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Warum für Betriebe eine Personalpolitik für Väter und Mütter wichtig ist / Diskussion im Lichthof

Region will familienfreundlicher werden

Kreis Holzminden (nig). Die Frau ist für Haus und Familie zuständig und der Mann für die finanzielle Versorgung. „Dieses alte Rollenklischee ist heute glücklicherweise überholt“, sagt Landrat Walter Waske. Dennoch – und deshalb hat der Landkreis gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) am Mittwochabend in den Lichthof der Fachhochschule Holzminden geladen – sei es für Mütter, Väter immer noch schwierig, Familie und Beruf zu vereinbaren.

veröffentlicht am 26.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 14:21 Uhr

Die Organisatoren: Prof. Dr. Alexandra Engel, Stefan Reuyß, Sigr
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Waske fordert Rückgriff auf eigenes Potenzial

Hier neue Möglichkeiten auszuloten, zu denen auch eine familienorientierte Personalpolitik in Unternehmen gehört, war Ziel der Veranstaltung „Leben und Arbeiten im Landkreis Holzminden – Zukunft gestalten“. Jungen Eltern ermöglichen, Familie und Berufsleben besser zu kombinieren, das müsste auch im Eigeninteresse der Betriebe liegen, meinte Landrat Walter Waske in seiner Ansprache.

Da es immer schwieriger werde, geeignete Fachkräfte in die Region zu holen, sei es für Unternehmen „eine logische Konsequenz“, sich auf das hier vorhandene Potenzial an Arbeitskräften zu besinnen und familienfreundliche Strukturen anzubieten.

Die gemeinsame Auftaktveranstaltung in der Fachhochschule solle die Teilnehmer für dieses Thema sensibilisieren. Bei der begleitenden Ausstellung im Lichthof der Hochschule zeigten die einzelnen Kommunen, welche Betreuungsangebote sie bereits vor Ort zur Verfügung stellen. Prof. Dr. Alexandra Engel von der Fakultät Soziale Arbeit ging auf das neue Projekt Fachkräftemonitoring ein. Gezielt soll damit der Fachkräftebedarf der heimischen Betriebe ermittelt werden, insbesondere unter geschlechtsspezifischen Gesichtspunkten. Die Untersuchung – gefördert von der EU – ist auf 18 Monate angelegt und erfolgt in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule, dem Gleichstellungsbüro des Landkreises und der Holzmindener Fachhochschule.

Im Landkreis Holzminden, so bedauert Professorin Engel, bedeute für Frauen der Familieneintritt fast immer automatisch der Austritt aus dem Berufsleben. „Bei diesen meist gut ausgebildeten Frauen liegt dann ein wertvolles Potenzial an Fachkräften brach.“ Firmen sollten diese „stille Reserve“ aktivieren, müssten aber Möglichkeiten bieten, den Mitarbeitern die Kombination Familie und Beruf zu erleichtern.

„Das Wissen wandert ab“

Ohne solche Gegenmaßnahmen drohe dem Landkreis ein „Brain drain“, fürchtet Alexandra Engel: „Das Wissen wandert ab, die jungen Leute kommen nicht zurück.“

Solche Argumente untermauert Diplom-Soziologe Stefan Reuyß aus Berlin mit statistischen Erhebungen. In großen Unternehmen seien Einrichtungen wie Betriebskindergärten oder Wäsche-Service üblich, einfach um die Fachkräfte bei der Stange zu halten. Der Soziologe fordert eine „Vätersensible Betriebskultur“, um zum Beispiel durch flexiblere, aber planbare Arbeitszeiten Männern mehr Möglichkeiten zu geben, am Familienleben teilzuhaben.

Und Reuyß bringt einen weitern Aspekt in die ein: Familienväter besäßen zusätzliche Sozialkompetenzen, die auch im Betrieb nützlich sind. „Ein Beispiel ist das Chaosmanagement. Männer, die zu Hause mehrere Kinder haben, können das.“

Wie auch in einem kleinen Unternehmen mit 15 Mitarbeitern familienfreundliche Abläufe möglich sind, erläutert Oliver Weist, Geschäftsführender Gesellschafter der „Weist und Wienecke Oberflächenveredelung in Alfeld“. Sein Zauberwort heißt Flexibilität. Die verlangt der Firmenchef von seinen Mitarbeitern, um kurzfristige Kundenwünsche zu erfüllen, aber die gesteht er seinen Mitarbeitern auch bei Wünschen nach Freizeit zu. „Alles eine Sache der Absprache“, findet Oliver Weist. „Gemeinsame Lösungen sind besser als der gelbe Schein.“

Irmgard Lohmann, Mutter und Steuerberaterin in eigener Kanzlei in Emmerthal, beklagt dagegen, dass viele zusätzliche Betreuungsangebote für Kinder von Eltern kaum genutzt würden. „Es nützt alles nichts, wenn die handelnden Personen nicht mitmachen“, sagt sie und fordert mehr Flexibilität von den arbeitenden Elternteilen. „Warum muss immer die Mutter zu Hause bleiben, wenn das Kind krank ist?“



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