Amtsgericht die Klage des Rentners über insgesamt rund 1850 Euro nämlich abgewiesen (wir berichteten). Rückblende: Am Vormittag des 9. Oktober 2005 war es im Englischen Garten zu einem tierischen Streit gekommen. Beide Männer waren in Begleitung ihrer Vierbeiner, die während des Zweikampfes aber nicht weiter in Erscheinung traten. Angefangen haben soll alles mit einem gewaltigen Haufen, hinterlassen vom XXL-Hund des Juristen. Womöglich gab daraufhin ein Wort das andere, bevor am Ende die Fäuste sprachen. Wie auch immer: Ein Augenzeuge hat beobachtet, dass der Rentner am Boden lag, während der Anwalt ihn erstens vor den Brustkorb trat und zweitens mit einer Hundeleine auf die Hände schlug, Letzteres gleich zweimal. Da kann das Opfer fast noch von Glück reden, dass der Advokat an jenem Sonntag bloß mit einer Welpenleine zugeschlagen hat, aber das nur am Rande. In der gesamten Auseinandersetzung sieht die Kammer jedenfalls jenes "Bruchstück", in dem Schuh und Leine zum Einsatz kamen, als erwiesen an. Ein Nachweis, dass er in Notwehr gehandelt habe, sei dem Rechtsanwalt nicht geglückt, wie die Pressestelle des Landgerichts auf Anfrage weiter mitteilt. Wenn's der Wahrheitsfindung dient, empfiehlt sich ein Ortstermin. In diesem Fall hatten sich die Beteiligten nach Bad Eilsen aufgemacht, um den Englischen Garten und insbesondere den Ort des ungleichen Kampfes in Augenschein zu nehmen. Ergebnis: Der Augenzeuge konnte die Klopperei sehen. Seine Sicht war nicht durch Bäume verdeckt, wie es in der erstinstanzlichen Entscheidung noch geheißen hatte. Das Berufungsurteil ist rechtskräftig. Zwar hatte sich der unterlegene Anwalt noch an das Oberlandesgericht (OLG) Celle gewandt, das sich allerdings nicht zuständig sah und die Beschwerde an den Bundesgerichtshof (BGH) weiterleitete. Um damit durchzukommen, hätte die Summe nach Auffassung des BGH jedoch 20 000 Euro übersteigen müssen. Jene 845 Euro, mit denen der Beklagte "beschwert" worden ist, sind davon meilenweit entfernt. In weiser Voraussicht hatte das Landgericht eine Revision beim OLG gar nicht erst zugelassen. Strafrechtlich ist der Fall schon längst abgeschlossen. Zwei Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung waren von der Staatsanwaltschaft bereits im Vorfeld der Zivilprozesse eingestellt worden.



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