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"Der Kuckuck ist ein scheues Reh": Frank Suchland wandelt auf Heinz Erhardts Pfaden

"Reine Pointenschieberei wäre dem Künstler nicht gerecht geworden"

Bückeburg. Heinz Erhardt gilt als die humoristische Inkarnation der Wirtschaftswunder-Zeit, als Spaßvogel-König des wiederaufgebauten Deutschlands. Sein Wortwitz, seine Reime und seine herrlichen Wortverdrehungskünste waren ebenso legendär wie seine im Film und auf der Bühne inszenierte Biederkeit und seine perfekt gespielte, bisweilen hart an die Anarchie reichende Schusseligkeit. Mit seinem Leseprogramm "Der Kuckuck ist ein scheues Reh" hat Frank Suchland dem Humoristen ein kleines literarisches Denkmal errichtet. Unterstützt von Gitarristin Catharina von Bargen hatte das Programm jetzt im Offiziers-Casino der Heeresfliegerwaffenschule Premiere.

veröffentlicht am 15.11.2006 um 00:00 Uhr

Rezitator Frank Suchland und Gitarristin Catharina von Bargen se

Autor:

Johannes Pietsch

In lockerer Form mischte Frank Suchland dabei Witze, Verse, Parodien und biographische Notizen von undüber den großen Komiker, der nie auf Kosten anderer Witze machte, sondern den wahren Humor dort fand, wo es die Menschen auf Grund ihrer Unzulänglichkeiten schwer haben, mit dem Leben zurecht zu kommen. Von Catharina von Bargens gefühlvollen Gitarrenklängen begleitet, beleuchtete Frank Suchland einmal den stillen, melancholischen Dichter, der sich mit vier liebevollen Versen für die über 40 Jahre Ehe bei seiner Frau bedankte, ebenso wie den krachledernen Spaßvogel, der sich mit diebischer Freude über die klassischen Balladen Goethes und Schillers hermacht. Im "Tauchenichts" fliegt zwar auch ein Becher in die Fluten, doch machen sich im Gegensatz zu Schillers "Taucher" die Knappen und Rittersmänner aus dem Staub, denn: "Sie wussten verlässlich, die Tochter ist grässlich. Der Becher liegt heute noch unten." Und die Geschichte vom König Erl à la Erhardt kennt dank Otto Waalkes jeder, wenn der Vater mit seinem erkälteten Sohn im Arm durch die Nacht reitet: "Er erreicht den Hof mit Müh und Not. Der Knabe lebt, das Pferd ist tot." Auch die nachdenklichen und sogar die politischen Seiten des Humor-Allrounders, der vor allem in den 1950er Jahren auf der Leinwand Karriere machte, ließ Frank Suchland anklingen. "Wir wollten keinen Witzeabend veranstalten, sondern vor allem den Menschen Heinz Erhardt vorstellen", erklärte der Vorleser. "Eine reine Pointenschieberei wäre diesem Künstler nicht gerecht geworden." Das Leseprogramm "Der Kuckuck ist ein scheues Reh" gibt es ein weiteres Mal am 15. Dezember in Eisbergen, der Termin ist aber ausverkauft. Im März ist eine Aufführung in der Alten Polizei in Stadthagen geplant.

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