weather-image
15°
×

Finanztest hat 42 Tarife von acht Anbietern geprüft / Nicht bei jeder Stornierung wird gezahlt

Reiserücktritt – ist eine Versicherung sinnvoll?

Hameln-Pyrmont (khr). Im Durchschnitt muss jeder 12. Urlauber eine gebuchte Reise stornieren. Das sagt zumindest die Statistik. Das ist nicht nur wegen der entgangenen Urlaubsfreude bitter, sondern auch wegen der dadurch entstehenden Kosten.

veröffentlicht am 24.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Denn je nach dem, zu welchem Zeitpunkt storniert wird, verlangen die Reiseveranstalter saftige Rücktrittskosten, zum Beispiel 30 Tage vor Reiseantritt 20 Prozent. Das geht aber hoch bis 80 Prozent, wenn die Reise erst zwei Tage vor Abreise abgesagt wird. Bei einem Familienurlaub oder einer teuren Auslandsreise können da leicht einige tausend Euro Stornogebühren fällig werden.

Fallstricke gibt es genug

Schutz vor solchen Risiken bietet eine Reisekostenrücktrittsversicherung. Doch wie bei allen Versicherungen sollte man sich über die Kosten und Bedingungen genau informieren. Fallstricke gibt es jedenfalls auch bei dieser Versicherungsart genug. So muss die Versicherung zeitnah mit der Buchung, meistens spätestens nach acht Tagen, bei kurzfristig gebuchten Reisen zusammen mit der Buchung abgeschlossen werden, damit ein Schutz besteht. Die Versicherer zahlen natürlich auch nicht bei jeder Stornierung.

Geld zurück gibt es:

Wenn der Versicherte, ein Angehöriger oder ein Mitreisender einen schweren Unfall hat oder unerwartet schwer erkrankt.

Wenn Schwangerschaft oder Impfunverträglichkeit die Reise unmöglich machen.

Wenn ein Angehöriger oder Mitreisender verstirbt.

Wenn das Eigentum des Versicherten zum Beispiel durch einen Brand oder Einbruch stark beschädigt wurde.

Da nur eine unerwartete schwere Erkrankung versichert ist, müssen sich chronisch Kranke oder auch Krebspatienten vorher erkundigen, ob Versicherungsschutz gewährt wird. Viele Versicherer übernehmen die Kosten auch, wenn der Versicherungsnehmer vor der Reise seinen Job verliert oder nach Arbeitslosigkeit wieder einen gefunden hat. Zusätzlich können auch der Abbruch der Reise und sogar ihre unfreiwillige Verlängerung abgesichert werden.

Die Zeitschrift Finanztest hat Ende letzten Jahres 42 Versicherungstarife von acht verschiedenen Anbietern geprüft. Nur ein Viertel der überprüften Tarife erhielt ein „gut“. Wichtig zu wissen ist, ob der Tarif eine Selbstbeteiligung im Schadensfall vorsieht. Meistens sind das 20 Prozent des Reisepreises oder mindestens 25 Euro pro Person. Billig ist es im Schadensfall dann nicht. Denn zusammen mit der Prämie verbleibt immer noch ein Schaden zwischen 23 und 28 Prozent des Reisepreises beim Versicherten. Eine Versicherung ohne Selbstbehalt ist zwar etwas teurer, dafür übernimmt sie aber alle Kosten, wenn die Voraussetzungen für den Versicherungsfall gegeben sind. Für die Experten der Stiftung Warentest ist sie die bessere Wahl.

Zuschläge für Reisende über 64 Jahre

Generell gilt, je teurer die Reise, desto kostspieliger auch die Rücktrittsversicherung. Da die meisten Versicherer Reisepreiskategorien bilden, kann die Prämie bei einer Familienreise leicht auf sieben Prozent vom Reisepreis steigen. Die Versicherung eines Einzelreisenden ist durchschnittlich um ein Prozent günstiger als bei Familien und Gruppen. Für Reisende über 64 Jahre werden Zuschläge erhoben. „In meinem Alter kann immer etwas passieren, und deshalb schließe ich grundsätzlich eine Rücktrittsversicherung ab“, meint die 79-jährige Sigrid Stenzel aus Bad Pyrmont, die eine Bahnreise in die Schweiz gebucht hat. Bei einem Reisepreis von 1092 Euro hat sie für die Reiserücktrittsversicherung ohne Selbstbehalt eine Prämie von 57 Euro bezahlt. Die Reisebüros verdienen mit dem Abschluss der Rücktrittsversicherung auch gutes Geld. „Während für die Vermittlung einer Reise die Provisionen teilweise unter zehn Prozent gedrückt wurden, zahlen die Versicherungen Provisionen zwischen 18 und 26 Prozent an die Reisebüros“, bestätigt Sabine Talay von der zur Allianz-Gruppe gehörenden Elvia Reiseversicherung. „Im Rahmen unserer Beratungs- und Informationspflichten müssen wir unsere Kunden auf die Möglichkeit der Rücktrittsversicherung hinweisen, und deshalb biete ich sie grundsätzlich mit an“, sagt Reisebüroinhaber Thomas Kohrs. Über ein Computerprogramm kann er die für den Reisenden passende und günstigste Versicherung raussuchen. „Wir sind an keine bestimmte Versicherung gebunden und werden regelmäßig zu allen Versicherungen im Reisebereich informiert und geschult“, berichtet Kohrs. Da der Trend zu kürzeren aber dafür zu mehreren Reisen im Jahr geht, lohnt ein Blick auf eine Jahresversicherung. „Schon bei zwei Reisen im Jahr ist die Jahresprämie in der Regel günstiger als die Einzelversicherung“ erklärt Sabine Talay.

Tipp: In vielen Kreditkartenverträgen ist eine Reiserücktrittsversicherung bereits eingeschlossen. Je nach Sicherungsbedürfnis kann der dort genannte Versicherungsschutz vielleicht schon genügen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige