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Zwischen Liebesrausch und Sinnlichkeit - Startenor zeigt, warum er ein Star ist

René Kollos Volumen entzückt seine Fans in der Stadtkirche

Bückeburg. Auf der Opernbühne hat er sich rar gemacht, dafür scheint das Lied-Podium für René Kollo umso rei zvoller zu sein. Und aus dem von unserer Zeitung in der Stadtkirche präsentierten Soloabend unter dem Motto "Ein Tag - ein Jahr - ein Leben" sollte sogar eine Begegnung mit dem heimischen Männerchor "Liederkranz" werden.

veröffentlicht am 07.11.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Dietlind Beinssen

Als Einstimmung wählte der prominente Gast, dem eine Verstärkeranlage zur Verfügung stand, zwei bekannte Löns-Lieder, denen er eine italienische Arie und Schuberts "Ave Maria" hinzufügte, um später noch mit Brahms-Besonderheiten wie unter anderem "In stiller Nacht" aufzuwarten. Diese bildeten die galante Überleitung zu "Ach ich hab in meinen Herzen dadrinnen einen wundersamen Schmerz". Das alles war sicherÖl für die Stimme, aber keineswegs für jedes Timbre. Denn mitunter wirkten die inbrünstig zelebrierten Darbietungen dort ein bisschen zu überforciert, wo man vielleicht noch mehr Ausformungen und Nuancen erwartet hätte. Aber schließlich ist der Star ein für Wagner und Co. prädestinierter Heldentenor, der sein eigentliches Metier nicht verleugnen kann. Übrigens hatte René Kollo zwar den Organisten Jörg Strotthoff mitgebracht, der seine Interpretationen gespürvoll begleitete und für gekonnte Extrabeiträge sorgte, aber zum großen Bedauern der Rezensentin und anderen "Mitleidenden" keine Programme. So fiel es mitunter schwer, den Melodienreigen nachzuvollziehen. Ausdrucksstark und frisch widmete sich im zweiten Teil der Männerchor "Liederkranz" Enzen-Hobbensen sakralen Tonschöpfungen und beglückte anschließend gemeinsam mit René Kollo im bunt gefärbten "Angelikus". Dirigent Manfred Neumann begleitete das wohltönende Geschehen vom Klavier aus. GegenEnde deckte der berühmte Vokalist solistisch beim Vortrag von "Still wie die Nacht" die Bezüge zwischen Liebesrausch und Sinnlichkeit auf und versah zudem Bizets "Agnus Dei" mit einigen Facetten. Auch bei "Selig sind die Verfolgung leiden" und Händels "Ombra" mangelte es dem Stimmkünstler nicht an Volumen. Zum Finale wusste René Kollo in dem für ihn und sein über 40-jähriges tenorales Schaffen vertonten Werk "Ein Tag - ein Jahr - ein Leben" die Klangdetails zwischen Wehmut und verhaltenem Stolz auszupendeln. Der prominente Gast verabschiedete sich mit dem gemeinsam gesungenen Kleinod "Der Mond ist aufgegangen" und den Worten: "So eine schöne Kirche habe ich selten gesehen, bewahren Sie sich dieses Juwel!"



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