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Hamelner Schiffsgetriebe-Hersteller schreibt 2008 höchsten Umsatz der Unternehmensgeschichte

Reintjes erwartet 2011 und 2012 ein tiefes Loch

Hameln (TT). Der Hamelner Schiffsgetriebe-Hersteller Reintjes hat im Geschäftsjahr 2008 den höchsten Umsatz seiner Geschichte geschrieben: Mit 112 Millionen Euro und 1605 verkauften Getrieben ist das Unternehmen in noch nie da gewesene Sphären vorgedrungen. Viel Zeit zum Jubeln bleibt jedoch nicht: Die globale Konjunkturkrise treibt der Chefetage und den 429 Mitarbeitern Sorgenfalten auf die Stirn. Geschäftsführer Christian Schliephack: „Die Krise geht nicht spurlos an Reintjes vorbei. Wir werden einige Kratzer ins Gesicht bekommen.“

veröffentlicht am 03.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Seit Oktober 2008 spürt das Unternehmen die weltweiten Auswirkungen der Finanzkrise. „Im vierten Quartal 2008 ist der Auftragseingang fast zum Erliegen gekommen“, erläutert Schliephack. Es sei wie ein schlechtes Dominospiel: Mit dem Einbrechen der Weltwirtschaft seien auch die Frachtraten zusammengebrochen, infolgedessen bekommen die Reeder weltweit Probleme; viele Frachtschiffe lägen aufgrund fehlender Transporte bereits in den Häfen an der Kette, Aufträge zum Bau neuer Containerschiffe werden storniert – und damit auch Getriebe bei Reintjes. Parallel dazu kommen weniger Neuaufträge herein. Schliephack dazu: „Die Stornos kamen heftig und kurzfristig. Gleichzeitig haben wir an Neuaufträgen derzeit nur noch etwa ein Viertel von dem, was früher normal war.“ Das Ende vom Lied: Der Auftragsbestand nimmt ständig ab. Da der Bestand gut ist, hat Reintjes noch 2009 und 2010 gut zu tun und kann die Situation noch einigermaßen abfedern. Allerdings erwartet Schliephack dann für die Jahre 2011 und 2012 den Fall in ein relativ tiefes Tal: „Nach jetziger Prognose werden wir dann wohl nur noch die Hälfte unseres derzeitigen Umsatzes schreiben können.“

Dieses Jahr werden 16 Millionen Euro investiert

Für das laufende Geschäftsjahr 2009 erwartet Schliep-hack „etwa dasselbe Ergebnis wie 2008“. Aus dem Umsatz von 112 Millionen Euro resultierte im letzten Jahr „ein Ertrag im zweistelligen Prozentbereich“ – genaue Zahlen gibt die zur Eugen-Reintjes-Stiftung gehörende GmbH nicht bekannt. Von dem verdienten Geld fließen einige Millionen in die Investitionen: Diese lagen 2008 bei 6,5 Millionen Euro und werden 2009 auf 16 Millionen Euro steigen. Das Unternehmen investiert unter anderem in eine neue Betriebshalle, in neue Maschinen und in eine Erweiterung des Verwaltungstraktes. Weitere zwei Millionen Euro schüttet die Reintjes-Stiftung für soziale Zwecke aus, unter anderem für das Familienzentrum in Hameln.

Schliephack ist sich sicher, dass „Reintjes die Krise meistern wird“. Allerdings werde das Konjunkturloch seine Spuren in den Büchern und im Betrieb hinterlassen. Aufgrund der für die Schiffsbaubranche üblichen langen Lieferzeiten und Bestellzyklen sowie der derzeitigen Überkapazität an Frachtvolumen werde es nach einem Wiederanspringen der Konjunktur noch ein Jahr dauern, bis Frachtraum wieder knapper werde und Reeder neue Schiffe bestellten, so die Prognose von Reintjes. Derzeit sei noch keine Trendwende erkennbar, so Schliephack. „Das Tal ist noch nicht erreicht.“ Die hohe Eigenkapitalquote von 72 Prozent hilft Reintjes, in der Krise manövrierfähig zu bleiben. Schliephack: „Wir werden uns von einer Krise, die zwei bis drei Jahre dauert, nicht aus der Bahn werfen lassen.“ Immerhin boome Asien noch, deshalb sei auch Singapur der wichtigste Außenstandort von Reintjes.

Marktwirtschaft gilt auch in Krisenzeiten

Grundsätzlich setzt Reintjes weiter auf die Kräfte der freien Marktwirtschaft. Schliep-hack: „Ich halte nichts von staatlicher Unterstützung und von Rettungsschirmen. Die Marktwirtschaft funktioniert auch in Krisenzeiten. Unternehmen künstlich am Leben zu halten, wie es derzeit bei Opel geschieht, ist eine kurzsichtige Entscheidung.“



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