weather-image
18°
Pogrom-Gedenkfeier 70 Jahre danach: Schulen, Kirche und Verwaltung erinnern an Holocaust

Reese lässt Juden nicht zu Wort kommen

Bad Nenndorf (tes). Stadt und Samtgemeinde haben am Sonntagmorgen gemeinsam mit Vertretern der Kirchen, von Gymnasium und Stadtschule und Jugendparlament in einer Feier am Gedenkstein an den staatlich organisierten Auftakt zum Holocaust erinnert. Doch Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese hat bei der jüdischen Gemeinde für Unmut gesorgt, denn der Verwaltungschef ließ deren Vorsitzende ihre Rede nicht halten (siehe Kasten).

veröffentlicht am 10.11.2008 um 00:00 Uhr

Marina Jalowaja,überreicht den symbolischen Kristallstern an Chr

In der Nacht zum 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Die koordiniert von SA und SS gestarteten Pogrome brachten in Deutschland 91 Tote und ein hohes Maß an Zerstörung hervor. Diesen historischen Rückblick nahmen die GBN-Schülerinnen Laura Witt und Berit Wedemeyer zum Anlass, aus dem Grundgesetz zu zitieren.In Deutschland und im Landkreis hätten nur wenige Mutige ihre Stimmen erhoben und die Verbrechen beim Namen genannt, sagte Samtgemeindebürgermeister Bernd Reese auch im Namen von Bürgermeisterin Gudrun Olk, die erneut nicht teilgenommen hatte. Später verlas er die Namen der in Bad Nenndorf verfolgten Bürger jüdischen Glaubens. Die Stadtschülerinnen Gina Blaskowski und Lena Dziuba, die mit Schulleiterin Brigitte Naber gekommen waren, erinnerten mit einem Gedicht an das Schicksal der jüdischen Dichterin und Literatur-Nobelpreisträgerin Nelly Sachs. Pastorin Sabine Lambrecht äußerte sich froh, dass so viele den Weg in den Gottesdienst der St.-Godehardi-Kirche und zur Gedenkfeier gefunden haben. "Und dass es überhaupt wieder jüdische Bürger in der Stadt gibt." Die Erinnerung sei gerade auch heute, da die Zeitzeugen allmählich verstummen, von großer Bedeutung. In diesem Sinne war auch auf dem Banner der Kritischen Initiative Schaumburg zu lesen "Erinnern heißt Handeln".Für den angemessenen musikalischen Rahmen sorgten Carsten Groß und einige Bläser des Gymnasiums. Reese und der stellvertretende Bürgermeister Werner Tatge legten einen Kranz nieder. Als Zeichen der Versöhnung und Erinnerung überreichten Mitglieder der jüdischen Gemeinde allen Anwesenden kleine angebrochene "Kristall"-Sterne mit der Aufschrift "9. November 1938. Nie wieder". Eine Geste, die bei Christine Jordan-Franz aus Bückeburg auf Begeisterung stieß. "Ich bin Christin und liebe das jüdische Volk." Eine Zeitzeugin, die früher wenige Häuser von der Praxis des jüdischen Arztes Ernst Blumenberg gewohnt hat, betonte im Pressegespräch, wie beliebt dieser in Bad Nenndorf gewesen sei. "Er war sogar Mitglied im Tennisverein. Ich habe nie verstanden, was später mit ihm passiert ist."



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare