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Schäferhundmischling "Enzo" schlägt als Erster Alarm / Gebäude einsturzgefährdet - Straße gesperrt

Retter holen Taubstummen aus brennendem Haus

Engern (wm). Das ehemalige Hotel "Zum Lindenkrug" in der Berliner Straße ist in der Nacht zum Donnerstag ausgebrannt. Das Hotel ist einsturzgefährdet und darf nicht mehr betreten werden.

veröffentlicht am 23.03.2007 um 00:00 Uhr

Großaufgebot: Feuerwehren aus sechs Ortsteilen und von der Leben

Es war "Enzo", der Schäferhundmischling, der am Mittwochabend kurz vor neun Uhr als Erster Alarm geschlagen hat: "Er hat wie wild gebellt", erzählte gestern Liselotte Koller. Dann sei der Strom ausgefallen. Ihr Mann habe sich eine Taschenlampe geholt, um nachzuschauen, was los ist. In diesem Moment hätten die Sirenengeheult, und sie hätte lautes Knallen in der Küche aus der Dunstabzugshaube gehört. Aber ihnen sei nicht bewusst geworden, dass es ihr Haus war, in dem das Feuer ausgebrochen ist. Nachbarin Ingrid Thoke hörte ebenfalls die Sirenen und öffnete die Haustür, wo sie eine Autofahrerin anschrie: "Ihr Nachbarhaus brennt." Daraufhin sei sie zum Hotel gelaufen und habe die Kollers alarmiert. Nachbar Karl-Heinz Nagel ist ans Fenster getreten, als er den Feueralarm hörte: "Rund um den Schornstein schlugen die Flammen aus dem Dach. Schnell, pack' das Wichtigste zusammen", habe ich meiner Frau gesagt. Er selbst holte einen Gartenschlauch und begann, das Dach seines Hauses und der 200 Jahre alten Scheune zu besprengen. Rund 400 Meter sind es vom Feuerwehrgerätehaus bis zum Hotel. "Als wir ankamen, brannte bereits der gesamte Dachstuhl", schilderte Engerns Ortsbrandmeister Thomas Reese die Lage. Da habe er sofort Großalarm ausgelöst. In kurzer Zeit waren die Wehren aus Rinteln, Deckbergen, Ahe, Steinbergen, Schaumburg und der Lebenshilfe am Brandort. Sechs der zehn Bewohner standen bereits auf der Straße. Zwei waren zu diesem Zeitpunkt verreist. Atemschutztrupps holten einen Taubstummen aus seinem Zimmer und einen noch schlafenden Mann, der nicht einmal die Sirenen gehört hatte. Von zwei Seiten, von der Berliner Straße wie der Parallel-Straße "Hinter den Höfen", pumpten die Feuerwehren über zwei Drehleitern Wasser in die lodernden Flammen. Die anderen Wehren schirmten die beiden Nachbarhäusern mit Wasserwänden ab. Beide Häuser konnten praktisch ohne große Schäden gerettet worden, obwohl es auf beiden Seiten gerade mal drei Meter Abstand zum Hotel sind. Engerns Ortsbürgermeister Dieter Horn zeigte sich beeindruckt: "Ich kann den Feuerwehren nur ein riesengroßes Lob aussprechen." Ingrid Thoke schilderte, sie sei so überglücklich gewesen, dass ihr Haus gerettet worden ist, "ich bin den Feuerwehrleuten vor Freude um den Hals gefallen". In dem Hotel waren zehn Menschen untergebracht - Gerhard und Liselotte Koller legen Wert auf die Feststellung, dass das Hotel - wie von anderen Medien gestern fälschlich gemeldet - kein Asylantenheim gewesen sei, sondern dass es sich um normale Mieter gehandelt habe. Vier Mieter fanden eine Unterkunft bei Bekannten, vier Mieter brachte die Polizei vorübergehend im Brückentor-Hotel unter. Wie Andreas Buchmeier vom Ordnungsamt schilderte, habe man gestern Mieter, bis sie eine neue Wohnung finden, in einem städtischen Haus in Deckbergen untergebracht. Das Ehepaar Koller ist von der Tochter in Uchtdorf aufgenommen worden. "Wir haben am Donnerstagmorgen Anrufe von Kunden bekommen, ob wirüberhaupt öffnen", schilderte Doris Grutke von der Bäckerei Thoke: "Wir haben offen und verkaufen!" Weil der Bus durch die Umleitung am Donnerstagmorgen drei Haltestellen nicht anfahren konnte, sind mehrere Schulkinder nicht zur Schule gekommen. Ein Video aus der Brandnacht in Engern ist im Internet zu sehen: www.schaumburger-zeitung.de (auf der Ebene "Lokales" den Menüpunkt "Video" anklicken).

Vor den Flammen gerettet: Trotz des geringen Abstandes zum "Lind
  • Vor den Flammen gerettet: Trotz des geringen Abstandes zum "Lindenkrug" bleibt die Scheune von Karl-Heinz Nagel fast unversehrt.

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