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Rintelner Abendgespräch: Jens Gundlach über den Pilgerweg Loccum-Volkenroda

Reisesegen, Nachtquartier und mehr: "Pilgerbeauftragte" für Möllenbeck

Rinteln (cok). "Pilgern", das ist "Gehen mit Gott", das ist "Glauben mit dem Körper", so umschrieb es der evangelische Theologe und Journalist Jens Gundlach, der beim letzten "Rintelner Abendgespräch" den Pilgerweg zwischen Loccum und dem thüringischen Dörfchen Volkenroda vorstellte und dabei auch Bezug nahm auf den neu angelegten "Exkurs" über das Kloster Möllenbeck.

veröffentlicht am 14.05.2007 um 00:00 Uhr

"Evangelisches Pilgern ist kein Wallfahren!": Beim Rintelner Abe

Gundlach selber war einer der Ersten, die den 2005 von der Evangelischen Landeskirche eröffneten, etwa 300 Kilometer langen Weg zwischen den beiden Zisterzienserklostern abwanderten, auf den Spuren der Mönche, die im 12. Jahrhundert das Kloster Volkenroda gründeten und kurz darauf das Tochterkloster in Loccum, das heute als die vielleicht besterhaltene Anlage ihrer Art gilt (während Volkenroda in der "spirituell verwüsteten" Landschaft der ehemaligen DDR zunächst verfiel, jetzt von der Jesus-Bruderschaft betreut wird). 40 Klöster (zum Teil als Ruinen) und etwa 80 Kirchen liegen am Rande des landschaftlich sehr reizvollen Weges, der übrigens nicht unbedingt dem historischen Weg der Mönche entspricht. So oft diese zwar hin und her wanderten, man kann nur annehmen, dass sie dabei sowohl alte Handelswege durchs Leine- und Wesertal und über das Gebirge nutzen, als auch bemüht waren, unterwegs bei anderen Zisterzienserklöstern Rast machen zu können. Für Jens Gundlach ist diese historische Ungewissheit aber kein Problem: "Es gibt keinen ?richtigen', gar ?heiligen' Pilgerweg", meinte er. "Pilgern kann manüberall." Als noch problematisch erwies sich allerdings, das er bei vielen Kirchen vor verschlossenen Türen stand und auch keinen Hinweis fand, wo man den Pfarrer finden konnte. Und während es in Loccum und auch in anderen Klöstern wie Amelungsborn ausgesprochen pilgerfreundlich zugeht, mit Übernachtungsmöglichkeit und dem Angebot, einen "Reisesegen" zu erhalten, so will und kann man in Bursfelde und auch in Volkenroda keine Pilger aufnehmen. Umso wichtiger sei es, so Gundlach, dass die Kirchengemeinden am Wegesrand möglichst überall "Pilgerbeauftragte" bereitstellen, die verirrten Wanderern helfen und auch über ein Nachtquartier Bescheid wissen. Als allerdings jemand unter den Zuhörern nachfragte, ob vielleicht auch eine Gepäckbeförderung organisiert werde, erntete er ringsum nur amüsiertes Lachen. "Pilgern hatte schon immer etwas mit Askese zu tun", so Gundlach. Genau das sei ja eine der Erfahrungen, um die es dabei gehe. Wenn nun aber bei Rohdental die Abzweigung Richtung Rinteln und Möllenbeck verstärkt von Pilgern genutzt werde - der Weg führt über Schaumburg, Deckbergen und Steinbergen, um über Exten, Hohenrode, Heßlingen und Fuhlen bei Hessisch Oldendorf erneut auf den Hauptweg zu stoßen - dann sei es sehr hilfreich, wenn die einzelnen Kirchengemeinden auf die Wanderer vorbereitet seien. Da müsse man sich wohl zusammentun, um eine Infrastruktur aufzubauen. "Gibt es ein Ziel des Pilgerweges, so wie es beim Jakobsweg die Wallfahrtstadt Santiago de Compostela ist?", fragte ein Zuhörer. Da antwortete Gundlach mit einem entschiedenen "Nein!" Evangelisches Pilgern sei kein Wallfahren, es habe nichts mit Mystik oder Magie zu tun. "Das Geheimnis entsteht aus der Begegnung der Menschen und nicht aus der Heiligkeit des Ortes." Da nun waren nicht alle Zuhörer mit ihm einverstanden und selbst Superintendent Andreas Kühne-Glaser legte ein Wort ein für die spirituelle Ausstrahlung besonderer Orte und besonderer Wege. Da aber blieb Gundlach hart: "Mir ist es auch egal, ob die Mönche damals genau denselben Weg gegangen sind - ich gehe meinen Weg, mit Gott." Weitere Infos gibt es im Internet unter: www.pilgerprojekt.de und im Buch von Jens Gundlach: "Zwischen Loccum und Volkenroda", Lutherische Verlagsanstalt.



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