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Verkehrsunfall vor Gericht / Spät überholt

Rentner bringt Radler zu Fall - Geldstrafe

Ahnsen/Bückeburg (ly). Seit 37 Jahren hat er einen Führerschein. "Tausende von Malen" ist er diesen Weg mit dem Auto gefahren. Und trotzdem passiert so ein Unfall: Beim Rechtsabbiegen von der Theodor-Heuss-Straße auf ein Grundstück in Ahnsen hat ein Rentner (62) einen Schüler (16) derart geschnitten, dass der Junge bremsen musste, zu Fall kam und sich das Handgelenk brach. Auf den letzten Drücker hatte der Mann den Jungen, der mit seinem Rad flott unterwegs war, zuvor auf der abschüssigen Straße überholt.

veröffentlicht am 10.03.2007 um 00:00 Uhr

Ein fataler Fehler, der den scheinbar routinierten Wagenlenker recht teuer zu stehen kommt: Wegen fahrlässiger Körperverletzung hat das Bückeburger Amtsgericht den 62-Jährigen jetzt zu 1330 Euro Geldstrafe verurteilt, umgerechnet mehr als ein Monatseinkommen. Zu einem Fahrverbot kam es nicht, obwohl die Staatsanwaltschaft darauf gedrängt hatte. War es die Macht der Gewohnheit? Gleichgültigkeit? Hat der Rentner den Schüler beim Abbremsen schlicht übersehen? "Möglicherweise hat der Angeklagte sich verschätzt und es wurde eng", meint Richter Armin Böhm. "Vielleicht hätte er den Überholvorgang besser gelassen." So viel ist nämlich sicher: "Wenn ich überhole, muss ich rechtzeitig damit anfangen", wie Böhm betonte. Und das hat der Rentner offenbar nicht getan, auch wenn er es vor Gericht beteuerte. Eine Zeugin hatte beobachtet, "wie der Herr den Radfahrer geschnitten hat und der Junge über den Lenker abgestiegen ist". Hinter dem 16-Jährigen fuhr noch ein gleichaltriger Freund. "Der Autofahrer bremste abrupt", erinnerte sich dieser. "So wurden wir zu einer sehr, sehr starken Bremsung gezwungen." Für Zeugen mag das Verhalten des Rentners rüde gewirkt haben, ein notorischer Verkehrsrowdy scheint er jedoch nicht zu sein: In der Flensburger Sünderkartei findet sich lediglich eine Eintragung, weil der 62-Jährige einmal mit 51 statt 30 erwischt worden war, während das Vorstrafenregister sogar blütenweiß ist. Verteidiger Volkmar Mirsch, der auf Freispruch plädierte, könnte sich übrigens auch dieses Szenario vorstellen: "Die Jungs haben überhaupt nicht darauf geachtet, was der Mann vor ihnen machte, nachdem er überholt hat." Da ist der Rechtsanwalt sich sogar "ziemlich sicher". Aber das müsste dann ein anderes Gericht beurteilen. Gegen die Entscheidung ist noch Berufung möglich.



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