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80 Jahre Schalmeienkapelle: Seniorenabteilung trifft sich zum Frühschoppen

"Rentnerband" schwelgt in Erlebtem

Meinsen (aj). Unter dem Motto "80 Jahre Schalmeienkapelle Meinsen-Warber" hat sich die "Rentnerband" zum Frühschoppen im Alten Krug getroffen. Beim Bier ließen die Senioren die Vereinsgeschichte Revue passieren, die sie zu einem guten Teil nicht nur miterlebt, sondern auch selbst gestaltet hatten. Günther Pudeck steuerte zudem einige Kuriositäten aus alten Vorstandsunterlagen und seiner Zeit als damaliger Vorsitzender zu der lustigen Runde bei. Zur Rentnerband gehören seit 1992 alle Aktiven ab 60 Jahren und alle ehemaligen Aktiven der Schalmeienkapelle Meinsen-Warber.

veröffentlicht am 25.03.2006 um 00:00 Uhr

Unter dem Motto "80 Jahre Schalmeienkapelle Meinsen-Warber" habe

Dabei gab es in der Schalmeienkapelle lustigerweise genau genommen nicht eine einzige Schalmei, wie ihr langjähriger musikalischer Leiter Walter Winkelhake ausführt. Denn die eigentliche Schalmei ist ein Holzblasinstrument, welches ähnlich einer Oboe klingt und in der Bauart auch mit Mundstück und Pfeifen eines Dudelsacks verwandt ist. "Streng genommen ist das heute landläufig als Schalmei bezeichnete Instrument ein Martinshorn", sagt Walter Winkelhake. Dem entspricht auch die Historie der Schalmeienkapelle Meinsen-Warber, die vor 80 Jahren aus der Feuerwehrkapelle Meinsen-Warber entstand. Seit 1880 stellte die Deutsche Signalinstrumentenfabrik Max B. Martin KG in Markneukirchen/Sachsen neben Hörnern und Trompeten auch Signalfanfaren her. Zu den Fanfaren-Kunden gehörten nicht nur die kaiserliche Familie, sondern bald auch viele Feuerwehren, die sich im zunehmenden Straßenverkehr Platz verschaffen wollten. In der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende nutzten viele Turn- und Radfahrvereine sowie Freiwillige Feuerwehren die Fanfaren aber auch zum einfachen Musizieren. Bis ab 1905 das Martinshorn mit acht Volltönen auch anspruchsvollere Stücke in verschiedenen Tonlagen ermöglichte. 1925 wurde auch die Ortsfeuerwehr bei einem Feuerwehrfest in der Nähe vom damals grassierenden Martinshorn-Virus gepackt und gründete 1926 die Schalmeienkapelle Meinsen-Warber. Der ungeheure Erfolg dieser Musikformationen lässt sich an dem heute noch erhaltenen Brief des damaligen musikalischen Leiters der Meinsen-Warber Schalmeien, Heinrich Calier, ablesen. In dem Brief gesteht er den Eltern eines seiner Schützlinge, dass ihm die vielen Feste ja auch langsam "zum Hals raushängen", er aber darum bitte, den Sohn weiterhin zu den Musikabenden gehen zu lassen. Die anfängliche Begeisterung ließ Mitte der 30er so stark nach, dass der Spielbetrieb 1936 für einige Monate unterbrochen wurde. Nach einer Krisensitzung und diversen Bierchen gelobten die Mitglieder jedoch bereits 1937, wieder "mehr Interesse zu zeigen". 1939 wurde der Spielbetrieb kriegsbedingt erneut unterbrochen - aber die Gemeinschaft hielt. Zum 25. Jubiläum der Feuerwehr spielten 1942 die ersten sieben Frühheimkehrer wieder gemeinsam in der Schalmeienkapelle. Zu den unbestrittenen Höhepunkten der Schalmeienkapelle Meinsen-Warber gehörten seitdem der erste internationale Auftritt 1965 in Brüssel, die ersten - damals noch - Tonbandaufnahmen 1978 und der erste Fernsehauftritt im ZDF-Sonntagskonzert 1996.

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